* Frankfurt. 28 . April.
Noch eine Frankfurter Akademie.
Eine an die Stadtverordneten - Versammlung gelangte Magistratsvorlage bestätigt unsere frühere Mittheilung über die beabsichtigte Verwendung der I ü g e l's ch e n S t i f 1- ung. Durch die>elbe würde die S t a d t nach keiner Richtung hin entlastet, sondern finanziell stark belastet. Der auf Mk. 588,000 bemessene Kaufpreis für ein an der N i b e l- ungen-Allee gelegenes städtisches Grundstück soll keine Verzinsung, sondern lediglich Amortisation durch eine 43 Jahre lang zu zahlende Amortisationsquote von jährlich Mk. 5580 finden. Außerdem hat die Stadt die Unterhaltung, Verwaltung und Heizung des JügelMen Grundstücks zu übernehmen. Die Sache bedarf reiflicher Ueberlegung. Als verfehlt erscheint >uns der Hinweis auf das städtische S i e ch e n h a u 8, das sich 'seiner ganzen Einrichtung und Zweckbestimmung nach nicht zu einem Aufenthalt für Personen eignet, die in der Lage sind, sich . durch Zahlung einer bestimmten Summe eine A l t e r 3 a f y l >zu verschaffen.
Auch nach anderer Richtung hin bedürften die Vereinbarungen, selbst wenn sie prinzipielle Genehmigung finden, besonderer s Prüfung. Entsprechend den Testamentsbestimmungen ist in den StistungSsahungen festgesetzt, daß der Stiftungs-Administration ein alljährlich einem der Administratoren zu zahlendes Geschenk ;tm Werths von 50 Dukaten zu übergeben ist. Dieses fällt weg, 'sobald die Verwaltung dmch Verwendung des gesammten iStiftungsvermögens aus die Errichtung derAnstalt, sowie durch Uebernahme der Verwaltung und Fortführung seitens derStadt > keine besondere Thätigkeit mchr auszuüben hat. Das ist das einzige Mal, daß der Stadt Erwähnung geschieht. Dagegen .ist ihr und den städtischenBehörden trotz der zuge- 'dachtenInanspruchnahme in keiner Weise ein Ein» isluß aufOrganisation rc. derStijtungetngeräumt. sAlles dies bleibt der Verwaltung der Stiftung überlasten, von der es in ihrer dermaligen Zusammensetzung ganz zweifelhaft 'erscheint, ob sie der Aufgabe gewachsen ist. Die Verwaltung soll nach dem Testament über Zweckbestimmung entscheiden und das Stiftungsvermögen verwalten. Damit ist aber noch nicht gesagt, daß sie alles Andere durchaus selbstständig betreiben soll 'und muß. Sobald städtische Hilfe in Anspruch genommen wird, .erscheint es geboten, daß der Stadt nicht allein Verpflichtungen, sondern auch Rechte eingeräumt werden. Dies alles nur sür . den Fall, daß die gemachten Vorschläge Annahme finden. s
Wir lasten nunmehr
die Antrags des Magistrats^ folgen. Sie gehen dahin, daß die Stadtverordnete-Versammlung die im Entwurf vorgelegten Satzungen der Carl Christian Jügel- ^sche« Stiftung genehmige und di« Verwaltung der Stiftung er« ■ mächtige, das Bürgerhospital nebst angrenzendem Gebäude in Größe von 63,000 Quatratfuß sür JL 1,400,000 käuflich zu erwerben und darauf ein Stistungsgebäud« im Werthe von JL 1,100,000 zu erbauen. Die Bedingungen sind folgende: Die fStiftungsverwaltung tritt den zur Senckenbergstraßen-Erbreiter» vng nothwendigen Geländestreifen ohne weitere Entschädigung an chie Stadt ab. Letztere übereignet der Dr.Senckenberg'jchen Stiftung zum 1.Februar 1903 in Anrechnung von^l 558,000 auf den Kauf» lpreis das für den Neubau des Bürgerhospitals in Aussicht ge» nommene, der Spezialkasse für städtischen Grundbesitz gehörende, (120 Ar große Grundstück an der Nibelungen-Allee, wogegen die Zügelstiftung 43 Jahre lang eine Amortisationsrente 5580 au die Spezialkasse zu zahlen hat. (Also insgesammt JL 239,940. iRed.) Die Stadtgemeinde übernimmt zu ihren Lasten die Unter- Haltung, Verwaltung und Heizung des Zügel'sche» Stiftungsgrundstücks, wogegen sich die Jügel-Stistung verpflichtet, für PolkSvorlefnugen wissenschaftlicher Art geeignete Vortragsräume verschiedener Größe allwöchentlich an de» zu vereinbarenden Tagen unentgeltlich — abgesehen von einer Vergütung für Beleuchtung — zur Beifügung zu stellen.
