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FranksuvL, 9^ November.
^ Das Senckcnbergische Museum.
Heber die Bedeutung, die das S e n ck e n b e r g i s ch e Mn° se um für die Volksbildungsbestrebungen gewinnen wird, wenn es erst seinen mächtigen Neubau an der Viktoriaallee bezogen hat, schreibt Professor Dr. K o b e l t - Schwanheim in den Ge- WLMLÜhigen Blättern: ■
^Zas^enckenbergische Museum steht an wrs,enschaft- l i ch e r B e d e u t u n g, in der Zahl der in ihm aufgespeicherten Arten nur den großen Staatsmuseen in Berlin, Wien, Paris und London und dem Hamburger Museum nach, obschon es siur das Museum einer privaten Gesellschaft ist und von der Stadt Frankfurt, der es das Schulmuseum erspart, nicht die geringste Unterstützung erhält. Es dankt seine Reich. tümer nur der O p f e r w i l l i g k e i t Frankfurter Bürger Und der Opferfreudigkeit Frankfurter Naturforscher, die ihm unentgeltlich Zeit und Arbeit widmeten; angestellte Beamte be- sitzt es erst seit wenigen Jahren. Seine Mittel sind bis in die neueste Zeit hinein recht knapp gewesen und haben zu äußerster Sparsamkeit genötigt. Erst die große Schenkung der Gräfin B o s e - R e i ch e n b a ch hat der Senckenbergischen Gesellschaft die Möglichkeit freierer Bewegung gegeben.
Bis dahin war es einfach unmöglich, mehr als das Aller- notwendichte zu tun; die vorhandenen Naturalien zu konservieren, me neu einlaufenden einzuordnen uyd mit Namen zu versehen, gab mehr Arbeit, als die beiden Kustoden beim größten gleiße bewältigen konnten, zumal ihnen auch die ganze sonstige Arbeit im Museum oblag und nicht, einnial ein Diener vorhanden war, der ihnen Ausgänge und Besorgungen abnehmen konnte. Sogar die Aufsicht an den drei Tagen/ an welchen das Museum dem allgemeinen Besuche geöffnet wats lag ihnen ob. Daß da nicht mehr für Bildrürgszwecke im Museum selbst geschehen konnte, liegt auf deü Hand. Im übrigen hat die Senckenbergische Gesellschaft in Verbindung mit dem Senckenbergischen medizinischen Institut, der Stiftung Sencken- bergs, bekanntlich durch die regelmäßigen Vorträge über Zoologie, Botanik, Mineralogie und Geologie und durch ihre nicht öffentlichen aber doch jedem zugänglichen wissenschaftlichen Sitzungen sehr viel für Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse getan. Es ist kein Zufall» daß sehr viele der deutschen Universitätslehrer geborene Frankfurter sind.
' JmneuenMuseum wird vor allem eine scharfe Scheidung durchgeführt zwischen der wissenschaftlichen Sammlung, — deren Zweck es ist, möglichst viele Arten zusammenzubringen und sie systematisch geordnet aufzustellen, als Lkrbeits- material für Naturforscher und Sammler, — und der für das, große Publikum bestimmten Schausammlung. In dieser wird überall der Zweck der Belehrung festgehaltew werden. Neben die Bälge der Säugetiere und Vögel und die sonstwie koriservierten Tiere werden sorgsam ausgeführte Präparate treten, die einzelne Organe und verschiedene Entwicklungsstufen, und bei den niederen Tieren, die eine Verwand-, lung- durchmachen, die verschiedene Lebensformen darstellen. Vor allem aber wird die Etikettierung ganz anders sein. An Stelle des bloßen — oft nur lateinischen — Namens werden bei den ausgestopften oder ganz konservierten ^Tieren genaue Angaben über Heimat, Verbreitung u. dgl. treten, den Präparaten wird «ine genaue Erklärung alles dessen, was an ihnen sichtbar ist. beigegeben werden, sodaß der Wißbegierige sich über alles, was er zu wissen braucht, wird unterrichten können. In einer Anzahl nach dem neuesten System eingerich- -teter kleiner Räume werden die Tiere bestimmter Gegenden in Gruppen ausgestellt werden.
