lieber dies Thema aus der praktischen Geologie hat Dr. A. von Re in am in Frankfurt jüngst eine Arbeit geliefert, welche m den Abhandlungen der königl. pren- . ßischeu Geolog. Landesanstalt, Heft 42, erschienen ist. i Eine der Hauptaufgaben der Geineindcverwaltungcn 1 ist die Versorgung der Geineindcn mit gutem Tri'nk- ^ wasser. Bei dem jetzigen schnellen Wachstnme der Gemeinden ist diese Aufgabe oft nicht leicht und oft nur mir Aufwendung großer Geldmittel zu lösen. Die Reinachsche Arbeit verdient deshalb die besondere Beachtung der Bevölkerung des Taunus und seiner Umgebung.
Ehe ich zur Besprechung der Reinachscheu Arbeit übergehe, will ich Einiges vorausschicken: Zur Lieferung des Trink- und Wirtschaftsivassers für die Menschen sind die Flüsse und Quellen bestiuunt. Aber die Flüsse sind durch die Verunreinigung, weiche sie meistens durch menschliche und tierische 'Abfallstoffe, durch Geiverbe und Industrie in der Neuzeit erfahren, hiervon ausgeschlossen werde», auch die Brunnen, welche man früher innerhalb der Wohnstätten gegraben hat, um das sog. Griind- wasser zu schöpfen, liefern sehr häufig unreines Wasser, da der Boden bei älteren Ansiedlungen bis in die Nähe der Grundivassergreuze meist mit Abfallstvffen nuge- reichert ist. Es bleiben nun noch die Quellen zur Befriedigung des Bedürfnisses von Trink- und Wirtschafts- wasser der Gemeinden übrig, aber diese sind oft nicht in genügender Zahl oder genügender Ausgiebigkeit in der Nähe vorhanden, da der geologische Ban der Umgebung die unterirdischen Wasser schnell in grosse Tiefen führt und sie ersi an weit entfernten Orten zuin Ausbruch gelangen läßt, oder sie vermischen sich au unbekannten Stellen mit dem Grundivasser. Wo Gebirge in der Nähe ist und es an ergiebigen Quellen, wie im Gebiete des Taunus mangelt, grabt man Stollen in das Gebirge h nein, um die in denselben in die Tiefe rinnendeir Wasser abzufangen und an einer der Gemeinde bequemen Stelle zum Austritt zu bringen. Bei der Anlegung eines Stollen müssen hauptsächlich .geologische Erwägungen maßgebend sein, wenn der ^Stollen den erhofften Erfolg bringen soll.
Wie die oberirdischen Wasserläufe, die Flüsse, so erhalten auch die unterirdischen ihre Speisung aus den Niederschlägen aus der Lust, aus dem Regen, dem Schnee, dem Hagel und dem Tau. Das Wasser dieser N ederschlägc fließt teiliveisc sofort ab und speist die Flüsse, teilweise verdunstet es, oder wird von den Pflanzen ausgesogen, und der Rest dringt in den Erdboden ein und sinkt in die Tiefe, wird als Gesteiu- feuchtigkeit längere Zeit festgehalteii, von den aus dem Humus initgeuvlnniencu organischen Stoffen befreit, dagegen mit mineralischen Stoffen beladni und sammelt sich dann in den Schichtfugen und Klüften der Gebirge genau so au, wie das Wasser der oberirdischen Wasser- länfe, bis es au einer geeigneten Stelle als Quelle wieder zum Vorschein kommt, oder sich tm Verborgenen mit dem Grundivasser vereinigt. Auch die heißen Quellen bekommen wie die kalten Quellen das Wasser aus den atmosphärischen Niederschlägen, bei ihnen isi nur Bedingung, daß deren anfänglich ebenfalls kaltes Wasser auf Spalten und Klüften so tief in das heiße Eidinnere hiuabgeleitet ivird, daß es dort erhitzt ivird, ehe es an der Erdoberfläche zum Austritt gelangt. Also auch der Kochbrunnen in Wiesbaden empfängt sein Wasser ans der Lust und nur seine Wärme in dem Erdinuern.
Die wechselnde Wärme der Lufthülle macht sich nur bis in geringe Tiefe der Erde bemerkbar. Bei eiiva 20 Meter Tiefe ist die Wärme jahraus, jahrein die gleiche, und entspricht dann der mittleren OrtSivärme, von da ab steigt die Wärme gegen das Erdinnere zu auf etwa 38 Meter um einen Grad Celsius. Diese Tatsache ist in Bergioerkeu und bei Tiefbohrungen schon wiederholt sestgestellt worden, und es läßt sich hieraus berechnen, bis zu welchen Tiefen die Wasser heißer Quellen hinabgestiegen sein müssen, um bis aus den betreffendeir Grad erwärmt zu werden. Steigen mithin Quellivasser bis 3000 Bieter hinab, so werden sie dort bis zur Kvchtemperatnr erhitzt sein. Die Wasser der kalten Quellen sind demnach nicht tief in tue Erde eingedruugen und kommen keines Falls, wie man oft äußern hört, tief aus der Erde empor.