^Wir lassen nunmehr Mittheilungen aus dem Berichte der Jügel'schen Stiftnngsverwattnng .folgen. Da die Stifter ihrerseits keine Entscheidung getroffen, -sondern nur den Gedanken eines Stechenhauses zur Erwägung gestellt hatten, blieb es der Verwaltung überlasten, eine zweckdienliche Bestimmung festzufetzen. Mit 4 gegen 1 Stimme Iging die Entscheidung dahin, daß das Stistungsoermögen zur 'Errichtung einer öffentlichen allgemeinen 'akademischen UnterrichtLanstalt für die Gebiete der Geschichte, Philosophie, sowie der deutschen Sprache und Literatur dienen solle. .Maßgebend dafür war, daß seit der im Jügel'schen Kodizill von (1877 gegebenen Anregung für Altersschwache und Sieche inzwischen Mehrere neue Anstalten bereits errichtet sind, insbesondere das städtische Siechenhaus mit 150 überdies leicht zu vermehrenden .Bette«, und daß der Neubau des Versorgungshauses unter wesentlicher Erweiterung mit besonderer Rücksichtnahme auf zahlende Kranke bereits vorbereitet Wird. Es wird daher das Bedürfniß nach Errichtung einer weiteren Anstalt bestritten, während eine solche für die Weiterentwickelung der wissenschaftlichen Unterrichtsanstalten um so dringender hervortrete. Deren Pflege sei um so nothwendiger, als hier alle diejenigen Unter- istützungen des wistenschastlichen und beS künstlerischen Strebens fehlen, die in Residenz- und ünivesttätsstädten so überreich zur Verfügung stehen. Allgemein anerkannt werbe, wie auf dem Gebiete der Naturwissenschaften die Senckenbergi» fcho «aturforschende Gesellschaft und der Physikalische Verein Bildung und geistiges Leben in weite Kreise shereingetragen. Die große Theilnahme der Bürgerschajt an den Äorlesungender Akademie für Sozial« und Handels- s Wissenschaften beweise, daß auch auf diesen Gebieten ein !
«icht minder großes Bildungsbedürfniß vorhanden fit. %-* Gr- sgänzung dieser Einrichtungen durch Erricht- lu'rrg von Lehrstühlen für die weiteren Gebiete ld-r Geschichte, Philosophie u. s.w. werde von segens- «richem Einfluß für das wistenschastliche Unterrichtswesen und die jgesammte wissenschaftliche Entwicklung unserer Stadt sein.
Neue Hörsäle für andere Zwecke.
' Das Jügel'sche S tif tun gs gebäu d e, in dem auch Hvoße Hörsäle für 200, 500 und 1000Persone» »orzusehen seien, werde auch anderen Verintgungen, 'z.B.dem Hochstifi dem Ausschuß für Volksvorles- « n g e n u. i. w. die Möglichkeit der Gewinnung von Sälen der- ischiedener Größe sür ihre wistenschastlichen Vortragszwecke gewähren.
