Für unser botanisches Institut ist ein Platz in der Nähe des Palmengartens in Aussicht genommen, über welchen die Unterhandlungen noch im Gange sind.

Wie die vorstehenden Mitteilungen zeigen, bildet der Abschluß des Vertrages mit der Stadt ein Ereignis von außerordentlicher Tragweite, welches auf allen Wirkungsgebieten der Lckistung eine Umgestaltung ihrer Einrichtungen hervorruft. Nur schwer konnte sich die Administration entscklließen, das vom Stifter selbst erworbene und unter seiner persönlichen Leitung mit Bauten ausgestattete Grundstück, welches seine Grabstätte birgt, zu veräußern und das Bürgerhospital von den übrigen Stiftungsinstituten räumlich zu trennen.

Wir haben diesen Entschluß erst dann gefaßt, als alle Versuche gescheitert waren, eine andere Lösung der an die Stiftung herangetretenen großen Aufgaben zu finden. Wir wurden vor die Frage gestellt, ob es gerecht­fertigt sei, an den überlieferten alten Einrichtungen auch dauu unbedingt festzuhalten, wenn die veränderten Zeitverhältnisse einen gedeihlichen Fortbetrieb des Bürgerhospitals und die dringend notwendige Entwickelung der unserer Stiftung so nahe verwandten Institute, der Senckenbergischen Naturforscheudeu Gesellschaft und des Physikalischen Vereins an der seitherigen Stelle unmöglich machten.

Wir sind zu der Überzeugung gelangt, daß wir der unserer (Stiftung gestellten Aufgabe und den im Stiftungsbrief niedergelegten Grundsätzen am besten gerecht werden, wenn wir die von den städtischen Behörden uns in entgegenkommendster Weise gebotene Gelegenheit ergreifen, durch Verwertung des seitherigen Grundstückes die Mittel zur Verwirklichung der bestehenden großen Projekte zu schaffen.

Durch die Verlegung des Bürgerhospitals aus einer ringsum bebauten Stadtgegend nach einem günstiger gelegenen geräumigen Platz und in einen modern eingerichteten Neubau wird einem schon seit Jahrzehnten von berufener Seite betonten Mißstand abgeholfen.

Die Vereinigung wissenschaftlicher Institute auf unserem neuen Stiftungsgrundstück an der Vietoria-Allee in Verbindung mit der Schaffung stattlicher Neubauten wird eine Förderung und Hebung des wissenschaftlichen Lebens in Frankfurt bewirken, wie sie auf anderem Wege niinmermehr zu erreichen gewesen wäre.

Bei der Wichtigkeit dieser Neuerungen mußte uns daran gelegen sein, die im Stiftuugsbrief eingesetzten Herren Cvexekutoren zu befragen. Dieselben haben den Vertrag in einer am 18. August 1903, unserem 140. Stiftnngs- tage, abgehaltenen Sitzung einstimmig gutgeheißen und mitunterzeichnet.

Die Rechnungs-Revision für das Geschäftsjahr 1902 03 wurde am 18. August 1903 durch die Herren Oberbürgermeister Dr. Adickes und Bürgermeister Geheimrat Dr. Varrentrapp in Gemeinschaft mit den von der Großherzoglich hessischen Landesuniversität Gießen hierzu abgeordueteu Herren Geheime Justizrat Professor Dr. Schmidt, Dekan der juristischen Fakultät und Professor Dr. Strahl, stellvertretender Dekan der medizinischen Fakultät, vorgenommen.

Zum Waisen- und Armen-Amt wurden pro 1904 Herr Dr. med. Franz Baerwindt und als Stell­vertreter Herr Dr. med. Ernst Roediger seitens der Administration abgeordnet.

Am 1. Oktober 1903 beging Herr Dr. meck. Friedrich Schwenck das Jubiläum seiner vierzigjährigen Tätigkeit als Bibliothekar der Senckenbergischen Bibliothek. Die Administration beglückwünschte ihn hierzu, sowie zu seinem fünfzigjährigen Doktor-Jubiläum am 4. Mai 1904 durch Entsendung einer Deputation.

Der Assistenzarzt Herr Dr. meck. Robert Kling verließ am 1. Oktober 1903 seine Stelle, für ihn trat am gleichen Tage Herr Dr. med. Kurt Laspehres aus Gießen ein.

Im Bürgerhospital wurden vom 1. Juli 1903 bis 30. Juni 1904, mit Einschluß der 93 vom vorigen Verwaltungsjahre in Pflege verbliebenen, 1032 Patienten mit 33063 Verpflegungstagen verpflegt, gegen 973 Patienten mit 30215 Verpflegungstagen im Vorjahre. Ambulatorisch behandelt wurden 847 Personen.

Bezüglich der mit dem Bürgerhospital vereinigten Pfründner-Stiftungen ist zu erwähnen, daß der Brönuer'sche Pfründner Ludwig Bernhard Wanitzer am 4. November 1903, der Grüffendeich'sche Pfründner- Johann Friedrich August Stengel am 8. Januar 1904, der Grüffendeich'sche Pfründner Karl Michael Mangold am 19. Januar 1904, der Brönuer'sche Pfründner Johann Ludwig Ebert an: 3. Mürz 1904 und der Brönuer'sche Pfründner Ehristoph Friedrich Lederer am 8. Juni 1904 verstorben sind. Erwählt wurden am 30. Juni 1904 zum Bröuner'schen Pfründner der Chemiker Friedrich Wendling und zu Gräffendeich'schen Pfründnern der Mechanikns Johann Heinrich Gärtner und der Bildhauer Gustav Valentin.

In dem pathologisch-anatomischen Institut arbeiteten außer 9 hiesigen 13 auswärtige Ärzte, worunter 6 aus Deutschland, 1 aus Österreich-Ungarn, 1 aus Italien, 1 aus England, 1 aus Rußland und 3 aus Nord-Amerika.