jedem preußischen Könige einwohnende Gefühl für Wissenschaft ist auch in Mir lebendig" und in pietätvoller Erinnerung der engen Beziehungen, welche seine erlauchte Mutter, die hochselige Kaiserin Friedrich, mit unserer Gesellschaft ver­bunden haben, hat unser geliebter Kaiser im vergangenen Herbste seiner hohen Gemahlin das P r o - j tektorat über unsere Gesellschaft zu übernehmen gerne gestattet! So geziemt es uns, heute bei diesem festlichen Anlaß auch unserer Allergnädig st en Protek- torin zu gedenken, und unsere innigsten Wünsche zu vereinen für das Wohl Ihrer Majestäten und des ganzen königlichen Hauses! Möge unsereni geliebten Kaiser ein langes Leben und eine friedliche Regierung beschieden sein und möge unsere Senckenbergische Naturforschende Ge­sellschaft blühen im Genüsse dieses Friedens in saeculorum | saecula eine wahre Pflegestätte naturwissenschaftlicher Forschung in unwandelbarer Treue zu Kaiser und Reich!

Mit diesen Wünschen heiße ich Euer Exzellenz und die hochgeehrte Versammlung an dieser Festtafel willkommen.

Und nun brause durch den Saal ein Ruf wie Donner-! hall:Hoch leben Ihre Majestäten, Kaiser! Wilhelm II. und' unsere Allergnädigste Prvtektorin! Hoch, hoch, hoch!!!"

Das zweiteHoch" galt der Stadt Frankfurt und unseren städtischen Behörden; es wurde kurz und schneidig non dem II. Direktor Stabsarzt Pros. Dr. E. Marx aus­gebracht:

Euer Exzellenz!

Hochansehnliche Versammlung!

Seitdem die Gesellschaft alljährlich im Mai ihr Jahres­fest feiert, ist es ein schönes Vorrecht des II. Direktors/ an der Festtafel den Gefühlen der Gesellschaft Ausdruck zu verleihen, die sie der Stadt und ihrem Ober­haupt entgegenbringt. Wenn jemals dieses Recht als ein schönes empfunden ist, so glaube ich, muß es diesmal der Fall sein, wenn wir dankerfüllten Herzens auf die Spanne Zeit zurückblicken, die zwischen dem vorigen und diesem Jahresfest gelegen ist. Damals war die Zukunft der Gesellschaft noch keine klare; keiner wußte, was sich aus den mancherlei Plänen ergeben würde. Wie anders dagegen heute' Die Zeit der Projekte und Luftschlösser ist vorüber, wir stehen jetzt in der realen, der schönen Wirklichkeit.

Wenn wir dies alles, was wir heute erlebt haben, er­reichten, dann danken wir es zum großen Teil der Stadt Frankfurt und ihren Bürgern. Wir sehen es daher als eine Auszeichnung und ein günstiges Omen für die Zukunft an, wenn wir heute die Ehre haben, hier die Herren Oberbürgermeister Dr. Ad ick es und Bürger­meister Geheimrat Dr. Varrentrapp begrüßen zu können. Wir danken den geehrten Herren für ihr Er­scheinen, welches uns eine Bürgschaft sein soll für die j guten Beziehungen, die stets zwischen der st ä d t i s ch e n Verwaltung und unserer Gesellschaft be­stehen bleiben mögen.

Wir danken aber auch der Bürgerschaft Frank­furts, welche uns auf das tatkräftigste unterstützt hat. Nicht nur denen gebührt unser Dank, die unserer Gesell­schaft reiche Stiftungen zugewandt haben, sondern auch allen anderen, die durch Anteilnahme an unseren wissen-! schaftlichen Veranstaltungen und durch ihr Interesse an unserem naturhistorischen Museum uns gezeigt haben, daß unsere Bestrebungen auf günstigen Boden fallen.

Möge dies auch im neuen Heim für alle Zeiten so blei­ben, möge unsere Gesellschaft stets, wie sie es bisher mit Stolz sagen konnte, ein wesentlicher Teil Frankfurts selb st bleiben und nienials ein fremdes Anhängsel werden!

Ich bitte Sie, sich zu erheben, die Gläser zu leeren und einzustimmen in den Ruf: Die Stadt Frankfurt und ihre Bürgermeister Hurrah!"

