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wie auch der »ligiösen Freiheit. Ferner streben sie Anerkennung gewisser naticziraler Sonderrechte von Wales an. Sie haben im Parlamente Aurchgeseht, daß Wales ein Nationalmuseum er-

Vorgänge im Unterhause.

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Von Dr. Leopold Laqucr (Frankfurt a. M.).

Das Kerzenlicht, das er angezündet hat. brennt noch, aber zu atmen scheint er nicht mehr!" . . . So hieß cs, als ich in der stützen Morgenstunde des vergangenen Freitags zu meinem verehrten Lehrer und langjährigen Freunde Wei­gert gerufen wurde, um ihm ärztliche Hilst zu bringen. Cs war vergeblich!

In seinem bescheidenen Junggesellenheim in der Bau­straße. das er seit fast 20 Jahren inne hatte, fand ich seine treue Hauswirtin in Tränen aufgelöst, Karl Weigert war schmerzlos und scheinbar ohne Kampf mitten aus dem Leben und aus der Arbeit geschieden. In nächtlicher Stunde, unangemeldet, war dem Tod zu ihm gekommen Spuren einer ernsten Erkrankung hatte keiner onWeigert wahr­genommen ; in fröhlichster Stimmung hatte er die letzten Abende bei Verwandten und Freunden verbracht . . .Ein schöner Tod!" flüsterten alle, die körperlich leiden, oder vor Beginn ihrer letzten Stunde zu leiden fürchten. Aber bte Menge derer, die nie an den Tod Weigerts, des treuen, lebens­frohen Menschen und des unermüdlichen Forschers, zu den­ken vermochten, spricht ganz anders von dem überaus schmerz­lichen, ja fast unersetzlichen Verlust, der die Stadt Frank­furt am Main, wie die gesamte wissenschaftliche Welt betroffen hat, ^

Die Lehre vom Leben und vom Tode der unfern Körper zusammensetzenden kleinsten Zellen und Fasern war Wei­gerts Lebenswerk. Wem es vergönnt war, seinen vielfachen Beobachtungen und Feststellungen Jahrzehnte lang zu folgen, der weiß, daß die Nervenzellen und Nervenfasern, denen er zuletzt seine Aufmerksamkeit zuwandlc, in einer ganz eigenen Art ihre lebenswichtige Funktion als Träger unserer Seelcn- tätigkeiten erfüllen. Der Mikrokosmus der Zelle verfügt über Teile und Organe (Protoplasma, Kern. Kcrnkörperchen usw.), die ihre Lebenskraft ausmachen, aber auch über Fa­sern und Fortsätze bezw. Verbinoungsmöglichkeiten, die nur den engen Nachbarbcziehungen, dem Kontakte mit anderen gleichstrebenden und ähnlich gearteten Zellen dienen. Wer nun dem Leben eines hervorragenden Naturforschers und eines prächtigen Menschen, wie es unser Karl Weigert war, gerechtzuwerden, wer nur einigermaßen den reichen In­halt dieses Lebens, dessen Vielseitigkeit und Schönheit er­schöpfend zu schildern sich anschickt, der muß der großen

Lebenskunst, mit der er forschte und lehrte, oft unter Ent­behrungen duldend und trotzdem unoerzagt weiter arbeitend, nicht minder gerecht werden als jener köstlichen Kleinkunsr, die ihn alltäglich an uns fesselte, die uns erfrischte und ent­zückte ; sein innerer fester Kern neben den tausend feinen Fa­sern. die er ausschickt? an Hunderte, die ihm nahten, sie müßten noch einmal vor unsere Seele treten. Wer aber ein solches Lebensbild zeichnen will, der müßte eigentlich, um nicht miß­verstanden zu werden, selbe'' jenen Teil von Weigerts Be­gabung besitzen, mit dem er gab und empfing, jene glück­liche Wischung von Ernst und Laune, von tiefem gründlichen Wissen und heiterem Gemüt. Bald diese, bald jene Saite hier ohne Störung der Akkorde eines harmonischen Lebens an­klingen zu lassen. das ist nicht leicht! .

