l fühlvoller' Weise und er feierte das^ Andenken des Gründers und Ehren­mitgliedes in den folgenden Myrten:

Als eine trauernde Familie stehen die Mitglieder des Dewtsch-Litterari- schen Klubs an der Bahre ihres Pi l triarchen. Dr. Adolf Zipperlen war nicht nur Ehrenmitglied und Gründer, nicht nur das an Jahren älteste Mit­glied unseres Vereins, er war seine Inspiration, fein verkörpertes Prin-> zip, welches die Liebe zur angestamm­ten deutschen Art neben der Treue zu dem Adoptiv-Vaterlande, die Begeiste­rung für die Schätze litterarifcher , Kunst neben der Hingabe an den bür- j gerlichen Beruf bedeutet.

I Ein Sohn des sangvekchen Schwa- ! benlandes, dessen Bedeutung für die deutsche Dichtkunst gerade in diesem Säkularjahre seines größten Sohnes, Friedrich Schiller, uns mächtig vor die Seele tritt, hat Adolf Zipperlen hier der Pflege deutscher Dichtung ei­ne Stätte gründen helfen. Ein Kind der Zeit, die im Kampfe gegen die Re­aktion auf dem Mensurboden akademi­scher Studenienvereine, den höchsten Idealen menschlicher Freiheit, der ! Vereinigung be§ Menschthums und j des Volksthums eine Heimstätte schuf,

! hat Adolf Zipperlen diesen Idealen, wie ihren Symbolen, dem Bande der Burschenschaft ünd der Burschenpfeife durch mehr als zwei Generationen unvergängliche, selbstbewußte und doch bescheidene Treue bewahrt. Hervor­gegangen aus der ehrwürdigen Uni­versität am Neäar, ihr Zögling in ei­ner Zeit, als die Tübinger Schule im Zenith ihres weltgeschichtlichen Rufes; stand, ein Mann, der unter einem Da-1 che mit dem unglücklichen Friedrichs Hölderlin gewohnt, der Ferdinand i Christian von Bauer und David Friedrich Strauß in's Auge geschaut, l der vielleicht mit dem greisen Eduard Zeller und dem unsterblichen Theodor Bischer in demselben Hörsaal gesessen, war er uns Jüngeren ein lebendiger Zeuge, eine Verkörperung jener großen Zeit, jener Vorgängerin der Epoche, materiellen Fortschritts, in welcher diel Stube des Forschers den unbestritte­nen Mittelpunkt deutscher Kultur bil­dete.

Das muntere Treiben deutscher Musensöhne am Neckar, der liebens-, würdige schwäbische Humor war dem theueren entschlafenen Greise ein un­vergängliches Erbe. Die Morte seines Heimathsdichters von den Schwaben-' streichen, er mochte sie selbst gesprochen! haben. Eine sestgeschlosscne Indivi­dualität und dabei ein treuer Mitar-' beiter an der gemeinsamen Sache/ wortkarg und dabei liebenswürdig, ein Freund der Geselligkeit und dabei ein musterhafter Gatte und Vater, ist Adolf Zipperlen dem Deutsch-Littera- rischen Klub ein echt pütriarchalisches, Vorbild gewesen, und es gereicht uns j zum Stolze, daß er sich in unserer i Mitte so wohl fühlte, daß er uns ge- : stattete, sein fünfzigjähriges Ehe< jubiläum und feinen fllnfundachtzig- sten Geburtstag in unserer Mitte zu feiern. Mir hatten noch kürzlich ge­hofft, ihn das seltene Fest seines sech-, zigjährigen Ehejubiläums in unserer Mitte feiern zu sehen. Wenige Wo­chen vorher hat uns das unerbittliche Geschick ihn geraubt. Reich an Iah-, ren ist er heimberufen worden, doch uns ist er nicht geschwunden.

Mag, was vorl Staub ist, zu Staube zerstieben, ;

Was aus dem Geiste ist, tödtet man! nicht."

Adolf Zipperlen, Du warst unser! Das ist unser Stolz und unser Trost. Dein Werk wird nicht vergehen, so lange noch Einer von uns athmet, der Dich gekannt, der sich an Deiner kräft tigen Mannesgestalt erfreut, den Dein liebenswürdiger Humor erheitert hat. Als passendsten Tribut der Dankbar­keit rufe ich Dir die Worte Deines Heimathsdichters nach:

>Du schiedest hin, die Welt ward öde, Ich stieg hinab in meine Brust;

Der Lieder sanfte Klagerede Ist all mein Trost und meine Lust.

Die Seele, jüngst so hoch getragen, Sie senket ihren stolzen Flug;

Sie lernt ein friedliches Entsagen, Erinnerung ist ihr genug."

Durch mich ruft Dir der Deusch- Litterarische Klub Worte des Dankes zu:

Ich hatt' einen Kameraden,

Einen beff'ren find'st Du nicht;

Bleib Du im ewigen Leben i Mein treuer Kamerad!"

Dr. H. H. Fick widmete dem Dahin­geschiedenen den Tribut der Freund­schaft und sprach in wunderschönen, von Herzen kommenden und zu Herzcn gehenden Worten. Nachdem Col. M. Lorentz das Ritual des Willich-Po- stens, G. A. R., verlesen und die Ka­meraden Kranz, weiße Rose und Im­mergrün auf den Sarg gelegt hatten, verrichtete Richter A. H. Bode als Mei­ster vom Stuhl der Hanselmann-Loge das schöne Trauer-Ccremoniell der Freimaurer, während die Brüder den Katafalk umstanden. Mit einem von Dr. Otto Jllttner gespielten Postlu- dium erreichte d!e eindrucksvolle Trauerfeier ihr Ende und die Anwe­isenden warfen noch einen letzten inni­gen Blick des Abschieds auf die Allen so wohlbekannten Züge des edlen Tod-1 ten. , j

Als Bahrtuchträger hatten die fol-; genden Herren fungirt: s

Für die Familie Herren Dr. Jos. M. Topmöller, Paul Christ, Dr. Otto ! Jüttner und C. W. Boß. :

Für den August Willich-Posten No. b.95 Herren Col. M. Lorentz, Ed- sward Bratfish, Albert Schultz und ! Fred. Meyer. !

! Für die Hanselmann-Loge, F. & 5)1. 1 M. Herren H. A. Pape, Philipp!

! Ritter, Louis Ries und Geo. Acker- Mann.

Für den Deutschen Litterarischen Klub Herren Dr. G. Deutsch, Dr. H. H. Fick, Dr. John B. Peaslee und Carl Pletz.

Ans Senckenbergische N atur h ist o r i s ch e Museum rn Frankfurt am Main wurden als Asststenten berufen: Dr. F. Drevermann bisher Aisistent an der Geologischen Anstalt der Universität Mar­burg. für Geologie,- und Dr.-E. Äolf, bisher Assistent an der Zoologischen^Anstalt der Universität Tübinaen. für Zoologie. ' " ' '