heimische in diese viel zu großartigen Ringstraßen fiihren würden. Die Prachtringe kämen besser zur Geltung und würden auch besser bebaut; statt Kleinbauten würden bessere entstehen und der Norden belebt. Die Verlegung des Spitals dorthin thut es allein freilich nicht.

Mau tröste sich wegen der weiten Entfernung. Früher war der Grüneburgweg, die Eiserne Hand rc. iveit draußen, wo sich die Füchse gute Nacht sagten und die Seufzer-Allee eine Wandelbahn für Verliebte. Heute sind es Stadt­quartiere, welche feine Häuser und teure Wohnungen haben. Ueberhaupt wenn inan solche übertrieben breite Luxus­straßen so weit draußen baut, wenn man selbst Gelände (wie in Eckeuheimer Gemarkung) für Riesensummen an- küuft oder auch nur ankaufen will, so muß mau annehmen, daß auch über diese Luxusringe hinaus bald Stadtquartiere entstehen. Daun aber würden diese Bauten sich ganz anders präsentieren als an der Bleich- und L>encke::bergstraße. Vielleicht wenn den vornehmen Wissenschaftlern die Gegend nicht fin de siede wäre, könnte inan solche Herren viel­leicht inExtra-Wissenschaftler-Wagen" elektrisch vis an das Haus fahren, damit sie ja niemand in so profanen Vierteln zu sehen bekommt.

Das Westend hat Hauptbahnhof rmd Palmengarten, das Ostend den Zoologischen, Bornheim seinen Günthersburg­park und Sachsenhausen den Wald und die Forsthäuser. Erhielte das Nordend den erweiterten Botanischen Garten und das Museum, so wäre dieses ein Anfang zur Hebung dieses (trotz feiner Ring- rmd sonstigen Riesenstraßen) ver­kehrsarmen Stadtquartiers.

Würde die Verlegung für beide Vereinsgebäude in die Außenstadt nicht statthaft gefunden, dann köimte vielleicht das du Fay'sche Haus an der Neuen Mainzerstraße er­worben und zu einen: neuen Museum uingebaut werden; Platz wäre genug, da er sich nach der Promenade zu er­weitert. Es bekäme helle Räume und die Stadt könnte den nicht für Museumszwecke nötigen Teil der Liegenschaft zur - Promenade zuziehen. Wenn Herr Dr. Weizsäcker, der Leiter des Städel'schen Instituts, eine große Menge Gemälde, die viele Jahre in den Sälen hingen, entfernte und auf die Rumpelkammer gestellt hat, sv wird auch die Sencken- bergische Naturforscheude Gesellschaft manches Minderwertige ausscheideu können, um Platz zu gewinnen. Mau muß nur wollen! Für den physikalischen Verein könnten sich vor dem Eschenheimer Thor die Häuser des Trambahnaints (mit Widerbauen bis zum Hoch'scheu Conservatorium und etwas Herausrücken auf der einen Seite nach der Bockenheimer An­lage zu) vielleicht eignen; diese Häuser sind nämlich städtisch.

Wenn jedoch die Forderungen dieser sogenannten Tochter- anstalten so hohe sind, daß solche die Mutteranstalt das ist die Stiftung für Krankenpflege so ungemein schwächen würde, oder wenn der Stadtsückel bei ohnedies hochgespanntem Etat auf ungebührliche Weise in Anspruch genommen würde, so bin ich entschieden gegen die allzugroße Unterstützung dieser hochmütig gewordenen Töchter, Senckenbergische Museums-Gesellschaft und Physikalischer Verein. Sie mögen sich bescheiden mit der kleineren Mitgift, welche ihnen die Mutter die Senckenbergische Stiftsverwaltung geben kann. Mit ihren: eigenen Vermögen könnten sie bauen und ihre schwerreichen Mitglieder sollten ihnen ein ge­nügendes Jnsatzkapital zu 3 */ 2 oder gar 3 pCt. geben und es wird gehen.