Nach diesen einführenden Bemerkungen wollen ivir nun zur Besprechung der Reinachscheu Arbeit übergehen. Zuerst gibt Dr. von Reinach eine Darstellung der geologischen Zusammensetzung des vorderen Taunus
und seines Baues. Daraus ersehen wir, daß es ein nordwestlich streichendes Felsengebirge ist. das infolge seiner Auffaltung von zahlreichen Brüchen und Quer- veriverfnngen durchsetzt ist. Es besteht ans Gesteinen von vordevonischem und iin devonischen Alter. Bon vordevonischem Alter nennt uns Dr. von Reinach die Eppsteiner Schiefer und die dieselben überlagernden graugelben und dunklen Schiefer, von devonischem 'Alter, graugelbe, auch bunte Schiefer mit kvuglomera- tischcu Zwycheulagcn, die bunten Phyllite, den Glim- mersniidste.n und den Quarzit, von welchen Gesieiueu Rcliiach ciiie «mgeheude Beschreibung gibt.
Folgende Wasserstollen sind zwischen Wiesbaden und der Saalburg in die Gehänge des Taunus gegraben worden: 4 Stollen von der Stadt Wiesbaden, 2 Stollen von der Stadt Köuigsteiu, 1 Stollen von der Heilanstalt Falkeiistein, 1 Stollen von der Stadt Cronberg, 1 Stollen für SchloßFiiedrchshvf, 3 Stollcu der Stadt Homburg v. d. H. Die Längen der Stollen sind verschieden und beivegeu sich zwischen 125 m (derjenige der Stadt Cronberg) und 2909 m (der Müuz- bergstvllcn von Wiesbaden), auch die Meereshöhe, in welcher die Stollmündung liegt, ist verschieden. Die Stollen von Wiesbaden münden in 207 bis 260 w, die von Homburg v. d. H. in 280 bis 324 w, diejenigen von Köuigsteiu, Falkeustem und Cronberg in 510 bis 530 w Meereshöhc. Ebenso ist die Ueberdeckung der einzeliiea Stollen verschieden. Die Berschiedenheil der Länge, der Höhenlage und der Ueberdeckung der ciuzelucu Slollcu läßt, wie es auch tutsächl.ch stattfinder, emc verschiedene Wasserliefeinug derselben erwarte», und doch ist es Dr. von Reinach gelungen, die Gesetze sest- zustellen, nach welchen in den Tannns-Wasserstvllcn d e Wasserliefernng im allgeiiieiiieu staitfüidet. Die Wasserlwfeiuug der Stollen beeinflußt nach den Fest- stellimgen Dr. von Remachs hanplsächlich die Art des von demselben durchfahrenen Gesteins und die Mächtig- keit desselben. Das ivcnigste Wasser liefern die Phh litte, cs ließ sich' mir 0,50 cbm täglich auf ' den laufenden Nieter Stollen seststellen. Der G l i m m e r s a n d st e i n liefert dagegen je nach der Ueberlagernng 1,50 bis 2 cbm und der Quarzit cbeusalls je nach Ueberlagernng 2 bis 3 cbm Wasser täglich aus den laufenden Meter Stollen.
Dr. von Reinach hat auch die Niederschlagshöhe
im Taunus flrit der Wasserlieferung der Stollen verglichen und kommt dabei zu dem Ergebnisse, indeui er das Einzugsgebiet der Stollen mit 43 qkm on- nahm und die Gesamtwafferlieferung auf 4^1, Millionen cbm berechnete, daß bei einer durchschnittlichen jährlichen Niederschlagshöhe von rund 700 mm, also auf 43 qkm etwa 30 Millionen cbm, nur etiva Ve—'lt durch die Stollen hiervon gewonnen werden, während man allgemein annimml, daß von den Niederschlägen etiva '/-'von dem Erdboden ansgesogen und später durch Quellen wieder abgegeben werden.
Die Niederschlagsze.ttii machen sich nach den Jesl- stellungeii Reinachs in den Stollen erst 1 bis 2 Monate später geltend, so daß sich die im Februar im Taunus statifindende Schneeschmelze erst im März bis April in den Slvlleii fühlbar macht, ebenso machen sich die trockenen Monate August uud September erst im Oktober bis Dezember in der Wasserlieferung bemerkbar.
E. Sp.
KUNST®*!
SüSÄSSS
Viertes Sinfonie-Konzert im Palmengarten.
Große Anerkennung verdient die Zusammenstellung von innerlich verwandten Tonwerken. Es ist schwer, ans symphonischem Gebiet außer Schuberts Orchesterouver- turen etwas zu. finden, das denselben Ton anschlägtZ wie die dnrchiveg heitere vierte es y m p H o n i e vom Beethoven, wenn inan nicht zurück auf Mozarst uud Haydn greifen will, die sich aber doch in ihren Orchesterwerken Beethoven nicht gleich-, sondern iiiiter- ordnen müssen. Nur gerade die träumerische bestrickende ^,-rnoll-Symphvnie von Schubert und von späteren Werken Brahms 2. Symphonie passen inhaltlich zu Beethovens vierten. Kämpfert Halle Schubert geivählt und mit glücklicher Wahl die ganze erste Hälfte des Programms ans Schubertschen Werken bestehen lassen. Die Wiedergabe der Unvollendeten war