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Gespreiztheit. In der Rede zeigte der Gast Gewandtheit, Werständniß, aber es störte dabei auch hier die Sucht, ( ihr überall, auch wo es sich eigentlich nicht so recht schicken

wollte, den gewöhnlichsten Gesprächston zu wahren und

das oft genug gerade dadurch, daß die Worte nicht so ge-

gegeben wurden, wie man sie im Leben in solcher Lage

und Stimmung aussprechen würde. Ein einfach fragendes Was" ist schon nicht natürlich genug, es muß tonlos her­vorgestoßen oder einWa was" daraus gemacht werden. Darin aber liegt die wahre Natürlichkeit doch so eigentlich nicht; sie verlangt vor allem, daß der Ton der Situation ange­messen sei, und dagegen fehlte der Gast in auffallendster Weise. Die Liebesszene spielte er brillant, um einen schauspielerischen Ausdruck zu gebrauchen; aber kein Wort Lessings verräth, daß er selbst sie sich sorealistisch" gedacht habe, und dem Dichter sollte doch M der Art, wie man seine Dichtung wiedergibt, auch noch ein bestimmendes Wort zustehen. Noch mehr litt unter der Spielweise des Gastes die Zeichnung des Charakters. Die Persönlichkeit des Tempelherrn wird von Lessina bis aus das Aeußere selbst, schon durch die Worte Anderer, so genau geschildert, daß ein bestimmtes Wckd davon dem Leser oder Hörer förmlich aufgenöthiat wird; aber welche Aeußerung von Nathan oder Saladm man auch herausgreifeu mochte, kaum eine hätte der Tempel­herr, den Herr Barthel spielte, wenigstens in dem ganzen Umfang, wie sie gegeben ist, veranlaßt haben können. Ueber- rcuchend war namentlich das Auftreten des Tempelherrn im ersten Akte, bei welchem er ganz und gar vergessen zu haben schien, was sein Dichter von ihm verlangt. Er gab sich, wie es etwa in guter Laune ein moderner Offizier mit dwas burschikosen Allüren thun mag. Die gute Laune läßt sich nun freilich nicht Wohl recht,ertigen. Aber ein Tempelherr war ja in der That kaum etwas anderes als ein mittelalterlicher Reiteroffizier, und weßhalb soll man ihn also nicht so geben. Vielleicht kommen wir noch dahin, Wallenstein in der Art des alten Wrangel zu spielen und Grillparzers Gerichtsherold in Medea etwa mit den Manieren eines modernen Gerichts­vollziehers auftreten zu lassen. In den späteren Szenen, wie in dem Auftritt bei dem Sultan, kam theilweise der Charakter, wie ihn Lessing geschildert, mehr zur Geltung, aber das diente dann nur dazu, die Einheit des Ganzen noch mehr zu zerstören und den Zuschauer empfinden zu lassen, wie wenig entsprechend im übrigen der Ton gehalten War. Herr Barthel ist unleugbar ein gewandter, wohlbe­gabter Schauspieler, aber er läßt sich zu ausschließlich von der Manier bestimmen, der er anhängt, als daß er wirklich .wohlthuend Befriedigendes leisten könnte- nach dem bis jetzt Geleisteten wenigstens zu urtheilen.

Eine recht tüchtige Leistung bot der Darsteller des Nathan, wenn er freilich auch nicht vermochte, das Bild, das die Dichtung von dem weisen Juden entwirft, in allen Theilen vollkräftig ausgeführt wieder zu geben. Ganz unzuläng­lich dagegen war die Darstelluug, welche die Rolle der Recha fand, an ihr hatte Lessing, abgesehen von den Worten, die er dazu hergegeben, keinen Theil.

Reue Airsstellrnige» im Mnseum der SerEen- bergischen naLm'forschewdeir Gesellschaft.

