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Frankfurter Kachrrchlen» Sonntag den 23. Februar 1902

Wissenschaftliche Sitzung der SerrSerr bergischen Naturforschenden Gesellschaft.

Samstag, den 22. Februar 1302.

Vorsitzender: I>r. med. E. Roediger.

H»rof. vr. K. Kinkelin. Aie Entwicklung der Z^ffanzenwelt öesprochen an Kand der neueren Erwerbungen pflanzlicher Josstlien.

Redner will diesmal die in neuerer Zeit im Museum niedergelegten fossilen Pflanzenreste zu Wort kommen lassen, wenn auch die Pflanzenwelt nicht ent­fernt so mannigfaltig ist, uns auch im Einzelnen nicht so vertraut liegt wie die Thierwelt. Besonders sind es die Gruppen der Algen, Gefäßsporenpflanzen, unter den Nacktsamigen oder Gymnospermen die Cordäiten, Cyeadeen und Coniferen und endlich die Dikoty- ledonen, denen die pflanzlichen Fossilien angehören.' Nach kurzer Charakteristik derselben bespricht Redneri die zum Theil unsicheren, auf Tange bezogenen Gebilde aus der paläophytischen Zeit vor Eintritt des Carbons. Von Landpflanzen liegen aus diesen fernen Zeiten nur zwei verschiedene Farnwedel und ein Calamitenfragment, vor. An der Seltenheit solcher Reste trägt die Schuld,/ daß man aus dieser Zeit fast nur Meeresabsätze hat.. Im Carbon erreichen die Gefäßsporenpflanzen ihren' Höhepunkt. Die Mannigfaltigkeit der Farne, schachte!-f halmartigen und bärlappartigen Gewächse ist zur Stein-- kchlenzeit nicht nur eine ganz außerordentliche und die! Flora eine ungemein üppige, sondern die Pflanzen treten!?' im Carbon auch in wahrhaften Riesenformen auf. Den!. Farnfamilien nach zu urtheilen war das Klima tropisch.^ Neben den Gefäßsporenpflanzen stehen, aber sehr in der! Minderzahl, nacktsamige Bäume, die sog. Cordäiten,' Pflanzen, die längst ausgestoroen sind. Im Perm, mit! Beginn des mesophytischen Zeitalters des Mittel­alters der Pflanzenwelt werden die Nacktsamer mannigfaltiger und zahlreicher; in den damaligen Wäl­dern sind außer den Cordäiten araukarienartige Bäume, die Walchien; Lepidodendren und Sigillarien sind hin­gegen ausgestorben und die Calamarien im Aussterben. Im weiteren Verlauf des mesophytischen Zeitalters nehmen die Formen der Nacktsamer zu, wandeln sich und erreichen den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Hervor­

tretend sind besonders die Cyeadeen oder Sagobäume, Pflanzen von palmartigem Habitus und die Vorfahren der Gingkobäume, aber auch die Coniserenformen mehren sich. Permische Fossilien aus Lodbve und der Wetterau, triassische aus der Neuen Welt bei Basel und jurassische aus Japan belegen dies. Diese Zusammensetzung hat ; die Pflanzenwelt in Mitteleuropa bis zur mittleren J Kreidezeit. In mittelcretacischen Absätzen Sachsens er- ] scheint ohne jede Vermittlung eine Flora, die neben den mesophytischen Pflanzen, den Farnen, Schachtelhalmen, Cyeadeen und Coniferen in ziemlich großer Zahl Reste ' von dikotylen Pflanzen, also von höheren Samenpflanzen, i enthält. Die Entdeckung einer untercretacischen Flora 1 im Osten Nordamerikas, der sog. Potomacflora, -klärt dieses Räthsel auf. Sie besteht außer den in großer , Mannigfaltigkeit vertretenen älteren Typen, also den . Farnen, Cyeadeen und Coniferen, noch aus einer kleineren Zahl durch verzweigt nervige Blätter vertretener Ur­sprungsformen der Dikotylen, die jedoch schon mehr oder weniger auf heute lebend« Gattungen Hinweisen, z. B.

' auf Feige, Osterluzei, Seifenbaum, Wallnuß, Weide rc.

Auf Landbrücken ist diese Flora, sich weiter entwickelnd, j östlich gewandert und zur'mittleren Kreidezeit in Mittel- europa erschienen. Eine reiche Kollektion, vom Rational- : museum in Washington durch Tausch erworben, belegt

- diese Darlegungen. Unter den Coniferen der Potomac- i flötet ist u. A. auch der frühestbekannte Tannenzapfen,

! wonach also auch die Tannen aus Nordamerika stammen, j Mit der unteren Kreidezeit beginnt demnach das ' neophytische Zeitalter, das Zeitalter der dikotylen i Pflanzen, in dem wir auch heute noch stehen. Neue r,Typen erscheinen nun nicht mehr, aber besonders die -Gruppe der Dikotyledonen macht, indem sie sich über die ganze Erde ausbreitet, eine ungemein reiche Ent­wicklung während Kreide- und Tertiärzeit bis heute

t durch. Die Formenmannigfaltigkeit derselben übertrifft weit die aller übrigen Gruppen. Der Monokotyledonen wurde wenig gedacht, da sie wenig charakteristisch hervor- . treten.

Schließlich konstatirt Redner, daß allerdings durch 'die Entdeckung der Potomacflora unsere Kennt- niß der höheren Blüthenpflanzen nun in frü­here Zeit zurückreicht, daß aber immer noch eine Lücke besteht, denn wir kennen nicht die Pflanzen, die die Ver­mittlung zwischen den alten Typen, den Farnen und

- Gymnospermen einerseits und den dikotylen Formen der Potomacflora andererseits Herstellen. ZurDemonstrakion der Entwicklung der Pflanzenwelt während der Tertiär­zeit bis ins Diluvium, auch der Wandlung in den klima­tischen Verhältniffen Mitteleuropas liegen mehr oder weniger umfangreiche Sammlungen von Pflanzenresten aus der Oligccän-, Miocän- und Pliocänzeit,' endüch aus Jnterglacialzeiten aus, auch einige miocäne Blatt- abdrücke von Spitzbergen. Als eine immer nach höherer Entwicklung strebende Lebewelt hat sich demnach die Pflanzentoelt erwiesen. Die hervorgehobenen Tvpen stellen die aufeinander folgenden Stufen dieser Ent­wicklung dar.

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