welche ihm von den Fachgelehrten der ganzen Welt ent­gegengebracht worden ist. Neben den herrlichen Tafeln aus den Abhandlungen der Gesellschaft (die Saalmüller- schen Schmetterlinge von Madagaskar, die ethnogra­phischen Abbildungen aus Kükenthals Reisewerk) glänzen A. die Tafeln aus den Mdmoires de lAcade'mie Imperiale des Sciences zu St. Petersburg, aus den Transactions of the Canadian Institute zu Toronto, aus den Annales de la Socie'te Ento- mologique de France zu Paris, aus den Abhand­lungen der Kgl. Preuß. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, aus zahlreichen deutschen und ausländischen naturwissenschaftlichen Zeitschriften und Lieferungs- Werken und vor Allem die ausgezeichneten Tafeln aus den Publikationen der Zoologischen Station zu Neapel, welche Winters Weltruf begründet haben. Während eines mehrmonatlichen Studienaufent­haltes auf der Zoologischen Station zu Ansang der 80er Jahre hat er durch Taucherübungen im Golfe von Neapel die herrlichen Farbeneffekte in der Tiefe des Meeres ftu- dirt und in der Tiefe des Meeres durch seinen Stift fell- gehalten. Die farbenprächtige Darstellung der Seerose.!' des Mittelmeeres ist das Ergebniß seiner eigenen Be- ! obachtungen, und seine Ctenophoren auf Schwarzdruck, mit dem Diamanten auf den Solenhofer Schiefer ge-' zeichnet, sind Leistungen, die noch heute unerreicht da- i stehen. Ihm ist auch die lithographische Vervielfälti-! gung der Tafeln fast aller naturwissenschaftlicher Expe­ditionen des letzten Menschenalters übertragen worden, der Expeditionen des Fürsten Albert von Monaco, des Challenger, der Planktonexpeditivn, der norwegischen Nordhavsexpedition und zuletzt noch der deutschen Ticfsee- Erpedition, von welcher gerade die ersten vier Aquarelle für den vovulären ReiseberiLt hriTm i pjoforutm An­fang Mai erscheinen wird, von seiner Meisterhand fertig­gestellt worden sind.

Sehr viel hat die Senckenbergische Na­turforschende Gesellschaft und die Wissen- schaft mit Wilhelm Winter verloren, an besten Grabe der 1.- Direktor im Namen der Gesellschaft den verdienten Lorbeer niedergelegt hat. Zu ehrendem An­denken an den Verstorbenen erheben sich die Anwesenden von den Sitzen.

Herr Dr. W. K o b e l t führt sodann ein für datz Mu­seum neuerdings erworbenes Paar Moschusochsen vor, das, von den Kustoden ganz vorzüglich ausgestopft, eine seit dreißig Jahren in der Sammlung bestehende Lücke ausfüllt. Der Redner weist darauf hin, daß der Moschusochse ein in mehrfacher Hinsicht hochinterestantes Thier ist, einmal schon in systematischer Beziehung als ein Mittelglied zwischen zwei sonst gut verschiedenen Thierfamilien, den Ochsen und den Schafen (die Wissen-, schaft nennt ihn deshalb Ovibos, den Schafochsen), dann als das am weitesten nach Norden gehende größere Landsäugethier, das sich dem hohen Norden so völlig an­gepaßt hat, daß der arktische Winter für es seine Schrecken verloren hat. Die heutige Verbreitung, welche auf einer Karte erläutert wird, reicht soweit nördlich, als überhaupt Festland angetroffen wird. Dann aber ist der Moschusochse auch ein ein wandsfreier Zeuge für die Eiszeit; er hat während dieser Zeit bis zum Fuße der Alpen geweidet; im Keßlerloch bei Schaffhausen hat man wicht nur seine Ueberreste gefunden, sondern auch ein ge­schnitztes Elfcnbeinstück, das unverkennbar seinen Kopf darstellt, ein Beweis, daß der Mensch '.er älteren Stein­zeit ihn noch genau gekannt und gejagt hat. Im Main­thal sind Reste des Moschusochsen allerdings noch nicht angetrofsen worden, wohl aber in Norddeutschland in den Sanden der Jnterglazialzeit, obwohl sie auch dort zu den seltensten Funden gehören.

Hierauf hält Herr Geh. Med. - Rath Prof. Dr. P. Ehrlich einen Vortrag über

»Cellularbiologische Betrachtungen über Immunität."