1 Die Verwaltung sah davon ab. an geeignete« Stelle ein Hörsaalgebäude zu errichten und mit den von ihr zu berufenden Dozenten die Lehrthätigkeit zu eröffnen, wofür die jetzt schon chber zwei Millionen Mark betragenden Mittel «der Stiftung durchaus ausgereicht hätten, weil sie sich von 'Erwägungen leiten ließ, die in der augenblicklichen G-sammtlage der naturwissenschaftlichen Institute unserer Stadt begründet find. Der Physikalische Verein hat JL 900,000 sür einen .Neubau des physikalisch.chemischenJnstituts zusammengebracht, chie Senckenbergtsche naturforschende Gesellschaft JL 350,000 sür den Neuban eines naturhistorischen Museums. Dis Senckenbergische Stiftung ist bereit, -für beide Neubauten aus ihrem Sttstungsgeläude zwilchen Esch-n- iheimerthorundLrönnerstraße zw ei Bauplätze unentgeltlich herzugeben, falls es gelingen sollte, die erforderlichen Mittel zu beschaffen, um die wegenderNeubantennothwendige Verleg- , «ng des Bürgerhospitalszubewirken. Dies ist durch ^Inanspruchnahme der Jügel'schen Stiftung a» ermög
lichen, doch ili sie allein dazu nicht in der Lage, da die nach Zahl, ung des Kauspreises verbleibenden Mittel nicht zur Herstellung eine Stiftungsgebäudes und Besoldung der Dozenten genügen. Eine Reihe von Gründen werden sür die finanzielle Mitwirkung der Stadt angeführt. Die jetzige Lage des Bllrgcrhospitals werde längst als unbefriedigend anerkannt, der Physikaliiche Verein und die Senckenbergische natursorforschende Gesellschaft befinden sich in schwieriger Lage, cs ist Mangel an geeigneten VorirogSräumen in zentraler Lage vorhanden. Die Jügel'sche Verwaltung soll die erhöhten Kapitalaufwendungen übernehmen, der Stadt gewisse lausende Ausgaben abnehmen und allmähligeAbtragungdes einstweilen zinsfrei gestundeten Kauspreijes gestatten. Dagegen fällt der Stadt daS auf JL 150,000 geschätzte, in die Senckenbergstraße fallende Gelände zu.
Das Geld.
- DiefinanzielleLage der Jügelstiftung würde sich wie Der Ankauf des Burgerhoipiials erfordert Mark m«00'000. >jsür das städtische Grundstück an der Nibelungen« Allee ist mii JL 558,000 Kaufpreis 43 Jahrs lang eine Amorti- fationsquote von 1 Prozent (JL 5580 jährlich) zu zahlen, der Rest des Kauspreises mit JL 842,000 ist nach Uebergabe des Spitals ratenweise baar zu zahlen. Der Umbau des jetzigen Bürger- Hospitals zu UnterrichtSzwecken und der südlich anschlußende Neubau an der Senckenbergstraße erfordern-^ 1,100,000. Das Stift- ungsv-rmögen wird bis zu dem sür Uebergabe des Hospitals angesetzten Termin am 1. April 1905 durch Zinseneingang bis auf reichlich ^ 2,300,000 angewachjen sein. Der Neubau an der Senckenbergstraße, in die eine Trambahn verlegt werden soll, wird durch Einbau von L ä den nutzbar zu machen sein, deren Ertrag auf JL 15,000 veranschlagt ist. Eine gleiche Summe ist für ^Endemie für Sozial - und Handels. Z''lÄ-^?lten, des Instituts für Gemeinwohl,des Hochsttsts'derBolksbibliotheku.s. w. anzusctzen. Die ? « p i‘? I “ u f toenbun 8en würden demnach JL 842,000 für den Kauf 1 ^-bnr^lHAMals, JL 1,108,000 sürBauten betragen, zusammen Ji. 1,950.000, sodaß nach etwa -^1350.000 Stiftungs- vermögen verbleiben. Die laufenden Einnahmen sind v)/°n>chlagt auf JL 12,250 Kapitalzinsen, JLtO.OOO Mtethenund JL 10,000 Vorlejungshonorar, zusammen JL 52,250; die Aus- sicher Höhe bestehen aus JL 5580 Amortisationsrente.
JL 1420 V-rvaltnngsauszabsn, JL 45,250 Gehälter und Vergüt- ungen für Dozenten. 7
Andernfalls.
Sollte di- vorgesehene städtische Mitwirkung nicht angängig Mi, ,o wäre die Verwaltung gezwungen, auf di- gleichzeitige Förderung der Interessen der beiden andern Gesellschaften zu ver- ' zichten und das Stiftungsgebäude an andere« billigerer, aber auch weniger zentralen Lage zu errichten.
*? nothwendig, die Satzungen der' Stiftung durch Gemeindebeschluß festzulegen.
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