sticht nur im Winter bis zum Boden reicht, sondern auch rm Sommer die von der Brandung hin- und hergescho­benen Eisschollen und Eisberge keine Bodenfauna auf- kommen fassen.

Zu weiteren Sonderseiten der arktischen Fauna, welche mit den Strömungen zusammenhängen, gehört die An­sammlung von Thieren vor großen Gletschern, in deren salzarmeren Schmelzwasser eine reiche Diatomeenflora Urnahrung sich entwickelt; ferner die Nester- odew Schwarmbildung auf engen Räumen, während daneben lange Zeit nichts gefunden wird. Diese Erscheinung hängt mit der Brutpflege der arktischen Thiere zu­sammen. Da das Leben der zarten Larven zwischen den Eisschollen sehr gefährdet ist, so haben die meisten Thiere besondere Vruträume, in denen die Larven ihre Reife vollenden. Sie setzen sich nach dem Verlassen des Mut- terthieres in dessen Nähe fest und können nicht mehr weit mit den Strömungen fortgefllhrt werden.

Auffallend ist auch, daß in der Arktis manche Thier­arten sehr viel größer werden, als in wärmeren Meeren. Die geringen Schwankungen der Temperaturen in den verschiedenen Jahreszeiten sind zur Entwicklung viel gün­stiger als hohe Temperaturen mit größeren Gegensätzen.

. Im Norden von Spitzbergen (81Z4 ° N. Br.) förderten die Fänge der deutschen Expedition, an welcher der Vor­tragende gemeinsam mit Herrn D r. Schaudinn als Zoologe Theil nahm, eine von der des übrigen Spitz­bergen-Meeres ganz abweichende Thierwelt zu Tage, eine echte Tiefseefauna. Die Charakterthiere derseben sind die Kieselschwamme, namentlich die Hexactinelliden, die bisher aus der Arktis ganz unbekannt waren. Der Boden des Meeres war mit einem dichten Filzwerk von Nadeln abgestorbener Schwämme bedeckt, in dessen Lücken ein äußerst feiner Mud suspendirt ist. An diese eigen- thllmliche Beschaffenheit des Meeresbodens haben sich die dort lebenden Thiere in sehr gleichartiger Weise ange­paßt. Sie sind durch kolbig aufgetriebene Ausläufer oder durch blasig angeschwolleue Enden vor dem Einsenken in den weichen Boden gesichert; sie schwimmen mit natür­lichen Bojen auf dem Nadelsilzwerk. Die genauere Unter­suchung dieser interessanten Tiefscefaunä wird die wich­tige Frage zu entscheiden haben, ob sie übereinstimmende Züge mit der Fauna der großen atlantischen Tiefe auf­weist und Beziehungen zur antarktischen Bodensauna hat.

Auch dem P l a n k t o n hat die deutsche Expedition be­sondere Aufmerksamkeit gewidmet. Trotzdem die Arbei­ten mit den Schwebenetzen durch schlechtes Wetter, Sturm und Seegang, Nebel und Eis sehr beeinträchtigt wurden, gelang es, rings um Spitzbergen 82 Planktonstationen zu machen, welche mehrere hundert Netzzüge erforderten.

In den Plankton-Organismen hat man vorzügliche Wegweiser für die Strömungsverhältnisse. Zur Beur- theilung der richtigen Natur eines Meeresstromes und seiner Herkunft reichen Messungen in einem Meeresbecken, dessen Oberflächentemperaturen und Salzgehalt durch ständig wechselnde Treibeismassen steten Schwankungen unterworfen sind, allein nicht aus. Daher glaubte man unter den zoologisch lebenden Thieren, namentlich unter den Quallen, sichere Kontrollobjekte für die Feststellung des Strombildes gefunden zu haben. Die Plankton- Untersuchungen von 1898 haben ergeben, daß ein abnor­mes Aufsteigen des Golsstromes und ein ungewöhnliches Zurücktreten des Polarstromes im Sommer des Jahres 1898 stattfand. Dafür spricht die geringe Betheiligung der Diatomeen an der Zusammensetzung des Planktons, denn diatomeenreiches Wasser charakterisirt kalte, nörd­liche Strömungen; ferner die geringe Masse des Plank­tons. Die Fänge waren wohl reichhaltig, aber doch wurden nicht so abnorme Schwärme von Thieren ge­troffen, wie sie sonst dem Polarstrorn eigen sind. Es er­gab sich allenthalben ein unverkennbares Zurücktreten jener Plankton-Organismen, welche als typische Leit­formen der kalten Gewässer angesehen werden müssen.

Und an der Eiskante fand man diese Thier in Menge und in voller Blüthe. Redner nannte spezielle Beispiele dafür mit Namen.

Besondere Eigenthllmlichkeiten der Planktons in der Arktis ist die Armuth an Larven, die mit der schon er­wähnten Brutpflege zusammenhängt, sowie die Erschein­ung, daß die Planktonthierc am Tage von der Oberfläche des Meeres verschwunden sind. In südlichen Breiten, wo ein regelmäßiger Wechsel zwischen Tag und Nacht besteht, steigen die Plankton-Organismen am Morgen in die Tiefe und Abends erst wieder an die Oberfläche. Im Eismeer, wo im Sommer keine Dunkelheit eintritt, halten nun die Thiere an dieser in südlichen Meeren üblichen Gewohnheit fest, obschon sie keinen Zweck hat.

Mit der speziellen Durcharbeitung, des reichhaltigen Materiales der Expedition, wovon zahlreiche ^Thiere in schönen Exemplaren zum Vortrag ausgestellt waren, sind über 60 Zoologen, die Spezialkenner der einzelnen Thier­gruppen, beschäftigt. -