Der Redner gibt zunächst einen historischen Ueberblick über die Entwicklung der Jmmunitätslehre, besonders in' ihrer Abhängigkeit von den Fortschritten, welche die Bak-! teriologie den Forschungen Pasteurs und Kochs verdankt. Sodann bespricht er die Förderung, welche auch das wissenschaftliche Verständniß der Immunität durch die Entdeckung Behrings erfahren bat, daß das Serum von Thieren, welche mit den Toxinen des Diphtherie- und Tetanusbazillus be­handelt sind, Antitoxine enthält, die in spezifischer

Weise die Wirkung dieser Gifte beeinflussen. Die Grundbedingung zu einem weiteren Eindringen in dieses schwierige Gebiet bildete die Schaffung von Methoden, welche es ermöglichten, die Wirkung von Toxin und Antitoxin quantitativ zu bestimmen und in genauen Zahlenwerthen auszudrücken. Die Schwierigkeiten waren hier um so größer,'als die Toxine und Antitoxine der chemischen Untersuchung nicht zugänglich sind und nur durch ihre physiologische Wirkung gemessen werden können. Die Fähigkeit gewisser Toxine, auf die rothen Blutkörperchen vieler Thierspezies eine Giftwirkung auszuüben, die außerhalb des Thierkörpers genau zu messen ist, führte zu der Möglichkeit, exakte Versuche über das Verhalten der Toxine und Antitoxine außer­halb des Thierkörpers im Reagensglas auszuführen. Mit Hilfe dieser Reagensglasversuche ließen sich vor allem wichtige Beweise dafür bringen, daß die Wirkung der Antitoxine eine rein chemische ist, in der Weise, daß ^Toxin und Antitoxin zu einer ungif­tigen Verbindung z usammentreten und daß dieser Vorgang den allgemein giltigen chemischen Gesetzen folgt. Dieser Anschauung stellten sich nun zu­nächst bei dem Studium der Wirkung des Diphtherie­antitoxins aus das Diphtherietoxin große Schwierig­keiten entgegen, die nach langwierigen Untersuchungen ihre Lösung durch den Nachweis gewisser Modifikationen der Toxine, welche als T o x o i d e bezeichnet wurden, fanden. Die Erkenntniß der Toxoide leitete weiter zu bestimmten Vorstellungen über die chemische Beschaffen­heit der Toxinmoleküle, die als ausgestattet mit zwei charakteristischen Gruppen anzusehen sind, einertoxo- p h o r e n" Gruppe und einerhaptophoren" Gruppe. Die toxophore Gruppe, die sehr labil ist, ist die Trägerin der eigentlichen Giftwirkung, wäbrend die haptophore Gruppe die Bindung mit dem spezifischen Antitoxin vermittelt. Die Toxoidbildung beruht auf dem Verlust der toxophoren Gruppe der Toxine. Das Vorhandensein der haptophoren Gruppe im Toxinmole­kül ist zugleich als die nächste Bedingung der charakteri­stischen Giftwirkungen anzusehen, da durch die Bindung !drr haptophoren Gruppe die Wirkung der toxophoren Gr7r.npe auf das Protoplasma übertragen wird.

Der Redner erörtert sodann eingehend die prinzi­piellen Unterschiede, welche das Verhalten gewisser Farb­stoffe und Alkaloide einerseits und der Toxine anderer­seits im Organismus zeigt, und geht auf die Expeui- mentaluntersuchungen ein, welche für die letzteren eine' chemische Bindung in gewissen Zellen des Organismus annehmen, lassen. So sind in den Ganglienzellen des Rückenmarks bestimmte Atomgruppen vorhanden, die das Tetanustoxin chemisch binden. Die Anm-senbeit außerordentlich zahlreicher Atomgruppen (,,S e i len­ke t t e n") im Protoplasma der Zellen, welche die verschie­denen Toxine zu binden vermögen, ist nur durch die An­nahme zu verstehen, daß diesen Seitenketten eine physio­logische Funktion zukommt, indem sie die zu assimiliren- den komplizirteren Nahrungsstoffe (Eiweißkörper k.) verankern. Das Vorhandensein einer gleichfalls auf diese Seitenketten eingestellten haptophoren Gruppe im Toxinmolekül bedingt dann eine analoge Bindung. Für gewisse Fälle (Zentralnervensystem Tetanusgift) ist sogar der Nachweis einer derartigen Bindung im Reagensglas gelungen.

Aus den entwickelten Anschauungen läßt sich nun auch eine einfache Erklärung für die so räthselhaft erscheinend« Entstehung der Antitoxine ableiten. Die durch die Bin­dung des Toxins außer Funktion gesetzten Seitenketten des Protoplasmas erfahren eine Regeneration, die nach einem von Weigert aufgefundenen allgemeinen Gesetze über den Ersatz des Defektes hinaus zu einer Ueber- Produktion der betreffenden Seitenketten führt. In­dem sich weiterhin die Zelle dieses Ueberschusses entledigt und die Seitenketten in den Blutkreislauf abstößt, setzt sie Substanzen in Freiheit, welche ihrer Herkunft nach die spezifischen toxinbindenden Gruppen besitzen müssen die Antitoxine. Dieselben Atomgruppen also, welche,

' solange sie dem Protoplasma anhängen, die Bedingung für die Giftwirkung bilden, schützen, in Freiheit gesetzt, den Organismus vor dieser. Die systematische Jmmu- nisirung, wie sie bei der Gewinnung der Heilsera geübt wird, ist nichts Anderes als eine Train irung der Zellen zur Ueberproduktion und Abstoßung der giftbin­denden Seitenketten. Auch das natürliche Vorkommen von Antitoxinen im Serum normaler Thiere und des Menschen findet durch dieS e i t e n k e t t e n theorie" seine Erklärung.