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ilipp Jakob Cretzschmar.

Ein G e d e n k b l a t t.

Von Dr. Otto Bolger (Sulzbach).

Hte vollendet sich das 51. Jahr, seit ein Mann dahinge- l « ist, welcher für Frankfurt eine große Bedeutung nd dessen Wirken in den Entwicklungen dieser Stadt und, ;'ausstrahlend nach allen Richtungen, lebendig bleiben 8 so lange die Wissenschaft den Baum der Menschheit mit llüthen ziert. Es ist eine Pflicht, seiner an diesem Tage nken, um so mehr, als auch ihm erst die Nachwelt jenen Lohn der Anerkennung zollen muß, welchen ihm das mr halb gewährt hat. P h i l i p p I a k o b Cr etzschmar Schöpfer der auf seinen Vorschlag nach Senckenberg's benannten n a t u r f o r s ch e n d e n Gesell- t und ihres der Naturkunde gewidmeten Schutzhauses, n ck e n b e r g i s ch e n M u s e u m s , längst des zweiten neben dem Berlinischen, im ganzen lveiten

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dem abwechselnd unter Kurmainzischem und Frankfurtifchem seiner uralten Reichsunmittelbarkeit und Reichsfreiheit roh gewordenen, aber noch gegenwärtig seiner Besonder­wohl bewußten Dorfe S u l z b a ch ani Taunus war chmar geboren, der tüchtige Sohn eines tüchtigen Mannes, krieg und Frieden bewährten Pfarrers jenes Ortes. Der hatte einst das Glück gehabt, in einem gefährlichen Reiter­den Leutnant v. Blücher, den nachmaligen Marschall, Gefangenschaft herauszuhauen, und dzirch des Ge­treues Gedenken konnte er seiner Pfarrgemeiinde im Jahre )en Schutz dcS im benachbarten Städtchen HVö ch st a. M. 513 jttben Feldherrn gegen die raubenden Kosa«n erbitten. !387 2 gründlich gelehrter Mann, pflegte der vortreffliche Pfarrer 166 3 Üihzeitig erkannten Fähigkeiten seines Sohnes «icht allein 850 51 eigenen, geschickt geleiteten Hausunterricht, bis«s zulässig .35 7 en, den Knaben auf eine Reihe von Jahren «em Gym- 92 10 im der Stadt Frankfurt anzuvertrauen, sondNm er rief 62 12 n nach erlangter Reife nochmals ins Elternhaus zurück, um wllends in erweiterter Vorbildung zu erfolgreichem Besuche Hochschule vorzubereiten. Auf dem P farrhoJe in ,'Pa ch hegte der junge Philipp mit großer LiebFallerlei

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park zur Belehrung und zur Befreundung zwischen dem Men­schen und feinen tausendgestaltigen Lebensgenosfen. Es sei hier nur beiläufig erwähnt, daß Philipp Cretzschmar den Lieblings­plan, einen solchen Park für die Oeffentlichkeit einzurichten, als junger Arzt im Jahre 1825 schon seinen Freunden anvertraute, wodurch er aber damals in Gefahr gerietst, der Lächerlichkeit zu verfallen. Der Gedanke jedoch hat sich in seinen Schülern an Senckenberg's segensreicher Anstalt sortlebend erhalten, bis es im Jahre 1858 zeitgemäß befunden wurde, ihn in erfreulichster Weise zu verwirklichen. Man gestatte mir den Scherz, hier vorzuschlagen, daß die einsichtsvolle Verwaltung des Frankfurter Thiergartens allen Knaben von Sulzbach, für immer oder wenigstens alljährlich für einen besonderenSulzbäch er Tag" den Vorzug eines freien Eintritts gewähre.

