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Atdert von Kölliker

Mit Exzellenz Geheimrat vr. Rudolf Albert von Kölliker, der gestern nachmittag starb, verschied einer der letzten der alten großen Würzburger Schule", ein Zeitgenosse von Vtrchow, Liebold, Ger­hard u. a., die den Ruhm der Würzburger medizinischen Fakultät begründeten.

Albert von Kölliker war geboren zu Zürich am 6. Juli 1817, erreichte also ein Alter von 88 Jahren. Seine Studien machte er, an den Uliiversiiätcn Zürich. Bonn und Berlin, promovierte 1841. in Zürich zum Dr. phil., 1842 in Heidelberg zum vr. med. In Zürich war er sodann Assistent bet dem nachmaligen berühmten! Göttinger Anaiomen und Pathologen Heule, dessen Leitung auch j für die Entwickelung Köllikers bestimmend war. Im Jahre 1843 habilitierte sich Kölliker in seiner Vaterstadt als Privatdozent und !wurde ebenda iw Jahre 1845 Professor der Physiologie und ver­gleichenden Anatomie. Im Jahre 1847 erging an ihn der ent- scheidende Ruf nach der Würzburger Hochschule, der er seine besten Kräfte widmete und trotz zahlreicher auswärtiger Lockungen bis zur Niederlegung seiner Professur nach Vollendung des 80. Lebensjahres treu blieb; hier lehrte er ursprünglich Physiologie, dann seit 1666 Anatomie, Mikroskopie und Entwickelungsgeschichte. Im Alter, namentlich gelegentlich seines 50jährigen medizinischen Doktorjubt- läums im Jahre 1902, wurden dem Gelehrten hohe Ehren zu teil. >Er erhielt den Titel Geheimrat und den t^zellenz-Rang, den bayerischen MoxtmilianSorden für Kunst und Wissenschaft, den preußischen Orden pour le merite und zahlreiche ausländische Ehrenzeichen, den bayerischen persönlichen Adel, daS Ehrenbürgerrecht der Stadt Würzburg, den Ehrendoktor der Universitäten Bologna, Edtnburg, Glasgow und Utrecht, die Ehrenmitgliedschaft zahlreicher wissenschaftlicher Akademien und Gesellschaften. Speziell in der Würzburger physikalisch-medizinischen Gesellschaft war er Mitbegründer und Ehrenpräsident. Die Publikationen dieser Gesellschaft enthalten eine große Reihe der kleineren, oft aber hochwichtigen Arbeiten v. Köllikers. Auf den anatomischen Kongressen fungierte er bis in die letzte Zeit als gefeierter Nestor und leitete als Ehrenpräsident deren Verhandlungen.

Wissenschaftlich ist v. Kölliker als der bedeutendste Biolog des letzten Jahrhunderts anzusehen. Er besaß als solcher wahrhaften Weltruf. Von seinen zahlreichen Schriften befaßt sich namentlich das hochberühmte, überaus verbreiteteHandbuch der Gewebelehre für Aerzte und Studierende" ausführlich und bisher erschöpfend -mit der biologischen Doktr n; das Werk ist in zahlreichen Auflagen erschienen und in das Französische, Englische und Italienische (teil­weise auch mit mehreren Auflagen) übersetzt. Wettere größere Pub­likationen v. Köllikers waren seine noch mit Henle in Zürich zu­sammen verfaßte Schrift überDie Pacinischen Körperchen", ferner die zweibändigeMikroskopische Anatomie und Gewebelehre des Menschen", dieEntwi-ckelungSgeschichte des Menschen und der höheren Tiere" und dieleorws histologicae", dienormale Resorpt on des Knochenzewcbes", derGrundriß der Entwickelungs­geschichte deS Menschen und der höheren Tiere" unddie Entwicke­lung deS Auges und Geruchsorqans menschlicher Embryonen". Damit ist aber die Aufzählung der Werke v. KöllckcrS absolut nicht er­schöpft; denn der große Gelehr e, dem bei seinen Arbeiten ein eminentes Zeichentalent zu statten kam, war auch im späten Lebens­alter von staunenswerter Fruchtbarkeit. Nach seiner Auiobiographie, die 1899 unter dem TitelErinnerungen aus meinem Leben" er­schien, verfaßte er 245 Publikationen, wozu noch 43 unter seiner Aegtde entstandene größere Dissertationen kommen, also nahezu 300 selbstständige Werke.

Die Hauptgebiete dieser umfangreichen Litteratur waren die Anatomie, Embryologie, Physiologie, Entwickelungkgeschichte. Darwi­nismus, vergleichende Zoologie und Anatomie, Mikroskopie und 'Cellularphysiologie. Spezi, ll die letztere Doktrin kann als die ur­eigenste Schöpfung v. Köllikers betrachtet werden; denn seine For­schungen förderten die Entwickelung der zellularen Lehre ganz wesent­lich, wie er auch viele neue Beiträge zur Lehre vom Zellkern brachte. KöllikerS histologische und cmbryologische Arbeiten behalten nach diesen Richtungen sicherlich bleibenoen Wert.

Als Lehrer zeichnete sich Kölliker durch vortrefflichen Vortrag im Hörsal und auch durch Güte als Examinator aus. Mit ihm verschwindet überhaupt ein Stück Würzburger Un'versitäisgeschichte; er arbeitete noch in dem Rokokopavillon des Juliusspitalgartens, dann in der 1853 im botanischen Garten erbauten Anatomie, end-

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