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Wissenschaftliche Sitzung -er Senckenbergischen natursorschenden Gesellschaft.
Samstag, den 20. Oktober 1894.
Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Blum, begrüßt die Versammlung zum Wiederbeginn der wissenschaftlichen Sitzungen und theilt dann mit, daß der Dozent und Sektionär der Gesellschaft für Geologie und Paläontologie, Herr Dr. F. Kinkelin, von der königlichen Regierung in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen zum Professor ernannt worden ist. Ferner macht der Vorsitzende die Mittheilung, daß der Enkel des berühmten Samuel Thomas v. Soemmerring, der im verflossenen Sommer verstorbene Herr Karl Soemmerring dahier, der Senckenbergi'schen naturforschenden Gesellschaft fünftausend Mark lctztwillig bestimmt hat. Der Name Karl Soemmerring wird daher neben dem seines Vaters und seines ihm in den Tod vorangegangenen Sohnes als ewiges Mitglied auf der Marmortafel am Eingänge des Museums glänzen. Samuel Thomas v. Soemmerring zählt zu den Gründern der Gesellschaft. Mit dem Tode Karls ist feine männliche Nachkommenschaft erloschen.
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^ Ternate, den 4/Mai 1894.
Gemeinsam mit dem „Posthouder" von Galela fuhr ich am 15. März nach der Ternate gegenüber liegenden Landenge von Dodinga, welche wir überschritten, um auf der Ostküste die große Prau dieses Beamten vorzufinden/ Wir segelten nunmehr nach einem kurzen Abstecher an die Halbinsel, die sich nach Osten zieht, nach Nlorden, und machten die erste Station von 5 Tagen in Kau.
Ein weites Flachland dehnt sich hier aus, erst in blauer Ferne verloren sich niedrige Höhenzllge des Innern. Das Land ist stark bevölkert. Kau selbst besteht aus einer Anzahl am Seestrande sich hinziehender Kampongs, die zum Theil von „Orang slam" ben Malayen, zum größern Theil von Alfuren bewohnt sind. Hinter der Zone von Kokospalmen, die sich längs der Küste erstreckt, liegen ausgedehnte Sümpfe, die das Land zu einer der berüch- tigsten Fiebergegenden machen. Mein Jäger, sowie einige Leute der Mannschaft erkrankten auch bereits am zweiten Tage unserer Ankunft, während ich selbst verschont blieb, trotzdem ich von Früh bis Abend das Gebiet durchstreifte.
Nachts schlief ich stets auf der Prau, die weit draußen im Meere lag, und vermied natürlich auch Master zu trinken. Diesen beiden Umständen, sowie prophylaktischem Chiningenusse habe ich es wohl zu danken, wenn ich diesmal vom Fieber verschont blieb.
Eine dreitägige Bootsahrt, die ich den großen Strom hinauf, der das Land durchschneidet und einige Kilometer unterhalb Kau mündet, unternahm, gehört zu meinen angenehmsten Erinnerungen. In einem kleinen schmalen Ruderboot, bemannt mit elf Ruderern und begleitet von einem Häuptling, ging es stromaufwärts. Der Fluß hat einige Meilen lang etwa die Breite des Maines bei Frankfurt; seine Ufer zeigen die ganze Ueppigkeit der Tropenvegetation, mit den überhängenden Palmwedeln, den graziösen Bambnsen und darüber dem ernsten, schwarzen, hochstämmigen Wald. Ein Krokodil, das sich auf einer Sandbank sonnte, entkam leider, ehe ich schließen konnte. Vereinzelte Eisvögel flogen an den lehmigen Uferrändern entlang, dann und wann kreuzte den Weg ein Schwarm Loris oder ein krächzender Kakadu. Hier und da zeigte sich ein einzelnes Haus an dem tief eingerissenen Ufer; es wnrde aber Nacht, als wir die erste große Ansiedelung, ebenfalls Kau genannt, erreichten. Die merkwürdigen Häuser stehen auf hohen Pfählen; das Haus ist nur durch eine Leiter zugänglich. Ich bezog den Vorderraum eines solchen und genoß einen kurzen aber erquickenden Schlaf, trotz Mangel an Bett und anderm europäischen Komfort. Früh am andern Morgen ging es weiter; der Hauptstrom war in Folge starker Regengüsse so augeschwvllen. daß ein Befahren nicht möglich ivar, loir wählten daher einen Nebenfluß. Die Banibnsen bildeten von beiden Seiten oft dichte Laubgänge, so daß mehrfach der Weg für die Prau mit dem Waldmesser geschlagen werden mußte. Ru mehreren Alfurnennieder- lassungen vorbei kanien wir an> Nachmittag an das Endziel unserer Bootfahrt, einen großen Alfurenkampong, -der eine Fülle ethnographischer Merkwürdigkeiten bot., Die Leute verfertigen ihre Kleidung, das Lendentuch, ans der Rinde eines Baumes und färben es recht hübsch., Ich konnte mir einiges von dergl. Sachen erwerben. Die Fauna des Flusses wurde stüdirt, Fische und Krebse gefangen und am Abend znrückgerndert. Den dritten Tag verbrächte ich mit Untersuchung des Hauptstromes, den ich mit einem winzigen Kanoe ein Stück weiter auswärts befuhr. Am Abend kehrten wir nach Kau am Bteere zurück.
A!an hatte mich in Ternate vor den Alfuren im Innern von Kau als blutdürstigen Wilden gewarnt; ich fand, aber die Leute recht nett, sie halfen mir beim Sammeln und waren durchaus freundlich. Viel gefährlicher scheinen mir die Halunken von Malayen. die das zweite Element der Bevölkerung von Halmahera ausmacheu. Dringendste Warnungen erhielt ich vom Posthalter, nichts zu genießen,, was von einem „Orang slam" kommt, oder auch nur ihm erreichbar gewesen ist. Die Leute haben eine wahre Leidenschaft für Gifte und wühlen mit Vorliebe Fremde, um deren Wirkung zu probiren.
Von Kau ging es weiter nordwärts nach Tabello., Die Tabelloresen sind die stärksten und kriegerischsten Alfuren. 1876 wurde ihr Nest von der holländischen, Regierung zur Strafe für zahlreicheUnthaten verbranntst sie bauten es aber bald wieder an einer anderen Stelle auf. Die Sitte des Kopfabschneideus ist hier recht geübt, ein ternatanischer Händler verlor erst vor sechs Monaten diesen werthvollen Körperthcil, und cs war daher Vorsicht wohl geboten. Die Lente waren aber ' gegen mich recht gut, sie . sammelten mit unglaublichem Eifer, be-^ gleiteten mich bei meinen Ausflügen in den Wald, und ich hatte keinen Grund mich über _ etwas zu :beklagen., Das geladene Gewehr ließ ich freilich nicht aus der Hand.-
Am 27. März trafen wir endlich in Galela ein, und