Am meisten Vorteil werden aber die Tiere der Heimat von der Neuaufstellung haben. Zwei große Nischen werden die Tiere unseres Waldes enchalten, die eine im Somi» merkletde, die andere im Winterbalg. Außerdem aber wird ein geräumiger Saal die schon vorhandenen Tiergruppen aufnehmen und zu ihnen werden unsere Schlangen, Eidechsen, Frösche und Kröten kommen und was von Insekten groß genug ist, um im Landschaftsbild bemerkt zu werden. Die kleinen Sachen werden in Glaskästen und Glaspulten in möglichster Vollständigkeit aufgestellt werden, die kleinsten in häufig wechselnden Präparaten unter Mikroskopen. In dieser Form werden die Tiere der Heimat ein Lehrmittel für Heimatkunde werden, wie es besser und eindringlicher nicht gedacht werden kann. .. .
Im neuen Museum wird sich der Besuch auch wesentlich erleichtern lassen. Namentlich aber wird er dann auch im Winter möglich sein, da der Neubau mit Zentralheizung versehen ist.
* Jrai»ks»lrt a. M.» 1. Dezember.
I An der Viktoria-Allee.
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hosweg ihr Ende erreicht. Dort nimmt der Hohenzollerw platz seiy.cn Anfang. Die-linke Seite-der Allee von der Bockenheimer Landstraße aus ist fast vollständig bebaut. In den letzten Jahren wurden hier Villen ähnlich wie' die der Sandhofstraße errichtet. Ansprechende, einfache Gebäude, solid und korrekt in ihrem Äeußeren und nicht! mit künstlerischem Zierat überladen. Nur ein Bauwerk sticht wesentlich von den übrigen ab, das Haus an der Ecke der Jordanstraße. Der romanische Stll, der bei ihm zur Anwendung gelangte, will schier nicht in die Umgebung passen, und dennoch nimmt sich das Haus mit seinen zum Teil großen, bunten Glasfenstern gerade dort nicht unschön aus, was Wohl in der Hauptsache daran liegt, daß es sich um ein Eckgebäude handelt. Die
rechte Seite der Allee bildet noch einaezäüntes Ackerae- lande, gegenüber der Einmündung der Jordanstraße zmgt die Begrenzung der Allee jedoch ein anderes Bild Es erheben sich hier die im Rohbau vollendeten Ge- | daude des Senckenbergianums, der Jüael- Stiftung und des Physikalischen Vereins An der verlängerten Jordan,traße, die noch der Her- stellung bedarf, erhebt sich vorn dos Bibliothekgebaude des Senckenbergianums, an das sich das Anditorienae- , baude der Jüael-Stiftuna, anschließt. Beide sind schon unterjoch und rzach Wie bei den übrigen Bauwerken , »es Geiamtkomplexes wurde zu Fassadenmaterial rötlich , geflammter Mamsandstein verwendet. Das imposante ^ügelhcms findet feinen Abschluß nach oben durch ein flaches rechteckiges Dach, dessen Mitte um eine halbe Stockwerkhöhe erhöbt ist. Die Dächer sind mit einer steinernen Balustrade eingefaßt. Die Balustrade des hoher gelegenen Daches zieren acht pyramidenförmig zugehauene Steinkegel. Ueber dem sigurengeschmückten Portal ist der Frankfurter Adler angebracht. Betritt man das Gebäude, so gelangt man zunächst in eine Wandelhalle, d,e das Treppenhaus kreuzt. In dem Mittelbau find vier Hörsäle untergebracht, von denen zwei nach der Bockenheimer Landstraße und zwei nach der Hofseite zu gelegen sind. In den Seitenbauten werden die Rektorats- und Vcrwaltunasräume etabliert. In dem westlichen Flügel wird das Institut für Gemeinwohl ein Heim finden. In derii ersten Stock ist Platz für sechs Hörsäle geschaffen worden, die insgesamt 302 Personen zu fassen vermögen. Während diese Säle nach der Bockenheimer Landstraße zu liegen, sind mehrere SitznngEile für die Professoren, ferner Arbeitszimmer für die Studierenden n. s. w. in dem hinteren Teile des Gebäudes errichtet worden. Ein Hörsaal, ähnlich wie ihn der Physikalische Verein heute in dem Gebäude an der Stiftstratze besitzt, füllt den Mittelraum der