8 ( 82
■* Sonderausstellung im Scnckenbergischcn Museum. Vom Sonntag. 21. Auffnst bis zum 4. September veranstaltet die Senckenberffische Natursorschende Gesellschaft im Vogelsaalc ihres Museums an der Bleichstraße eine Sonderaussiellung. die dos Interesse weiter Kreise finden wird. Zur Ausstellung kommen die berühmten Aquarelle der Frankfurter- Flora der verstorbenen Blumenmalerin Elisabeth Schultz und ffleichzeitiff die künstlerisch ausgesührten Aquarellbilder der Schmetterlingsfauna Deutschlands, die der 18£4 ver- . storbeue hiesige Friseur Gustav Friedr. Zivipf (geb. 3. Dezember 1813) hinterlassen hat. Elisabeth Schultz, die anläßlich ihres 80. Geburtstages am 12. Mai 1897 zum außerordentlichen Ehrenmitglied der Naturforschenüen Gesellschaft ernannt worden war. hat ihre aus 1202 Aquarellen bestehende Phanerogamen-Flora der Umgegend von Frankfurt der Gesellschaft testamentarisch vermacht mit der Bestimmung, sie durch öffentliche Ausstellung im Museum zeitweilig dem hiesigen Publikum zugängig zu machen. Schon mehrfach ist die Senckenberffische Natursorschende Gesellschaft dieser Bestimmung durch Ausstellung einzelner Teile der große» Sammlung gerecht geworden: nächsten Sonntag kommt aber zum erstenmal« nach dem 1898 erfolgten Tode der Künstlerin die ganze Sammlung zur Ausstellung. Sie bedeckt sämtliche Schränke des großen BogelsaaleS und gewährt einen Einblick in die Riesenarbeit, die Elisabeth Schultz geleistet hat, als sie im 78. Lebensjahre die letzten Blnmen- bilder der Frankfurter Flora malte, die sie als junges Mädchen begonnen hatte. In dieser Sammlung hat Elisabeth Schultz, die der berühmten Frankfurter Malerin und Naturforscherin Marie Sibylle von Merian damit ebenbürtig an die Seite getreten ist. alle wildwachsenden Pflanzen der Heimat — nahezu 1300 an der Zahl — in Gouachefarben und zum Teil in natürlicher Große mit seltener Innigkeit und künstlerischer Treue dargestellt. In der Mitte des Bogelsaales sind die Zwipfschen Schmetter- lingsnquarellc ausgestellt/ eine Sammlung von 163 Tafeln Folio, denen '29 Tafeln mit erläuterndem Text beigegeben sind. Sic bringen vollzählig die Schmetterlinge Deutschlands mit ihren Raupen, zum Teil in verschiedenen HäutungS- perioden, Puppen und Futterpflanzen in geradezu wunderbarer koloristischer Wirkung und Natürlichkeit zur Darstellung. Schon auf der Naturforscherversammlnng in Wiesbaden im Jahre 1887 erregten die wenigen Zwipfschen Aquarelle, die danmls ausgestellt waren, berechtigtes Aufsehen und die höchste Anerkennung der Lepidopterologen und Kunstkenner. Die ganze Sammlung kommt jetzt zum ersten- male zur öffentlichen Ausstellung: sie ist die Frucht des 38jährigcn Fleißes eines einfachen, schlichten Mannes, der > niemals im Leben Zeichen- und Maluntcrricht genossen und doch eine Vollendung erreicht hat. die seine Schmetterlings- aquarclle zu einem Kunstwerk ersten Ranges erhebt. Zwipf bes< ß «ine eigene greßc Sammlung der «inheimist^en ^ Schmetterlinge, die er meist aus Eiern oder Raupen selbst 'gezüchtet hatte. Seine Aquarelle sind ausnahmslos nach Exemplaren seiner Sammlung, also nach der Natur gemalt und besitzen deshalb einen besonders hohen wissenschaftlichen Wert. Die Sammlung ist nicht Eigentum der Sencken- bergischen Gesellschaft: vielmehr hat ihr jetziger Besitzer. Herr Franz Zwipf, hier, ein Sohn des Verstorbenen, si« der Gesellschaft nur für die diesmalige Ausstellung im Natur- historischen Museum überlassen. Ausländische Kunst- und wissenschaftliche Institute, sind schon mit bedeutenden Ange- botci! an ihn heraugetreten, um die wertvolle Sammlung für sich zu erwerben: Herr Zwipf hat indessen bishex gezögert. zuzustimmeu. weil er im Sinne seines verstorbenen Vaters und nach feinem. eigenen Gefühl zu handeln glaubt, wenn er das Kunstwerk seiner Vaterstadt zu erhalten sucht. Tatsächlich würde die Sammlung der Zwipfschen Schmetter- lingesaquarelle eine besondere Zierde des neuen Museums der Scnckenbergischen Naturfgrschenden Gesellschaft sein Dt« Ausstellung ist außer an den öffentlichen Besuchsstunden des Museums — Mittwochs von 2—4 Uhr, Freitags und Sonntags von 11—1 Uhr — an allen Wochentagen von 10—1 Uhr und von 3—6 Uhr und Sonntag, 4. September, auch nachmittags von 2—4 Uhr dem Publikum unentgeltlich zugängig.