Es ist vielleicht noch nicht die Zeit gekommen, um unseres Cretzschmar Leben und Streben in voller Würdigung darzu- stellen. Um Solches mit ganzer Offenheit zu besprechen, müßten Rücksichten bei Seite gestellt werden, deren Schonung auch jetzt noch rathsam erscheinen kann in einem Gemeinwesen, in dessen leitenden und einflußreichen Kreisen sich die von den Vätern auf die Söhne forterbeüden Namen durch eine Reihe von Ge­schlechtern lebendig zu erhalten pflegen. Solche Rücksichten zu verletzen würde am wenigsten Cretzschmar's mildein bescheidenem Sinne entsprechen. Vortreffliche Vorarbeiten zur Lebens­geschichte Philipp Jakob Cretzschmar's sind zu theilweiser oder voller Oeffentlichkeit gelangt: für freimaurerische Kreise durch denVersuch" von F. C. C. M e i s i n g e r 1850, besonders aber für die Allgemeinheit durch die bei der Jahresfeier der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft am 3. Mai 1846 gehaltene herrliche Gedächtnißrede. Daß der unerschrockene Währheitsfreund, welchem wir die letztere verdanken, der vielen noch Lebenden unvergeßliche Arzt und Lehrer, Cretzschmar's Nachfolger in wichtigen Betrauungen, Dr. med. Joh. Michael M a p p e S , einem allen Sulzbachischen Geschlechts entstammte, welches noch jetzt im HeimathSorte ehrenvoll fortbesteht und da­selbst gerade gegenwärtig durch den allbeliebten Bürgermeister der Gemeinde vertreten erscheint, darf beim heutigen Anlässe auch nicht unerwähnt bleiben.

Hier soll keineswegs Cretzschmar's ganze Lebensgeschichte mitgetheilt werden. Nur in Kürze sei erwähnt, daß der lern­begierige und zielbewußte Jüngling in Halle a. d. Saale und in Würzburg sich zum Arzte ausbildete. Die kriegerischen Zeiten und vermuthlich auch eine, durch des Paters Erinner­ungen an seine soldatischen Erlebnisse entstandene Neigung, be­wogen den mit krästiger Gesundheit, prächtiger Leibesgestalt und

kühnem Geiste Ausgestatteten zum Eintritt in kriegsärztliche Dienste, ivclche ihn einerseits bis in die Schlacht bei Wagram, andererseits bis Paris, ja bis nach Spanien führten und ihm überreiche Gelegenheit zu vielseitigster wissenschaftlicher, künst­lerischer (besonders musikalischer) und gesellschaftlicher Ver- vollkommnug verschafften. Als Deutschland sich wieder des Friedens erfreute, nahm Cretzschmar seinen Wohnsitz in Frank- > f u r t, ward rasch ein glücklicher und vielgesuchter ausübender Arzt und sah sich alsbald betraut mit dem Lehramte für die Zer­gliederungskunst an Senckenberg's Stiftung. Dieses Amt ward |, ihm fortan ein heiliger Beruf, bot ihm die Mittel zu günstigster Selbstbelehrung und machte ihn zum Mittelpunkt des ärztlichen j Lebens und Wirkens in der berühmten Freien Stadt, zugleich ' zum Führer und Leiter der für die Heilkunde in allen ihren Zweigen sich vorbereitenden Jugend. Längst hatte Cretzschmar erkannt, daß die wahre Staffel zur Erreichung eines höheren Standpunktes in der Heilkunde durch die Naturforschung sich darbiete. Dieselbe Ueberzeugung hatte auch schon den edlen Senckenberg geleitet, dessen Stiftung aber damals in dieser Richtung in Folge der Zeitläufte noch nicht sich der wünschens- werthen Ausbildung erfreute. An der Erkenntniß dieses Mangels setzte nun Philipp Cretzschmar den Hebel seiner Kräfte, den Flug seiner Begeisterung, den Zauber seines Einflusses in Bewegung.