Karl Weigert war zu Münsterberg in Schlesien am 19. März 1845 geboren. Seine Eltern besaßen den ersten Gasthof der Stadt, der damals noch, als der Verkehr von der Post und den Fuhrleuten besorgt wurde, den gesellschaftlichen und geistigen Mittelpunkt der schlesischen Kleinstadt bildete. Und wenn Weigert von einem hörte oder einen traf, der seine liebe Mutte!'', wie er sie schlesisch-innig immer nannte, noch gekannt, im Hause seiner Eltern noch als Gast verkehrt hatte, da leuchteten seine Blicke, da entströmten seinen Lippen die unvergeßlichen/ echten Schilderungen von der schlesischen Heimat, wie sie nur ein solcher Meister-Erzähler geben konnte: von den Honoratioren Münsterbcrgs. vom Dr. Fuchs und vom Leutnant v. Bissing u. a. m. Er studierte in Breslau, wo ihn besonders der Physiologe Heidenhain anzog, wo er auch der alten Breslauer Burschenschaft derRaczek" an­gehörte, später in Berlin. wo D u B o i s, V r r ch o w L a n g e n be ck , T r a u b e und F r e r i ch s lehrten, und in Wien. Der Äfrikareisende Emin Pascha alais Dr. Schnitzer war dort einer seiner Studiengenossen.

Von Waldcyer, dem hervorragenden Berliner Ana­tomen, wurde er 1866 in die Breslauer pathologische Ana­tomie eingeführt. Der Feldzug gegen Frankreich unterbrach diese seine erste Assistententätigkeit. Denn er machte, wie er oft nicht ohne heitere Selbstironie in strammer militärischer Haltung zu Melden wußte, imErsten Schlesischen Leib- Kürassier-Reaiment": die Belagerung von Paris mit. Nach seiner Heimkehr wirkte er in der Medizinischen Klinik L e - berts und in der inneren Abteilung des Allerheiligen- Hospitals als klinischer Arzt am Krankenbette, bis Cohn- heim ihm die erste Assistentenstelle am Breslauer patholo­gischen Institut übertrug.

An der Seite dieses leider sehr früh dahingeschiedenen hervorragenden Pathologen hat er nahezu zehn Jahre ge­wirkt ; von ihm hat er die besten und fruchtbarsten Anreg­ungen empfangen: Mit Stolz und mit Recht hat er sich immer Cohnheims Schüler genannt.

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daß er sozial empfinde. Er'habe in seinen Berliner Häusern 240 Mieter. Wenn bei diesen der Hauswirt komme, dann heben die Mütter ihre Kinder in die. Höhe und rufen:

ungeheuere Wunde mit zwei blutigen Löchern, den Auge höhlen. Auch die anderen Verletzten sind gräßlich zst- gerichtet.

In die Breslauer Zeit fallen seine engen herzlichen Be­ziehungen zu vielen anderen Gelehrten der dortigen Hoch­schule da wirkten gleichzeitig die Physiologen' Heiden- Hain, G r u e tz n e r und G s ch e r d I e n, die Anatomen Born, S t o e h r und Roux, der unvergeßliche Botaniker und Biologe Ferdinand Cohn, die Kliniker Biermer. Nothnagel. Lichthcim und R o s e n b a ch , der Chirurge M a a ß, der Dermatologe Alb. Reißer, sowie der vortreffliche Nervenarzt Berger, der auch aus Mün- stcrberg stammte, der Kinderarzt S o I t m a n n , der Frauen­arzt Spiegclberg und Inst not least der damals nur von Weigert und von wenig Eingeweihten geschätzte, teilweise schon bewunderteKreiswundarzt" Robert Koch aus W o l I st e i n !

Cohnheims geniale Lehre von der Entstehung der Ent­zündung durch Auswanderung der weißen Blutkörperchen aus den kleinsten Gefäßen beherrschte in jenen Jahren die Geister. Die Bakteriologie ahnte man gerade! Alle wesent­lichen Verdienste um sie pflegte W e i g e r t mit den Worten Ferd. Cohns . abzulehnen:Wir sind nur die Schreiblehrer Robert Kochs gewesen!" Aber die ersten Schritte zur Entdeckung der Ursachen der ansteckenden Krankheiten, jener kleinsten pflanzlichen Lebewesen, jener Stäbchen (Bakterien) und Kugeln (Coccen), mit der Kochs Name unsterblich verknüpft ist, waren bereits getan. Wei­gerts erste hervorragenden Arbeiten, die seinem Namen in der Wissenschaft Bahn brachen:Erste Färbung von Bak­terienhaufen" (1871), undFärbung der Bakterien mit Ani­linfarben" (1875) fallen in diese Zeit vielversprechenden eigenen Strebens und ersprießlichen Zusammenwirkens mit geistesverwandten Fachgenossen. ImPhysiologischen Ver­ein" und in derSchlesischen Gesellschaft für Vaterländische Kultur", in derenMedizinischer Sektion" Weigert eine ton­angebende Stellung einnahm, herrschte reges geistiges Leben; offene Rede und Gegenrede, Anerkennung und Widerspruch, Zustimmung und Zweifel schufen immer neue Gesichtspunkte für die jungen Dozenten und Assistenten der Breslauer Hoch­schule. Aber auch an der Erholung des Geistes fehlte es nicht: die Stiftungsfeste imPhysiologischen" waren all­jährlich der Tummelplatz jener teils prosaischen, teils poeti­schen Bierdramen und Satiren: die der ärztliche Humor für den Augenblick schuf, und an denen der jugendfrische Wei­gert seinen Anteil hatte, als feinsinniger Dichter und als lebenswahrer Darsteller. Wenn er dort aprtzs 1e diner das Kriegserlebnis vomAdjutanten-Pferd" erzählte, das ihm als berittenen Assistenzarzt zugeteilt wurde, * und wie er beim Signale mit ihm immer an dick Seite des Kom­mandierenden, und zwar zu dessen Entsetzen rückte,-weil der Gaul so erzogen, war, .dg ging jedem das Herz auf über die entzückende Art. wie^Weigcri sich selbst zu schildern wußte.