Die Besucher des Scnckenbergischen Museums werden er­sehen haben, daß die Bemühung der Sektionäre seit längerer Zeit dahin gerichtet ist, unsere einheimische Thierwelt best­

möglich zur Anschauung zu bringen. Mit der Zeit wird es gelingen, ein Gesammtbild von ihr zu geben. Zu der Lokalsammlung der Säugethiere und Vögel soll im Laufe dieses Sommers in einem besonderen Schranke die der Reptilien und Amphibien kommen. In der letzten Zeit haben die Sektionäre für Insekten, die Herren Major A. von Both und Major Dr. L. von Heyden, die Schmetterlinge und Käfer der Umgegend von Frankfurt in ihren Haupt­vertretern aufgestellt. Diese Sammlungen befinden sich in dem Mineraliensaale; sie werden besonders unfern angehenden Entomologen eine wesentliche Erleichterung beim Bestimmen ihrer eingefangenen Insekten bieten. Seit einigen Tagen find ebendaselbst die wichtigsten forstschädlichen Käfer nebst Fraßstücken und Larvengängen in verschiedenen Holz- und Rindenarten, ein Geschenk des Königlichen Forstassessors Herrn Milani hier, ausgestellt. Eine beiliegende schematische Darstellung der Formen, welche die Brutstätten verschiedener Borkenkäfer zeigen, macht diese kleine Sammlung besonders lehrreich. Die Mutter- und Larvengänge sowie die Flug­löcher sind auf dem Schema deutlich gekennzeichnet, und dem Beschauer werden mit einem Blicke die verschiedenen Bezeich­nungen für die Gänge in Rinde und Holz, wie Loth-, Wage- und Sterngang, Leiter-, Gabel- und Familiengang, klar.

Wie ist es möglich, wird man fragen, daß so winzige, wenige Millimeter große Thierchen, Waldschäden zu verur­sachen vermögen? Nun, wir wissen ja, daß gerade die kleinsten Geschöpfe mit Recht die gefürchtetsten Zerstörer sind, indem sie in Folge ungeheurer Vermehrung die geringe Größe durch ihre Zahl ersetzen, und daß ihnen gerade wegen ihrer Kleinheit und der ihnen rneist eigenthümlichen verborgenen Lebensweise schwer Leizukommen ist. In Bezug auf die Schädlichkeit des Borkenkäfers sei hier folgendes angeführt:

Wer denkt nicht", sagt Vitus Gräber in seinem Buche Die Insekten",mit Entsetzen an die Verwüstungen, die der Borkenkäfer in den böhmischen Wäldern (187375) angerichtet. Hochgewachsene Tannen oder Fichten, stolz ihre Wipfel erhebend, werden heimlich von einer Schaar unserer kleinen Mineure überfallen. Bald rieselt das feine Bohrmehl aus der Höhe nieder, und aus tausend Wunden quillt das Blut des Baumes, das Harz, hervor. Die Folgen lassen auch nicht lange auf sich warten. Die Rinde entfärbt sich und schuppt sich ab, die Nadeln vergilben und fallen zu Boden und schließlich bleibt nichts übrig als ein ausgezehrter, dürrer Stamm mit trockenen Zweigen, den selbst ein kein allzuheftiger Wind ohne Mühe zu Booen wirft und in Trümmer bricht.

Und nun schälen wir einmal von dieser Baumleiche die Rinde los. Sie scheint lebendig. Aus den mit stinkendem pulverigen Mulm erfüllten Labyrinthgängen wühlen sich Tausende und Tausende der kleinen geflügelten Bohrer hervor, und ehe wir's uns versehen, drohen uns ihre. Schwärme zu ersticken. Bald wird auch in der That der ganze Wald lebendig; das Verderben ist unaufhaltsam.

Waren es früher nur einzelne und meist schon ältere Bäume, die dem Verderben erlagen, so sehen wir jetzt, von einem erhöhten Standpunkt aus, weite große Waldstrecken, wie vom Reif versengt, sich röthen, und ehe man's für möglich hält, hat die Seuche ganze Forste ergriffen, und wo der Wanderer früher tage­lang durch schattige Haine dahinschritt, da zeigt sich seinein traurigen Blicke jetzt nichts mehr als ein wirres, schauerliches Chaos übereinanderLestürzter Stämme und AM,