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Der erste Direktor, Herr Dr. August Knoblauch, berichtet zunächst über den glänzenden Verlauf der Feier des zweihunderljährigen Bestehens der Königlich Preußischen Akademie dcr Wissen­schaften am 19. und 20. d. Mts., an welcher er als Te'-girter der Gesellschaft theilg:no::imen hat.

! Die Feier wurde eingeleitet durch einen Festakt simWeißenSaaledesKgl.Schlosses, wo­hin der Kaiser die Akademiker und ihre Gäste an ihrem Ehrentag entboten, wo auch nach der Reorganisation der Akademie durch Friedrich den Großen die feier­liche Eröffnungssitzung stattgesunden hatte. Naturge­mäß hat sich diese Feier zu einer glanzvollen Huldigung der Akademiker für ihren königlichen Protektor gestaltet, für den Nachkommen der edlen Kurfürstin Sophie Charlotte, deren lebhaftes Interesse für seine auf die Gründung einer Akademie gerichteten, weitausschau­enden Pläne der große Philosoph L e i b n i z loachzu- rufen verstanden hatte. Der ganze Prunk der Monarchie, der anläßlich dieser Feier entfaltet worden ist, hat dieselbe Zu einer großenStaatsaktion gestempelt. In seiner denkwürdigen Ansprache hat der Kaiser voll und ganz die großen Verdienste der Akademie der Wissen­schaften anerkannt und versprochen, dieser Schöpfung seines Ahnherrn, welche in die letzten Tage des branden- burgischen Kurstaats zurückreicht und zusammen mit der preußischen Monarchie emporgeblüht ist, gleich seinen Vorgängern auf dem Throne Preußens ein getreuer Hüter zu sein, unter Hinweis auf das Wort Kaiser Wil­helms I.:Das in jedem preußische» KönigeeinwohnendeGefühlsürWissen- schaft ist auch in mir lebendig." Im Gegensatz zu dieser glanzenden, durch königlichen Prunk ausgezeichneten Feier trug die Festsitzung im Ab­geordnetenhause einen schlichten, rein akademi­schen Charakter. Hier wie dort hatten sich mit den Aka­demikern die Vertreter der gelehrten Körperschaften der ganzen Welt vereinigt, eine glanzvolle Versammlung, welche in der malerischen Tracht der Ornate, im Schmuck der Ordensbänder aller Länder ein farbenprächtiges Bild bot. Nachdem der Geschichtsschreiber der Akademie, der Kirchenhistoriker Prof. H a r n a ck, in seiner geistvollen Rede, welche mit Recht als eine wisienschaftliche That ge­feiert worden ist, in schlichten, klaren und großen Linien vie zweihundertjährige Geschichte der Akademie geschildert hatte, brachten die Abordnungen der wissenschaftlichen Körperschaften ihre Glückwünsche dar. Sie waren 88 an der Zahl in vier Gruppen eingetheilt, die deut­schen und ausländischen Akademien, die Universitäten des deutschen Sprachgebietes, die preußischen Provinzial-

Franksurt a. M., den 24. März 1900.

Gesellschaften und die Berliner Institute für Handel, Kunst und Wissenschaft. Jnstrumentalchöre, dirigirt von Meister Joachim, sowie Begrüßungs- und Dankes­worte der vier ständigen Sekretäre der Akademie er» öf fnete n und beschlossen die Festsitzung.

Hierauf begrüßt der Vorsitzende Herrn Dr. Georg Greim aus Darmstadt, welcher der Gesellschaft als korrespondirendes Mitglied angehört. Herr Dr. Greim sprach sodann über

»Neues «nd Altes von Ersmeffrmg Erdsiestalt."