Die großeNephritis"-Arbeit war eine weitere wichtige Etappe auf der Bahn der Erfolge. Mit Cohnheims Berufung nach Leipzig war aum 1878 Weigerts Tätig­keit in Breslau beendet, denn beide Forscher waren bereit- unzertrennliche Freunde geworden: wo Cohnheim lehrte, di hatte auch Weigert seinen Platz: hier wurde er 1879 zum außerordentlichen Professor ernannt. Es folgte von ihm eine bedeutende Arbeit:Zur Lehre von den Coagalations-Nc- krosen: Diphtherie, Croup usw." In dem Leipziger anti- alkoholischen Kaffeekränzchen, die er mit dem Dänen Salo­mo n s e n , seinen Getreuen Kraepelin, Struem- pell. Käst u. a. hielt, entstand seine k^eorie von der primären Zellschädigung, fmbolisch von ihm nach einer Inder-Gottheit der ZerstörungS h i w a" genannt. Und wer Weigerts tiefste wissenschaftliche Herzenssache teilen wollte, mußte aufSh iw a" schwören und sich eine wissenschaft­liche Einschätzung je nach dem Glauben oder Nichtglauben j_ anShiwa" gefallen lassen.

Von großer Bedeutung für die jetzt so vieilumstrittene Frage, wie Menschen tuberkulös werden, war Weigerts Arbeit überVenen-Tuberkulose und ihre Beziehung zur Miliar-Tuberkulose". Sein unerreichter diagnostischer Scharf­blick an der Leiche ließ ihn finden, was er theoretisch längst vermutet und suchte, so auch den Durchbruch eines winzigen Tuberkelknötchens in die Vene und die daraus folgende Zer­streuung der Krankheitskeime auf deni Blutwege durch Den ganzen Körper. Es war ein wissenschaftlicher Fund ersten Ranges! In diese Zeit ersprießlicher und bahnbrechender Wirksamkeit fällt aber ein harter Scksicksalsschlag.i der Tod seines Meisters und Freundes Ludwig C o h n h e i m, eines noch heute nicht ersetzten Pathologen. Wie er die schwere Erkrankung des von ihm so hochverehrten Mannes trug, wie er Nächte lang, nur in seinen alten Soldatemnantel gehüllt, in einem Nebenzimmer bei dem Schwerkranken Wache hielt, das wird im Gedächtnis aller sein, die Cohnheiin und Wei­gert werteten. Die Nachfolgerschaft auf dem Lehrstuhle Eohnheims, die ihm von Wissenschaft wegen die damaligen. großen Leipziger Kliniker. Männer wie Carl C r e d 6 / Ernst Wagner und Wilhelm Erb, gewiß zu verschossenst ernst bemüht waren, wurde ihm leider aus konfessionellen'' Gründen nicht zuteil. Er mußte sich mit den alten Worten Goethes trösten:Die Botschaft hör' ich wohl, allein mi?' fehlt der Glaube!"

Zu gelegener Zeit erging da der Ruf von unserem Sen- ckenbergianum an ihn. Jene weitblickenden Männer der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung, in crtter Reihe Moritz Schmidt-Metzler, dann Steffan, Schoeller, Alb. Metzler, Grunelius u. a. sahen ein, daß an die Stelle des eben verstorbenen Anatomen L u c a e ein patholo­gischer Anatome gehörte, und waren mit den Aerzten Frank-