Klein» Kress».
27. Inli 1905,
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Städtisches Baumaterial.
Bockenheim, 25. Juli.
An den Verlag der .Kleinen Presse".
„Wer am Wege baut, hat viele Meister", heißt ei« alicS Sprichwort, das dem Magistrat Frankfurts in die Erinnerung genifcn werden muß, damit er über dis öffentlichen Bauten utwaS bessere Aussicht führt, den», ist d-.r Frankfurter Bürger auch ein frommes Lamm in punoto Steuererhöhung und zahlt geduldig weiter, so will er doch auch wiffen, was mit seinem Gelbe geschieht.
Sehr verstimmen kann ihn nur, wenn er am Bau Senckenberg hinter den Kulissen einen Blick auf dieSteirinn e tz a r b e i t wirst, die dort abgeladen wird, denn er weiß, daß dieser Bau mehr wie nobel bezahlt wird Betr >chtet er die Arbeit, so muß er sich sagen, daß sie zum Teil aus Steine» besteht, die jeder Bürger an je nem Bau n i ch t an n eh m en wurde. Hauptgesimssteins mit mehreren La gerri s fe n und bis ins Profil mit Rötel durchsetzt, teilweisemürb undbröcktich-brüchiges Taggesiein. Die infolge dessen in der Sima ausgebliebene Oberfläche ist zum nachträglichen Verkitten am Rau kaum brauchbar. Für vollbezahlte Arbeit kann ein solches Material doch, selbst in den Ferien, wo die meisten städtischen Baumeister abwesend sind,
nicht gelten.
Es wäre höchste Zeit, daß fich auch unter den Bürgern eine Kommission bildete, die die Bauten der Stadt kontrollierte , und Protest gegen die stoßweise auftretenden gänzlich zwecklosen, ! praktisch unhaltbaren Baubestimmungen erhöbe. i.
Der o. Professor der Anatomie und ehemalige Leiter der anatomischen Anstalt der Kieler Universität, Geh. Medizinalrat vr. w«ä. Walther F l e m m i n g ist gestern gestorben. Flemmings BeoeUktliig "ssegr in seinen wertvollen Untersuchungen über den Bau der Zelle, insbesondere des Zellenkerns. Seit 1878 war er o. Professor in Kiel. Er ward in Schwerin am 21. April 1843 geboren.
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* Albinos im Tenckenbergiannm. Vom Förster Budde in Schwanheim wurde vor einigen Tagen eine eigentiinilirli hell gefärbte Varietät unseres Feldhasen erlegt, und dem Senckenbcrgi'scheu Museum als Geschenk überwiesen. , Die Oberseite ist von leuchtend goldgelber Farbe, die Unter- ; feit« und der Schwanz fast weiß, also ein partieller Albi-1 »ismus. Dieser Hase war von Professor Kobelt in i Schwanheiin schon seit ungefähr zwei Jahren beobachtet und' für das Senckenbergische Museum reserviert worden. Meister Lampe wußte sich aber lange Zeit den Verfolgungen der Nimrode imd Hunde zu entziehen» bis er endlich doch dem Jagdglück des Herrn Budde und der Wissenschaft zum, Opfer fiel. Solche Spielarten find dem Museum für die! Sammlung der einheimischen Tiere höchst willkommen. Be- - sonders reichhaltig ist dort in der Lokalsammlung die Kollektion der Albinos, der völlig weiß gefärbten Tiere mit roten Augen; vom Fuchs, verschiedenen Vögeln und selbst vom! Maulwurf sieht nian dort prächtige Exemplare.
. * Dr. Julius Guiieupluu f. Mitten auS seinem segensreichen Wirken hat der Tod einen der beliebtesten Frankfurter Acrzte gerissen. Dr. G u t t e n p l a n ist am Dienstag Abend in Meran, wo er Erholung suchen wollte, an den Folgen eines Herz- und Nieren- i leidens gestorben. Er war in Offenbach a. M. geboren,, studierte in Heidelberg Medizin und ließ sich in Frankfurt als Arzt nieder, wo ee mehr als 20 Jahre wirkte. Er besaß das volle Vertrauen des großen Kreises seiner Praxis, und zudem war er den Armen ein großer Wohltäter im Stillen. Im Spätsommer stellte sich das tückische Leiden ein. anfangs September begab er sich in Begleitung seiner Gemahlin zuerst nach Badenwciler und dann nach Meran, aber leider war di Krankheit nicht mehr zu überwinden. Die Beerdigung ist in aller Stille.
— Frankfurt, 19. August.
Grundsteinlegung zum Neubau des BürgcrhospitalS.
