* Frankfurt a. M., 22. August.
* Weigert-Gedenkfeier. Im Saale des Dr. Hoch- scheu Konservatoriums, auf dessen Podium das umflorte 1 Porträt des Entschlafenen von der Malerin Röderstein unter Palmen stand, hielt gestern vormittag der Aerztliche Verein eine von Herren und Damen gut besuchte Gedenk' feier für den Geh. Med. Mat Prof. Dr. Weigert ab, der am 5 . d. M. plötzlich gestorben ist. Herr Dr. Pinn er, der derzeitige Vorsitzende, gedachte der liebenswürdigen persönlichen Eigenschaften des Heimgegangenen Gelehrten, seiner steten Hülfsbereitschaft und Kollegialität und seines verdienstvollen Wirkens als Lehrer der Frankfurter Acrzte. Er begrüßte im Namen des Vorstandes die Erschienenen, unter denen wir Herrn Oberbürgermeister Dr. Adickes, sowie die Miiglieder der Senckenbergischen Stiftung, Herrn Geh Rat Prof. Dr. Moritz Schmidt-Metzler, Exzellenz, Herrn Stadtrat Albert v. Metzler, die Spitzen der Militär- und ZivilsanitÜtsbehörden: Generaloberarzt Dr. vo» M i e l e c z k y, Geh. Rat G r a n d h o m m e benierkten. Herr Prof. Dr. Rieder-Pascha, der bekannte Reorganisator der türkischen Arztschulen, jetzt zu Bonn tätig, ein ehe» maligerSchüler und Assistent Weigerts, entwickelte dessen grundlegende Anschauungen über die Lebcnsprozeffe in der menschlichen Zelle und ihre Schädigung durch krankmachende Einflüsse. Er besprach alle darauf bezüglichen Arbeiten von den ersten Berliner Studien über die „Pocken" aus dem Jahre 1871 bis zu dem interessanten Vortrag „Neue Fragestellungen in der patho^Agischen Anakurüe" auf der hiesigen Naturkorscher- verianmiluiig 1896. Rieder hob die Verdienste Weigerts um die Nierenerkrankungen und um die Duberkulosenfragen hervor und wies auf die bahnbrechenden Einflüsse hin, die er sich un- die mikroskopische und Sektionstechnik und um den Zusammenhang aller krankhaften Veränderungen bei Leichenfundcn bei den Gelehrten in aller Welt erworben hatte. Herr Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ehrlich, ein naher Verwandter und ein kongenialer Schüler des Verdorbenen, gedachte in eingehender Darstellung der Art, wir Weigert auf die Bakteriologie und auf die Lehre von der Immunität (der Giftfcstigkcit gegen Bakterieneinwirkung) befruchtend gewirkt hatte. Robert Koch hätte stets voller Verehrung Weigerts Verdienst um seine Entdeckungen aner-' rannt. In einigen Schlußworten erwähnte Redner, daß Weigert gerade in Frankfurt so Vorzügliches geschaffen habe, u. a. seine hochinteressanten Färbemethoden, Beizen und Entfärbung entwickeln konnte. Herr Professor jM'. Edinger, der Direktor des Senckenbergischen neurologischen Instituts, schilderte Weigerts hervorragenden Anteil au der Nervenheilkunde, wie seine Markscheiden- und Gliedfübung das Gewirr der Zellen und Fasern im Zentralnervensystem uns. enthüllt, und eine Menge von Hirn- und Rückcumarkserkranknngcn, aber mich der normale Bau der Ncrvenorgane durch Weigertsche Färbungen in ihren anatomischen Einzelheiten erkannt worden wären. Auch die Therapie der Nervenkrankheiten habe durch Weigertsche Ideen gewonnen, als die „Eriatz- thcorie", d. h. Schädigung der Zelle durch die Funktion <Edingcr) von immer größeren Kreisen anerkannt wurde Eine hohe Freude habe Weigert in seinen letzten Lebenstagen noch erfahren, als von einem früheren Frankfurter Arzte, Dr. Alois Alzheimer, jetzigen Dozenten in München, eine bahnbrechende Arbeit über „Progressive Paralyse" (Gehirnerweichung) erschien, die von dem Verfasser Weigert gewidmet^ wurde mit den für das Lebenswerk Weigerts charakteristischen Worten:' „Dem Meister, der uns das Werkzeug schuf." Großes Interesse erregte in der dem Vor
trage aufmerksam folgenden Versammlung die Mitteilung Prof. Ehrlichs, daß Schüler und Freunde Weigerts die Aufstellung seiner Büste an der Stätte seines Wirkens im Scnckenbergiauum planten.
Senckenderxisclie Naturforschende Gesellschaft.
AUSSTELLUNG
der ELISABETH SCHULTZ sehen Blumenaquarelle der Frankfurter Flora und der GUSTAV ZWJPF sehen Aquarelle der Schmetterlinge Deutschlands im Vogelsaale des IVJusiums, ßieichalrasse 59 von Sonntag, den 21. August bis Sonr.hw, den 4 September 1904.
