/f'l

/?<> l Frankfurt, 21. August.

Frankfurt als Universitätsstadt. Man schreibt uns: .Eine medizinische Hochschule, wie sie jeht in Aus­sicht genommen W'rden soll, tstfürFrankfurtkeinNovum. Frankfurt war jo unbekannt die Thatsache auch sein mag bereit? einmal eine akademische Stadt. Am II. November 1812 wurde die von dem Fürsten Primas nach französischem Muster als FakultätS-Hochichnle ins Leben gerufene medizinische Schule eröffnet. Als Dozenten walteten acht ordentliche Pro« fefloren, ein Honorarprofessor und ein Privaidozent ihres Amtes. ; Mit dem Großherzogthum Frankfurt (Dalberg flüchtete Ende ( September 1813) ging indeß die Hochschule wieder ein, die in dem ersten und einzigen Jahre ihres Bestehens 42 Studenten zählte. (Vgl. Stadtarchiv 8 89 No. 54). Die Hochschule war gedacht als Ergänzung zu den Spszialhochschulen in Aschaffenburg (kath. Apologie, Jurisprudenz und allgemeine Kulturwissenschaften) und in Wetzlar (Jurisprudenz), sodaß das Großherzogthum inS- geiammt einer »Universitas' sich rühmen konnte. Man hatte da­mals die Spezialschule nicht noch deutschem Muster den anderen Fakultäten angegliedert, sondern dem sich ausdrängenden und naheliegenden französischen Beispiel nachgebildet, allein deshalb, weil wie heute die Vorbedingungen in Frankfurt durch die medizinischen Anstalten und naturwissenschaftlichen Institute zu einer medizinischen Fakultät gegeben waren. Die Frankfurter waren allerdings wenig zufrieden mit der Schöpfung des Grohherzogs und hatten denn auch in dem Augenblick, als es in ihrer M- ht stand, nichts Eiligeres zu thun, als die Spuren der Akademie zu vernichten, von deren Bürgern sie da? Schlimmste für dis Sittlichkeit ihrer Stadt zu befürchten schienen (s. u. a. Darm«

städter: »Großherzogthum Frankfurt Frkft. a. M. 1901. pgj 214 ff.). Die Frage unserer Tage ist eS, zu entscheide», ob wir u»S neu» Dezennien später mit der Klage »wehe, daß wir Enkel find' begnügen sollen »ober neu schaffen, was ein doch gar za banausischer Geist im hoffnungsvollen Keim erstickt hat/

2 - % . Jjöl

Eingesandt.

Miltlieilnnaen aus dem Publikum.

Herr Redakteur l

Nach den Mitih-Ilungen. die bei den Verhandlungen über die Jügelstiftung in die Oeffentlichkeit gelangt sind, sollte aus dem Grundstück deSSenckenbergiichen Stifts das Muieum und die Bibliothek verbleiben, ferner sollte der Neubau deS Phhsi kaliichen Vereins errichtet und das Hospital in ein KollegienhauS für die verschiedenen Akademien umg-baut werden. Dieser Plan hat tn der Bürgerschast allgemeinen Beisoll gefunden.

Jetzt verlautet plötzlich, es habe sich eine oünstkge Gelegen» heit gefunden, das ganze Grundstück zu verlausen. ES sollte nunmehr Museum, Physikalischer Verein. Bibliothek und KollegienhauS auf eia Grundstück deS Westendes ver­legt werden. In vielen Kreüen der Bürgerichait ist man über dieies Projekt sehr beunruhigt. Auch der Einsender würde dessen Ausführung für einen großen Fehler halten. Es ist schon bedauerlich genug, daß das Städel'sche Museum so weit entfernt vom Eentrum der Stadt liegt. Soll nun auch das natur- historische Muieum an die Peripherie der Stadt verlegt werden 1 Ebenso bedauerlich wäre es. wenn die Vorlesungen und Hebungen des Physikalischen Vereins, sowie oer Handelsakademie nach einem Endpunkte der Außenstadt verlegt würden. Das jetzige Grundstück ' liegt nahe dem Nordosten der Stadt, wo Wohnungen für Lehrer i und Schüler zu mäßigen Preisen zu haben sind. Im W-stende ' würden die entsprechenden Miethen sich bedeutend veriheuern. Auch noch viele andere Nachtheile für die Altstadt würde die Durchsührung dieses Projekts haben, auf die nicht im Einzelnen hingewiejen zu werden braucht.

Hoffentlich wird sich die Bürgerschaft emmüthig gegen diesen Vorschlag aussprechen. S.