Im äußersten Norden der Stadt, an dem neuen Straßenzug der N i b e l u n g e n-A l l e c, erfolgte gestern Nachmittag die Grundsteinlegung zum Neubau des Burgerhospitals. Der Platz war reich geschmückt. In einer in den Frankfurter Fahnen ausgeschlagencn und mit den Wappen der Vaterstadt Senckenbergs gezierten Loggia versammelten sich gegen halb fünf Uhr Vertreter der Stadt, der Negierung, der Senckenbergischen Institute, Männer der Wissenschaft, namentlich der ärztlichen und ihrer verwandten Zweige, von hier und auswärts. Mit dem Choral „Eine feste Burg" begann die Feier. Dann nahm der Vorsitzende Geheimrat Schmidt-Metzler zu einer längeren Ansprache das Wort, in der er zunächst daran erinnerte, daß genau vor 142 Jahren die Senckenbergische Stiftung gegründet wurde: Vor zwei Jahren wurde am gleichen Tag der Vertrag mit der Stadt abgeschlossen, der Vertrag, von dem wir hoffen,- daß er sich als ein segensreicher für die Stiftung und die Vaterstadt, für die Förderung der Wissenschaft und das Wohl der Kranken erweisen wird. Senckenberg konnte nicht ahnen, zu welch außerordentlicher Entwicklung seine Schöpfung berufen sein würde. Erst spätere Geschlechter werden freudige Zeugen der glänzenden Fortschritte sein, denen die Schöpfung Senckenbergs entgegengeht. Senckenberg hat das Samenkorn in die Erde gelegt, das sich zu einem großen Baum entfaltet hat, gehegt und getragen von dem Wohlwollen der Frankfurter Bürgerschaft. Was an Senckenberg sterblich war, ruht nach seinem Wunsch inmitten seiner Stiftung/ Nachdem, es nicht möglich war. das Grab an seiner jetzigen Stelle zu belassen, werden seine Gebeine eine würdige Stätte in einem der Zweige der Stiftung finden, die in Zukunft an verschiedenen Stellen der Stadt an- gesiedelt sein werden. Außer diesen Grundmauern werden im'Wessen .der Stadt, an der Viktoria-Allee, die ersten Steine zur >B i b li o t h e k gelegt und in diesem Jahr-noch wird im Südwesten die neue Anatomie angefangen. Die Verhandlungen wegen eines neuen botanischen Gartens lassen ebenfalls eine erfreuliche Lösung erhoffen. Für alle diese Förderungen gebührt Dank den städtischen Behörden, der Bürgerschaft, besonders aber Herrn Oberbürgermeister A d i ck e s. Mit weit schauendem Blick hat er die Bedürfnisse und Wünsche der wissenschaftlich strebenden Mitbürger erkannt, zugleich die Wichtigkeit, die das Bestehen und Gedeihen einer Anstalt, wie die Senckenbergische, für daZ geistige Leben Frankfurts haben muß. Ihm ist es ferner zu danken, daß das neue Hospital nicht wieder so umbaut wird, wie es bei dem alten Gebäude der Fall war. „Als würdiger Ooctor medicinae hat Oberbürgermeister AdickcS die Hpgiene der Stadt ganz besonders in sein Herz geschlossen und in seiner für alle Bedürfnisse des Verkehrs und der Wohlfahrt weitsehenden Fürsorge uns die Anlegung- dieser schönen breiten Straßen verschafft. Er ist, wie bekannt, wegen der Straßenanlagen vielfach angefeindet worden. Kommen wird aber sicher der Tag, an dem die Frankfurter gerade dafür dankbaren Herzens seiner gedenken werden, und er trägt seinen Doktortitel mit Recht ho» noris causa." Der Redner dankte dann der Frankfurter Bürgerschaft und sprach die Hoffnung aus, daß der so oft bewährte Bürgersinn es ermöglichen werde, den Jahrhunderte alten Baum in der Nähe von Senckenbergs Grab zu verpflanzen, da er den neuen Bauten weichen muß. Ferner dankte der Redner dem „Helfer in baulicher Beziehung", Baurat v. Hoven. Architektonisch schöne oder geschichtlich bemerkenswerte Teile des alten Hospitals werden dem Neubau eingefügt. Wir sind entschlossen und sind fest überzeugt, so schloß die Rede, daß es uns gelingen wird, außer diesem steinernen Schmuck den alten Geist in den neuen Bau zu verpflanzen, den Geist Senckenbergs, den Geist der echten Humanität, der hauptsächlich das Wohl der Kranken und Pfründner im. Auge haben soll, daneben aber auch der Geist' der Wissenschaft, dessen Pflege Senckenberg so ganz besonders am Herzen gelegen hat.
Während die Musik einen Choral intonierte, wurde die kupferne Kapsel verlötet. Sie birgt eine Urkunde, die über die Grundsteinlegung berichtet, ferner je ein Exemplar des Stistungsbriefes, des letzten Jahresberichts, des Vertrags der Stiftung mit der Stadt und zwölf Abbildungen der Senckenbergischen Stiftungsbauten aus der Kuustanstalt C. F. Fay. Die Kapsel wurde in den Altar der zukünftigen Hospitalskapelle eingcsügt. Dann folgten die üblichen Hammerschläge. Den Anfang machten Geheimrat Schmidt- Metzler, Regierungsrat Klotz und Bürgermeister Dr. Varrentrapp, den Schluß Baurat von Hoven und Professor G o t t h o l d. Geheimrat Schmidt - Metzler tat seine Hammerschläge „der Vaterstadt zur Ehre, der Wissenschaft zur Förderung, den Kranken und Pfründnern zum Segen". Baurat von Hoven widmete seine beiden ersten Schläge den Baumeistern der alten Gebäude T h e r- b u und B u r n i tz, den dritten in seinem und seines Sohnes Namen, der mit der Bearbeitung des dritten Neubauprojektes betraut ist, ferner den Mitarbeitern und Bauleitern. Damit schloß die einstündige Feier.
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