Ausgehend von der zuerst gültigen Ansicht von der , Erdscheibe, schilderte der Vortrag die allmähliche Erwei- ! terung unserer Kenntniß von der Erdgestalt in den drei folgenden Stadien, die bezeichnet sind durch die Annahme einer kugelförmigen, einer ellipsoidischen und einer un- tt regelmäßig gestalteten Erde. Wie die letztere von dem V Al

Rotationssphäroid abweicht und wie ihre Abweichung '

durch geometrische Methoden (astronomisch-geodätische) sowie durch dynamische (Schweremessungen) bestimmt loerden kann, wurde kurz gezeigt. Die Folgerungen aus dem hierbei Gefundenen, führten zu einer genaueren De­finition des sog.Geoids". Um sich außerdem Rechen­schaft über die Gründe dieser Abweichung zu geben,. , wurde auf theoretischem Weg zur Ableitung be§)6l]CiI6ll Geoids geschritten, nachdem die Grundbegriffe der Kräfte­funktion und Niveaufläche erklärt waren. Hierbei wurde darauf hingewiesen, welche Gestalt diese Niveauflächen unter bestimmten Voraussetzungen haben müßten, wie z. B. bei einer ruhenden Erde, in der eine gleichmäßige Dichtevertheilung herrscht. Sodann wurde wiederum zur Gestalt der Erde unter den thatsächlichen Bedingungen y 0

Lbergegangen und darauf aufmerksam gemacht, daß nicht nur eineNiveaufläche die Erdoberfläche schneidet. DieVer- suche, die Gestalt des Geoids festzulegen, stimmen überein mit der Bestimmung seiner Abweichungen gegenüber dem Sphäroid, über deren Größe man durch synthetische Untersuchungen über den Einfluß gegebener Massen auf die Erdgestalt, sowie durch direkte Messungen eine Vor­stellung gewinnen kann. Zum Schluß wurden noch eine Anzahl Folgerungen aus dem Vorgetragenen ge­zogen und insbesondere die Frage beantwortet, ob die Meere, welche Europa umgeben, zu verschiedenen Geoidflächen gehören, wie man früher nach den viel zu groß gefundenen Differenzen der Mittelwasser glaubte annehmen zu müssen.

Mit herzlichen Worten des Dankes für den mit gro­ßem Beifall aufgenommenen Dortrag und dem Wunsche, daß der Redner sein wohlwollendes Interesse der Gesell­schaft dauernd erhalten möge, schließt der Vorsitzende die Sitzung.

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Sitzung der Sencken-

Frankfurt a.

Der erste Direktor, Herr Dr. August Knob­lauch gedenkt mit warmen Worten des am 28. März d I ' verstorbenen Herrn Wilhelm Winter, welcher der Gesellschaft seit 1881 als arbeitendes M i t g l i e d und der Direktion in den Jahren 1892 und 1893 als korrespondirender Sekretär angehört hat. Der Verstorbene hat in den langen Jahren seiner Mitglied­schaft sein reiches Wissen und seine vielseitige praktische Erfahrung stets gerne der Gesellschaft nutzbar gemacht und ihr wiederholt sehr wichtige Dienste geleistet. In Gemeinschaft mit Herrn L. Sonnemann hat er im Herbst 1895 den Ankauf der K a r I V o g t' s ch e n Bibliothek durch eine Anzahl hiesiger Bürger ver­mittelt uno die hochherzige Schenkung derselben an die Gesellschaft angeregt. In den Kommissionssitzungen hat er eine besonders ersprießliche Thätigkeit entfaltet und sich namentlich in der letzten Zeit bis unmittelbar vor

M., den 7. April 1900.

seinem Tode eingehend mit den Planskizzen zu dem pi^- jektirten Museums-Neubau beschäftigt.

Aber auch in wissenschaftlicher Hinsicht hat Winter f Hervorragendes geleistet. Beseelt von einem tiefen Sinn für die Natur, den er durch eifriges Selbstudium zu pflegen stets bemüht gewesen ist, hat er sich in wunder­barer Weise in die Probleme der exakten Forschung zu vertiefen vermocht und hat sich bleibende Verdienste um die Naturwissenschaften erworben durch die unvergleich­liche Wiedergabe der ihm zur lithographischen Reproduk­tion übergebenen Zeichnungen, denen er nach eingehen­dem Studium nach seinem künstlerischen Ermessen in > Zeichnerischer Hinsicht die Pointe aufgesetzt hat.

Die Zahlreichen lithographischen Tafeln, welche die Wände des großen Hörsaals bedecken, sind ein sprechendes Zeugniß für Winters gesegnetes künstle- risches Schaffen und für die allgemeine Anerkennung,