Unmittelbar, nachdem das prächtige LiedHoch Frank­furt" verklungen war, erhob sich Oberbürgermeister Dr. Adickes und führte in seiner verbindlichen Art etwa folgendes aus:

'Auf die freundlichen Worte des Vorredners zu ant- worteit, ist für den Bürgertneister der Stadt Frankfurt eine angenehme Aufgabe, gewiß angenehmer als manche Aufgabe des Berufes. Hülfreich und edel soll der Mensch sein, sagt das Sprüchwort. Wie viel mehr hat diese Ver­pflichtung die Stadt Frankfurt, sozusagen als juridische Person. Man kann in der Tat sagen, es ist heute für dre Senckenbergische Gesellschaft zugleich ein Erntetag und ein Sätag: ein Erntetag war es für sie, weil sie in den letzten j Jahren die Ernte empfangen hat für alles, was sie in langer, 78jähriger Tätigkeit für Frankfurt geleistet; ein Sätag, weil der Grundstein heute gelegt worden ist zu einem Ge­bäude, in dem der Wissenschaft auf viele Menschenalter hinaus wie bisher gehuldigt iverden soll. Ich glaube, wenn die Gesellschaft diesen Stein gelegt hat, daß sie ver­fahren ist wie der Feldherr, von dem uns die Geschichte be­richtet, daß er seinen Truppen voran in die belagerte Stadt den Marschallsstab warf; wiewohl er wußte, daß, es aller An­strengungen bedürfe, den Marschallsstab wiederzugewinnen. Die Gesellschaft vertraute wie jener Feldherr seinen Sol­daten, der Bürgerschaft Frankfurts, und ich glaube, sie wird sich darinnen nicht täuschen. Der heutige wunder­volle Maientag möge ein Symbol sein der Zukunft der Gesellschaft. Im lichten Sonnenschein, in der begeisterten Stimmung aller möge sie weiter bemüht sein, ihre Ziele zu erreichen. Möge sie weiter bemüht sein, den Sinn für die Wissenschaft in der Bürgerschaft Frankfurts zu heben und zu entwickeln. Der freundliche, Helle Sonnenschein ntöge die Saaten der Reife entgegenführen. Möge die jetzige Generation der Gesellschaft, deren Vertreter heute in so wundervoller Weise ihren Gefühlen Ausdruck ge­geben haben, die Sicherheit gewinnen, daß in künftigen Jahrzehnten und Jahrhmiderten der Same immer herr­licher aufgehe. Im festen Glauben und Vertrauen cotf die Bürgerschaft Frankfurts erheben wir die Gläser. Stimmen Sie ein in den Ruf: Die Senckenbergische NatnrforftheiKe Gesellschaft lebe hoch!"

Es folgte der Gesang eines humoristischen Liedes, Prof. Dr. F. Richters zum Dichter hatte,Der Umzug", nämlich aus dem alten Museum am Eschenheimer Tor nach der Viktoria-Allee.

Weitere Toaste brachten Dr. O. Schnaubigel auf die zahlreichen Gäste, Vertreter der benachbarten Univer­sitäten, Akademien und der auswärtigen und hiesigen naturwissenschaftlichen Vereine und Dr. E. Roediger aus die Damen aus, welche zu dem Festmahl in gleich stattlicher Zahl erschienen waren, in der sie sonst an den Vorlesungen der Gesellschaft und ihren wissenschaftlichen Sitzungen teilzunehmen pflegen. Im Namen der Gäste dankte in liebenswürdiger und humorvoller Weise der Generalinspekteur der 3. Armeeinspektion Exzellenz v. Ltndequist, dessen Hoch nochmals der Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft galt. Weiter sprachen der Rektor der Universität Gießen.Herr Prof. Dr. Brauns für die Universitäten Heidelberg, Marburg, Gießen und Herr Prof. Eugen Hartmann im Namen des Physikalischen Vereins. Herr Dr. Vohsen toastete auf die Datnen, Herr Geheimrat Prof. Dr. Schmidt- Metzler verglich in humorvoller Weise die Entwickelung des Physikalischen Vereines und der Senckenbevgischen Ge­sellschaft, Herr Rektor Prof. Dr. Dingel de y» Darm­stadt überbrachte die Glückwünsche der technischen Hoch­schule, Prof. Dr. B u r ch a r d, Direktor der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften wünschte der Gesell­schaft im Namen der Akademie Blühen und Gedeihen, Herr Dr. Nieß, Oberlehrer am Staatsgymnasium in Mainz, gedachte der engen Beziehungen, die zwischen der Mainzer ' Rheinischen Natursorschenden Gesellschaft und der Sencken- bergischen Gesellschaft bestehen.

Die Feier der Grundsteinlegung zum Neubau des naturhistorischen Museums und die starke Beteiligung an dem Festessen im Palmengarten durch Mitglieder und Freunde der Gesellschaft haben so recht deutlich gezeigt, wie unbegründet die früher geäußerten Besorgnisse hin­sichtlich der Verlegung des Museums nach der Viktoria- Allee sind. -

Wir wünschen der Senckenbergische«