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ChriAian Erich $enstßim v. Meyer.

ßa {einem hundertsten Geburtstage.

(3. September 1901.),

Kon I, Blmn (Frankfurt)'«

Freiwillige, dem inneren Drang entsprungene Arbeiten verdienen immer eine freundliche Anerkennung und milde Beurtheilung; wenn aber diese Leistungen über das ge­wöhnliche Matz hinausgehen, wenn sie sich den hervor­ragendsten und besten zur Seite stellen, dann haben wir, alle Ursache, ihre Urheber doppelt zu ehren und das An­denken solcher Männer in der Geschichte der Wissenschaften fortleben zu lassen. Hermann v. Meyer war Jahrzehnte lang einer der geachtetsten Namen in der Paläonto­logie, und doch hat er seine wahrhaft riesige literarische Thätigkeit lediglich den Mutzestunden abgerungen, die ihm seine fernliegenden und keineswegs leichten Berufsgeschäste übriglietzen." (Zittel, Denkschrift auf Christ. Erich Her­mann v. Meyer. München 1870.)

Die älteren Frankfurter erinnern sich wohl noch des statt­lichen Mannes in schwarzem Anzuge mit dem Stock in der Hand, der trotz eines Fußgebrechens tag. ich feinen Spazier­gang um die Stadt machte. Er war bekannt unter dem NamenBundeslafsirer"; die wenigsten seiner Mitbürger aber wutzten, welche hohe Stellung jener Bundes- kassirer in der Gelehrtenwelt einnahm. Hermann v. Meyer wurde am 3. September 1801 in Frankfurt a. M. geboren. Sein Vater, Johann Friedr. v. Meyer, war ein ausgezeich­neter Jurist und bekleidete die höchsten Würden seiner Vater­stadt; die Mutter war eure geborene v. Zwack-Holzhausen.

In früher Jugend schon und während seiner Gymnasial­zeit beschäftigte sich Hermann v. Meyer gern mit mechanischen Arbeiten und naturwissenschaftlichen Gegenständen, nament­lich mit Mineralogie. Auch die Chemie wurde in Gemeinschaft mit Friedrich W ö h l e r . dem er durchs Leben in Freundschaft verbunden blieb, durch Untersuchungen und Experimente fleißig gepflegt.

In der Absicht, sich dem Hüttenwesen zu widmen, begab er sich 1818 auf das Kahler Glaswerk bei Bieber, das aber bald darauf seinen Betrieb einstellte. Nunmehr trat er. dem Wunsche seines Vaters folgend, bei den: Bankhause Gebrüder Meyer in die Lehre. Nach Beendigung seiner Lehrzeit L822 besuchte er die Universität Heidelberg, um Cameral-

wissenschasten zu studiren; dabei lag er gleichzeitig mit Fleiß der Mineralogie, Chemie, Mathematik und Physik ob. Von April 1824 an studirte er ein Jahr in München, woselbst er nebenbei seine Neigung für bildende Künste! er selbst war ein sehr geschickter Zeichner durch den Umgang mit Malern, Bildhauern und Architekten befriedigen konnte. Alsbald nach seiner Rückkehr nach Frankfurt trat er mit den an der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft thät- igen Männern, wie Cretzschmar, v. Heyden, Th. v. SömmerringmA. in Verkehr, und am 10. Äug. desselben Jahres wurde er als wirkliches Mitglied in diese Gesellschaft ausgenommen. Das Ordnen der mineralogischen und paläontologischen Sammlungen des Senckerbergischen Museums war für seine Zukunft bestimmend; er gewann ein besonderes Interesse an der Osteologie und vertiefte sich fortan immer mehr in deren Studium, ohne dabei die übrigen Zweige der Naturwissenschaften zu vernachlässigen. Um diese Zeit begann v. Meyer mit seinen ersten natur­wissenschaftlichen Publikationen. Die Arbeiten über fossile Knochen verschafften ihm wegen ihrer sorgfältigen und ge­nauen Untersuchung von vornherein die Anerkennung der Fachgelehrten. Ein kurzer Aufenthalt in Berlin im Sommer 1827 erweiterte durch den persönlichen Verkehr mit A. v. H u m b o l d t, der ihn auch dreimal in F r a n k - f u r t besuchte, mit seinem Schwager Hegel» sowie mit dem Astronomen E n ck e u. A. den Kreis seiner wissenschaft­lichen Anschauungen, während er andererseits unter Bettina v. Arni m's Führung die hervorragendsten Künstler und Schriftsteller kennen lernte. Im November des gleichen Jahres ging b. Meyer nach Nürnberg und übernahm die Leitung eines von einem dortigen Kaufmann, Joh. v. Schwarz, gegründeten Instituts für Glasmalerei. Im März 1828 kehrte er in seine Vaterstadt und zu seinen paläontologischen Arbeiten zurück. Rasch folgten nun aufeinander zahlreiche Veröffentlichungen über fossile Wirbelthierreste und bald galt er als erste Autorftät in Deutschland auf diesem Gebrete.