Die Verlegung des Hospitals ist überhaupt nicht so not­wendig, denn alle anderen Spitäler liegen ja in der Stadt. So an Königswarter-, Gauß-, Gutzkow-, Lange­straße, sogar dicht an der Promenade. Warum findet man es dort nicht unstatthaft? Luft ist genug am Bürger­spital und wein: der kleine Teil, der zur Senckenbergstraßen- erweiterung notwendig werden sollte, fortgenommen werden muß, so kann das die Stiftung nicht allzusehr alterieren. Auf keinem Fall, wenn das Spital an den Nibelungen­ring verlegt werden soll, dürfte man das fürgewerblicheZwecke so außerordentlich wertvolle jetzigeStiftuugsgelände für wissen­schaftliche Institute in Anspruch nehmen. Das Stadtinnere für dei: Verkehr für die Wissenschaft die Außenstadt. In die City von London würde es niemand einfallen, Gebäude, welche der Wissenschaft dienen sollen, zu bauen; dort herrscht die Kaufmannschaft das Geschäft. Unser Stadtkern ist klein gegenüber der Außenstadt und Letztere wächst immer mehr. Darum hinaus mit der Wissenschaft, nicht in den allzuengeu Stadtkern! Auf keinem Fall Ver­quickung mit der Jügel'schen Erbschaftssumme!

Wenn man daun das ganze Gelände des jetzigen Bürgerspitals einschließlich aller Gebäude nach vorher­gegangener Parzellierung des Bodei:s veräußerte, so er­hielte das Senckenbergische Stift reichlich die Mittel, die Uebersiedlung seines Spitals nach dem Nibeluugenring zu bewerkstelligen. Eine noch viel bessere Verwendung des Stiftungsvermögens zwischen Bleich- und Seuckenbergstraße wäre es, wenn die Stadt das Terrain ankaufte und dort eine zweite große Markthalle errichtete, ebenso eine ständische große Geiverbehalle. Zu deu Gallerien der beide:: könnte man von der Bleichstraße ans glatt hinüber gehen und an der Senckenbergstraße aus Treppen abwärts. Die Anfahrten würden äußerst bequem von allen Seiten sein, im Gegen­satz zur jetzigen Markthalle, wo die Anfahrten wahrhaft lebensgefährlich sind, besonders noch dann, wenn einst die Elektrische Straßenbahn bis zum Domplatz geführt werden sollte. Elektrische Trainbahuen mit Marktwagen von den Außenorteu morgens und abends bis zur Markthalle würde die ganze Gegend zu einen: Geschäftsviertel ersten Ranges machen. Vielen Handwerkern und Kaufleuten wären äußerst wertvolle Kauflüden und Werkstätten zu bieten. Die alte Markthalle bliebe deu: Detailhandel, die neue dem Groß- und Kleinhandel. Auch die Fischhalle würde hier günstig mit Kellerrüumen bis unter die Bleichstraße zn plazieren sein. Ebenso böte die Gewerbchalle den Schwindelbazare:: eine wirksame Konkurrenz. Die Markthalle in der Trierschen Gasse würde sich vortrefflich zu Wohn- und Geschäftshäuser eigne:: und der Ledermarkt könnte in die Börnestraße kommen, wo jetzt der Fischmarkt ist Kurz, es würde für alle Teile ein gutes Geschäft sei::.

Ich stelle dieses alles den Behörden und besonders meinen Herren Kollegen zum Nachdenken anheün. Möge mm: meine:: Vorschlag ernstlich prüfen, auf keinem Falle aber sich wieder überrumpeln lassen!

Darum sei jeder Stadtverordnete in der nächsten Dienstagsitzung au: Platze. Ein Fehlen ohne genügende Entschuldigung ist Verrat an: Gemeindewesen Frankfurts. Na:::e::tliche Abstimmung inuß stattfiuden; Niemand sollte Interessiertheit vorschützen!

Hochachtungsvoll

I. H. Heitler.