— Man schreibt uns: Die im hiesigen Senckenbcrgischen Museum ausgestellten Saimnlungen. besonders die Zwipf- chcn Aquarellbilder sämtlicher deutscher
S ch m e t t e r l i n g e t _
Wert und ihre NÄÜrtre unseres Publikums erregt, beweist. Mau fort über geistertes Lob. Vielleicht streben unserer Wisscnschaf Sammlung, die noch nicht Museums ist, für dasselbe
bcn
und
Bel
durch ihren künstlerischen im hohen Matze das Interesse ie der zahlreiche Besuch deutlich nur uneingeschränktes, oft be- weckt diese, Anerkennung das Be- stmäcene, die Zwipssche des Senckenbcrgischen Ankauf zu erwerben und demselben so eine neue Zierde zu verschaffen. Es Ivärc un- gemein schade, sollte dieses einzig dastehende Werk unserer Vaterstadt verloren gehen und ins Ausland wandern, ivozu leider, wie wir vernqhm^i. Aussicht ist. Frankfurter Großherzigkeit wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen der Vaterstadt einen neuen locrtvollen Schatz zu sichern.
) ( Von morgen*an sind im Bogclsaale des Museums der Senckenbcrgischen Nalmrfor schänden Gesellschaft Aquarelle der .Frankfurter Flora von der verstorbenen Blumemnalerin Elisabeth Schultz und die Aquarelle der Schmctterliugsfauna Deutschlands von dem 1884 verstorbenen hiesigen Friseur Gustav Friedrich Zwipf öffentlich ausgestellt. Beide Sammlungen erwogen durch den ungewöhnlichen Fleiß, die Gewissenhaftigkeit und die :n jedem kleinsten Teile sichtbare Liebe zum Gegenstände der Darstellung gerechte Bewunderung. Man kann zwar bei solchen Bildern, bei denen die genaue Wiedergabe alles naturwissenschaftlich Interessanten Hauptzweck ist, nicht von einer künstlerischen Auffassung in höherem Sinne sprechen, die alles belebt und in jedem Dinge die Eigenart des Künstlers verrät, aber man wird nicht verkennen, daß die Schöpfer dieser naturgetreuen, beschreibenden Bilder entschieden künstlerisch veranlagt gewesen sein müssen. Anders als durch die Freude an Farben und Formen, die an jedem neuen Objekte Erholung fand, kann man sich die ungeheure Ausdauer, mit der diese Werke geschaffen wur- den, kaum erklären. Die wunderbar seinen, farbenprächtigen Ornamente, mit denen die Natur die Flügel der Schmet- > terlinge geschmückt hat, sind in den Bildern Zwipfs mit, einer Genauigkeit nachgebildet, die einen fast in Versuchung führt, zu sehen, ob nicht die natürlichen Flügel aufs Papier ausgeklebt sind. Die Täuschung wäre vollständig, wenn der natürliche Farbenschmclz sich überhaupt mit den bescheidenen Mittetu des Farbenkastens Na^bilden ließe. Die Vollendung dieser Bilder ist um so höher auzuschlagcu, als Zwipf Autodidakt lvar. Wie aus einer in der Ausstellung ausgehängten Nummer des Frankfurter Jntelligenzblattes vom 14. Dezember 1813 ersichtlich ist, wurde am 3. Dezember des genannten Jahres' geboren: „Johann Lorenz Heinrich Zwipf, Perückcnmachermcistcrssohn, Gustav Friedrich". Er ist dem Gewerbe seines Vaters treu geblieben und hat daneben einen so köstlichen Schatz wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeit geschaffen. Die Blumenbilder der Malerin Schultz stellen gleichfalls ein Lebenswerk dar. Was das junge Mädchen begonnen, hat die Greisin bollendct. Wie viele Stunden mag die Künstlerin im trauten Verkehre, in hingehender Betrachtung ihrer Lieblinge, der holden Kinder der Erde, zugebracht haben! Wie sollte da ein empfängliches Fraucn- gemüt nicht das Innerste der Vlumenseele verstehen lernen? Dieses tiefe Verständnis, das nur durch lange, liebevolle Beschäftigung mit einem Gegenstände erreicht werden kann, spiegelt sich denn auch in den Werken der Malerin wider. Was sie geschaffen — es sind nahezu 1300
Blumenbildcr — gehört zum Besten dieser Art. Die Dar- stcllungen umfassen alle wild wachsenden Pflanzen der Gegend von Frankfurt.