Am 17. November 1817 überreichte der von allseitigem Ver­trauen zu solchem Wagnisse Emporgetragene der Vorsteherschaft der Senckenbergischen Stiftung die erste Darlegung seines Planes, die Aerzte der Stadt, die Pfleger der Naturkunde und alle für Wissenschaft empfänglichenBürger zu einer freien Gesell­schaft zu vereinigen. Entgegenkommend gestattete man ihm, zu solchem Zwecke eine Gruppe zunächstAuserwählter in das Sitzungs­zimmerin Senckenberg's Stiftshausezuladen. Daselbst erfolgtebe- reits am 22. November die förmliche Begründung der Gesell­schaft, welche sich ihrer Aufgabe gemäß die Natursorschende und zu Ehren de? großen WohlthäterS der Vaterstadt nach dessen Namen die Dr. Senckenbergische nannte. Nach Ortssitte und Gebrauch wurde die Ehrenstellung des ersten Beamten dieser Vereinigung einem hochangesehenen Mitgliede der obersten Staatsbehörde, dem Herrn Schöffen Dr. Neuburg, einem war­men Freunde der zukunftsreichen Entwürfe Cretzschmars, cinge- räumt. Die zweite Stelle aber mußte Cretzschmar selber cin- nehmen und er hat sein ehrenvolles, noch mehr freilich mühe- und vcrantwortungsreiches Amt 23 Jahre langiumusterhastcster Weise geführt.

Mit der Begründung der Naturforscheuden Gesellschaft war nur der erste Schritt gethan. Der zweite folgte, sobald die be;

fremdeten Gemüther sich von dem Gelingen des unvermutheten Wagnisses einigermaßen erhoben fühlen konnten. Damals han­delte es sich in der Naturforschung noch vorzugsweise darum, die vielgestaltige Mitwelt unserer Lebensgenossen durch Anschauung kennen zu lernen. Eine Schausammlung zu schaffen, war unerläß­lich. Also beschloß Cretzschmar oder vielmehr er hatte schon mit diesem Entschluß die Gesellschaft begründet eine solche Unternehmung. Welch' ein Wagniß! Einige; Gestein- und Krystallstufen, ein Vorrath von sogenanntenVersteinerungen", b. h. in den durch Wasserabsätze entstandenen Erst- und Stein­schichten unseres Bodens erkennbar aufbewahrt gchliebene Ueber- reste von Vorwesen (ehemaligen Lebewesen) aus Senckenbergs Nachlasse boten den alleinigen Anhalt; ihre geordnete, anschau­bare Aufstellung und Vermehrung mußte gewissermaßen als Vorwand dienen, um den Einwand der Abentem rlichkeit zu ent­kräften. Aber woher das Geld nehmen! Cretzshmar besaß den Zauberschlüsselzu den Glücksgütern erwerbgesezneter Mitbür­ger. Seiner bcgeisterungs- und überzeugungsv illen Anregung gelang es leicht, von dem opferwilligen Simon Moritz v. Beth- m a n n ein erhebliches Stammgeld zu erhalten, wodurch denn die Senckenbergische Stiftung den Muth schöpft«;, Senckenbergi­schen Grund und Boden und ein beträchtliches bpares Darlehen für den Bau eines Mufeumsgebäudes zu gewähren, jenes näm­lichen Gebäudes, welches wir noch heute, freilnch später durch einen Erweiterungsbau sehr vergrößert, neben de >n alten Eschen­heimer Thurme an der Bleichstraße erblicken.

Aber das leere Gebäude bedurfte der seil ein Zwecke ent­sprechenden Füllung; auch diese beschaffte Cretzsck mar. Nur dem Zutrauen zu ihm war es zu verdanken, wenn seine, nun im Namen der Gesellschaft in Umlauf gesetzten, nein von ihm selber von Haus zu Haus getragenen Sammellisten s ch mit Ziffern bedeckten, welche zu den reichsten Ankäufen die Mittel gewährten. Noch weit bedeutsamer >var sein Wirken dadurih, daß er seine Begeisterung auf andere Gemüther zu übertragen verstand. Den jungen Landsmann Eduard R ü p p e l l, welcher für schwind­süchtig geltend nur von Epypten einige Verlängerung seines aussichtslosen Lebens erhoffte, riß er durch seine Schwärmerei zu dem Entschlüsse hin, sich als Naturforscher im Nillande einen gefeierten Namen zu sichern, indem er die Ausbeute afrikanischer Jagden für das vaterstädtischeMuseum" widmete. Die ganze Anleitung zu den betreffenden Reisen, aber auH die ganze In­empfangnahme und Versorgung der massenhaften, in Schiffs­ladungen nach Europa gelangenden Ausbeute leitete Cretzschmar es ist fast unvorstellbar, welche Arbeitsfähigkeit ein Mann in seinen kräftigsten Jahren cutsalten kann, w/nn ein aller