Die Ausstellung’ ist ausser an don öffentlichen Besuchsstunden des Museums - Mit.u-oehs v„„ *-4..**»*. Ll
auch Nachmittags von 2—4 Uhr un mtgoltlic h zu,äugig.
Die Direktion.
— an allen Wochentagen von 10 4. September,
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Mlä- UM MnsbMl.
fondcrnusstcllung im Senckenbergischen Museum, ]
Vom Sonntag, den 21. August bis zum.4« September veranstaltet die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft im Vogelsaale ihres Älduseums an der Bleichstraße eine S o n d c r a u s st e l l u n g, die das Interesse weiter Kreise finden wird. Zun Ausstellung kommen die berühmten Aquarelle der Frankfurter Flora der verstorbenen Blumenmalerin Elisabeth Schult; und gleichzeitig die künstlerisch ausgeführten Ä quarell -> Iber der S ch m e t t e r l i n g s f a u n a Deutschland s, die der 1881 verstorbene hiesige Friseur G u st a v Friede. Z w i p s (geb. 3. Dez. 1813) hinterlassen hat. Elisabeth Schultz, die anläßlich ihres 80. Geburtstags am 12. Mai 1897 zum außerordentlichen Ehrenmitglied der Naturforschcnden Gesellschaft ernannt worden war, hat ihre aus 1262 Aquarellen bestehende Phanero- gamen-Flora der llmgegend von Frankfurt der Gesellschaft testamentarisch vermacht mit der Bestimmung, dieselbe durch öffentliche Ausstellung im Museum zeitweilig dem hiesigen Publikum zugängig zu machen. Schon mehrfach ist die Senckenbergische Natur- forschende Gesellschaft dieser Bestimmung durch Ausstellung einzelner Teile der großen Sammlung gerecht geworden; nächsten Sonntag kommt aber zum c r st e n M a l e nach dem 1898 erfolgten Tod der Künstlerin die ganze Sa mm l u n g zur A u s- st e l l u n g. Sie bedeckt sämtliche Schränke des großen Vogelsaales und gewährt einen Einblick in die Riesenarbeit, die Elisabeth Schultz geleistet hat, als sie im 78. Lebensjahr die letzten Blumenbilder der Frankfurter Flora malte, die sie^als junges Mädchen begonnen hatte. In dieser Lammlung hat Elisabeth Schultz, die der berühmten Frankfurter Malerin und Naturforscherin Marie Sibylle v. M e r i a u damit ebenbürtig an die Seite getreten ist, alle wildwachsenden Pslattzett der Heimat nahezu 1300 an der Zahl — in Gouachefarbeit und zum Teil in natürlicher 'Größe mit.seltener Innigkeit 'und künstlerischer Treue dargestellt. In der Mitte des Voget- saales sind die Zwipsschen Schmetterlings-Aquarelle ausgestellt, eine Sammlung von 163 Tafeln Folio, denen 29 Tafeln mit erläuterndem Dort beigegebeu sind. Sie bringen vollzählig die Schmetterlinge Teutschtands mit ihren Raupen, z.
Häutungsperioden, Puppen und geradezu wunderbarer koloristischer Wirkung und Natürlichkeit zur Darstellung. Schon auf der Naturforscher-Versammlung in Wiesbaden im Jahr. 1887 erregten die wenigen Zwipsschen Aquarelle, die damals ausgestellt waren, berechtigtes Aussehen und die höchste Anerkennung der Lepidoptcrologeu und Kunstkenner. Tie ganze Sammlung kommt jetzt zürn ersten Male zur öffentlichen Ausstellung; sie ist bte- Frucht des 38jährigen Fleißes eines einfachen schlich-,
ten Mannes, der niemals im Leben Zeichen- und Malunterricht genossen und doch eine Vollendung erreicht, hat, _bie seine Schmetterlings-Aquarelle zu eiitcm Kunstwerk ersten Ranges erhebt. Zwipf besaß eine eigene große Sammlung der eirrhcimischen Schmetter- ÜttflCilirtg me ist aus Eiern oder Raupen selbst ge- Scine Aquarelle sind ausnahmslos i seiner Sammlung, also nach der Na- besitzen deshalb einen besonders hohen Wert. Die Sammlung ist nicht Eigcn- hbergischen Gesellschaft; vielmehr bat (er, Herr Franz Zwipf hier, ein Sohn i, sie der Gesellschaft nur für die dieS- nng im itattlrhistorifchen Museum Aändische Kunst- und wissenschaftliche hon mit bedeutenden Angeboten - au n, um die wertvolle Sammluitg für ; Herr Zwipf hat indessen bisher genest, weil er im Sinne seines ver- und nach seinem eigenen Gefühl zu wenn er das.Kuitstwerk seinerZÜgtcr- sucht. Tatsächlich würde die Samm- hen SchmetterlingS-Aquarellc eine bc- es neuen Museums der Scnckenbcrgt- enden Gesellschaft fein. . ng ist außer an den öffentlichen Bc- Müseums — Mittwochs von - 4
tb Sonntags von 11—1 Uhr ~ n von 10—1 Uhr und von o—b ig, den 1. Septentber auch nachnnt- lhr dem Publikum unentgeltlich o"-
in verschiedenen Futterpflanzen in