/ = Frankfurt. 19 August.
■=■ Sonderausstettit n§ im SenÄrrrbergischen SWu« fctttti Vom Sonntag den 21. August bis zum 4. September veranstaltet die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft im Voyelsaale ihres Museums an der Bleichstraße eine Ausstellung der Aquarelle der Frankfurter Flora der verstorbenen Blumen- malerin Elisabeth Schultz und der Aquarellbilder der Schmctter- lingSsauna Deutschlands, die der 1884 verstorbene hiesige Friseur Gustav Friedr. Zwipf hinterlassen hat. ElisabethSchultz. die an ihrem 80. Geburtstag am 12. Mai 1897 zum außerordent- lichen Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt worden war, hat ihre aus 1262 Aquarellen bestehende Phanerogamen-Flora der Umgegend von Frankfurt der Gelellschast testamentarisch vermacht niit der Bestimmung, dieselbe durch öffentliche Ausstellung im Musemy zeitweilg dem hiesigen Publikum zugängig zu machen. Einzelne Teile der großen Sammlung kamen schon zur Ausstellung; jetzt geschieht es zum erstenmal mit der ganzen Sammlung. J^n ihr hat Elisabeth Schultz, die der berühmten Frankfurter Malerin und Naturforscherin Marie Sibylle von Merian damit ebenbürtig an die Seite getreten ist, alle wildwachsenden Pflanzen derHeimat, nahezu 1300, in Gouachefarben und zum Teil in natürlicher Größe mit künstlerischer Treue dargestellt. In der Mitte des Bogelsaales sind die Z w i p s' s ch e n Schmetterlings- aquarelle aufgestellt, eine Sammlung von 163 Tafeln Folio, denen 29 Tafeln mit erläuterndem Text beigegeben sind. . Sie bringen vollzählig die Schmetterlinge Deutschlands mit ihren Raupen, auch in verschiedenen Häutungsperioden, Puppen und Futterpflanzen in geradezu wunderbarer' koloristischer Wirkung und Natürlichkeit zur Darstellung. Die Sammlung ist die Frucht des 38jährigen Fleißes eines einfachen, schlichten Mannes, der niemals im Leben Zeichen- und Malunterricht genoffen und doch eine Vollendung erreicht hat, die seine Schmelterlingsaquarelle zu einem Kunstwerk ersten Ranges erhebt. Die Sammlung ist nicht Eigentum der Gesellschaftihr jetziger Besitzer, Herr Franz Zwipf, ein Sohn des Verstorbenen, hat sie der Gesellschaft nur für die diesmalige Ausstellung im naturhistorischen Museum überlassen. Ausländische Institute sind schon mit bedeutenden Angeboten an ihn herangetreten, um die wertvolle Sammlung zu erwerben; Herr Zwipf hat bisher gezögert, zuzustimmen, well er im Sinne seines verstorbenen Vaters zu handeln glaubt, wenn er das Kunstwerk seiner Vaterstadt zu erhalten sucht. Tatsächlich würde diese Sammlung eine besondere Zierde des neuen Museums der Gesellschaft sein. Die Ausstellung ist außer an den öffentlichen Besuchsstunden — Mittwochs von 2 4, Freitags und Sonntags von H-1 Uhr— an allen Wochentagen von 10—1 und von Z-6 und Sonntag den 4. September auch von 2-4 Uhr dem Publikum unentgeltlich zugängig.