ersten Etage aus. Der amphicheatralische Saal hat 150 Sitzplätze auszuweifen. Wo die Aula der Akademie untergebracht wurde, ist schon von außen sichtbar. Sie liegt im zweiten Obergeschoß und ist durch acht hohe Rundbogenfenster leicht erkennbar. An der Seite wird die Aula eine Galerie besitzen. Da naturgemäß eine Akademie eine genügende Zahl von Hörsälen ausweisen muß, wenn es der Verwaltung darum zu tun ist, den Ruf und das Ansehen der Akademie zu vergrößern, so hat man auch in der zweiten Etage, und zwar nach der Gartenseite zu, einen Hörsaal gebaut, der die anderen an Größe weit übertrifft, denn in chm finden 250 Personen Platz. Auch dieser' Saal weist die Formen eines Amphitheaters aus. In den noch höher gelegenen Geschossen wird man die Bibliothek ■ unterbringen und für seminarische Zwecke Uebungszimmer, es sollen 14 an Zähl werden, einrichten. — Das entschieden prächtigste Gebäude der ganzen Gruppe ist das Museum, das die Mitte der Front an der Viktoria-Allee einnimmt. Die Hauptfassade ist heute schon so ziemlich von allem Gerüstmaterial freige- geben. Sie präsentiert sich überaus vorteilhaft und macht architektonisch einen sehr guten gediegenen Eindruck. Freilich, wer gehofft haben mochte, hier einen hochmodernen, womöglich un Stile der Sezession gehaltenen Bau zu finden, wird enttäuscht sein. Aber ge- rade das Einfache, Behäbige, Solide ist hier viel zweckentsprechender. Der in der Ausführung gediegene Bau wird von einem Giebel gekrönt, der in der Mitte das Wappen Senckenbergs führt. Zur Rechten und Linken fitzen zwei FrauenMstalten, die die forschende und die lch«»de MftMjchest darsteL«. & m Ecken des ' Giebelfeldes erblickt man rechts einen Löwen und einen Adler, links ein Krokodil. Auf dem Giebel sitzen zu beiden Seiten je eine Kindergestalt, die die Fischerei und den Vogelfang wiedergcben. Auf dem höchsten Punsie des Giebels thront auf einer Weltkugel ein Sensenmann, Die bärtige, aus Kupfer getriebene Gestalt besitzt zwei Flügel. Sie stand früher auf der Dachspitze des ana- tounschen Theaters im Garten des Senckenbergianums an der Stiftstraße und wurde von dort entfernt, weil die Patienten des Bürgerhoipitals bei dem Anblick der Figur in Schrecken gerieten, oenn sie glaubten, ihr letztes Ständlein werde bald schlagen. Der Sensenmann nimmt sich auf dem DachAiebel des neuen Heims recht würdevoll aus, das in seinem Innern säst doppelt fo viele Ausstellungsräume bietet, wie das alte Museum. Die sämtlichen Räume des Senckenbergianums an der Viktoria-Allee gruppieren sich um einen ^ Lichthof. Der Vorderbau enthält u. a. einen 250 Hörer fastenden Sitzungssaal. Handwerklich ist das neue Museum, fo weit sich bis jetzt erkennen läßt, sehr gut gediehen. In der Detailbildung der Architektur ist vom Standpunkt der Stilechtheit aus viel Gutes angestrebt und erreicht. Das Museum wird nach den Plänen des Herrn Baurat N e b e r hergestellt, die Bibliothek und das Gebäude des Physikalischen Instituts, das sich feem, Museum nach Süden zu anschließt und mit der Haupffassade nach dem Kcttenhofweg zu steht, werden nach den Angaben des Baurats v. Hoven angefertigt. Das neue phyflkausche Jnstitutsgebäude ist von der Gruppe das am wenigsten fortgeschrittene. Es mag dies daher rühren, daß die Arbeiten später begonnen wurden und daß die Funda- mentierung eine weit schwierigere als bei den anderen Gebäuden war, denn hier stieß man schon in geringer Tiefe auf Grundwasser. Im nächsten Jahr wird sich die ganze Baugruppe vollendet präsentieren und der Bürgerschaft zur Freude gereichen, denn sie hat, wie sich, schon jetzt erkennen läßt, nicht umsonst die enormen Opker gebracht, um das Zustandekommen eines solchen Werkes zu ermöglichen.