Auch nachdem er 1837 von der Bundesversammlung zum Bundeskassen- Kontrolleur und 1803 zum Bundes-Kassier ernannt worden war, welche Aemter seine Zeit oft sehr in Anspruch nahmen, erlitten seine wissen­schaftlichen Arbeiten keine Einbuße. Bon seinen Publikationen seien hervorgehoben:Paläologiea. ZurGeschichte der Erde und ihrer Geschöpfe",Die Fauna der Vorwelt" in 5 Bänden, die mit W. Dunker in Marburg herausgegebenenP a l ä o n t o g r a p h i e a", in die v. Meyer 1Y3 kleinere und größere Abhandlungen mit selbst gefertigten Abbildungen geliefert hat; etwa einhundert Mittheilungen und Abhandlungen sind in Leonhard und Bronn's neuem Jahrbuch für Mineralogie« Geog-

l n o f i e und Petrefaktenkunde veröffentlicht. Seine hervorragendenLeistungen lmrrden allgemein anerkannt. lieber dreißig Gesellschaften und Akademien ernannten ihn zu ihrem Mitglieder 1845 verlieh chm die philosophische Fakultät der Universität Würzburg den Ehrendoktor, die holländische Societät der Wissenschaften krönte sein Werk über die Saurier des Muschelkalkes mit der großen goldenen Preismedaille, 1858 wurde ihm die größte Auszeichnung von Seiten der Geological Society in London durch Zuerkennung der Woltaston'schen Palladium - Preismedaille zutheil, und im März 1860 erhielt Meyer einen Ruf als ordentlicher Pro­fessor der Geologie und Paläontologie an die Universität Göttingen/ den er aber ablehnte. Der Staatsgeologe der Provinz Canterbury auf Neuseeland legte einem der dortigen Bergriesen den Namen Mount Meyer bei. In seiner Vaterstadt wurde er 1834 Mitglied der ständigen Bürgerrepräsentation, und 1851 erwählte ihn die Sencken- bergische Raturforschende Gesellschaft zu ihrem ersten Direk­tor, welches Amt er dann zwei Jahre bekleidete.

Die politische Umgestaltung Deutschlands und besonders die seiner Vaterstadt Frankfurt 1866 bewegte Meyer tief. Der Weisung des Bundespräsidiums gemäß folgte er mii der Kasse dem Bundestag nach Ulm und Augsburg. Rach dem Friedensschluß kehrte er nach Frankfurt zurück, besorgte das Liquidationsgeschäft und trat alsdann in den Ruhestand. Seinen nun ungestörten Studien konnte er sich nicht lange hingeben; er starb am 2. April 1869.

Eine eigentliche paläonwlogische Sannnlung hat Meyer nicht besesien; das Wenige, das sich in seiner Hinterlassen­schaft befand, Wirbelthierreste von Weisenau, fossile Zähue und Knochen von Georgensgmünd, Mqsosanrus-Reste von Mästricht, ging in den Besitz des Senckenbergischen Museums über. Einen reichen Erscch für eine Sammlung von Ver­steinerungen boten ihm die Tausende von Abbildungen und Beschreibungen, die er anfertigte und die seiner Bestimmung gemäß dem paläontologischen Museum in München über­wiesen wurden.

In dem Kranze von Männern, die sich um die S en cke n- bergische Raturforschende Gesellschaft ver­dient gemacht haben, und deren Büsten den Festsaal im Museum zieren, befindet sich auch die Büste Hermann i v. Meyers, modellirt von v. d. L a u n i tz, und am Ein- > gang ins Museum ist auf der Marmortafel der Name Her­tmann v. Meyer in goldenen Buchstaben eingegraben. Diese Zeilen aber mögen dazu dienen, das Andenken des Mannes zu ehren, der sich durch erfolgreiche Thätigkeit einen Vollen Anspruch auf dauernde Anerkennung erworben hat.

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