Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft.
Frankfurt a. M., den 10. März 1894.
Der Vorsitzende. Herr Oberlehrer Blum, verliest
SteW H-r-a P-°i-Is°- D-.W.KÜI-nth°I us Ternate (Molukken) vom 9. Januar d. I. und einen Nries des korrespondirenden Mitgliedes, Herrn D r. Jean Nalentin aus La Plata (Argentinien), der im vorigen Herbste einem Rufe als Geologe an das dortige Museum
^ Hm Professor Kükenthal schreibt, daß er am 26. Dezember glücklich in Ternate eingetroffen sei und sich bei einem alten deutschen Missionar, Herrn Beyer, in Kost und Logis aeaeben habe. Er fährt dann fort: „Als Arbeitsraum miethete ich einen hart am Meere gelegenen,' neuerbauten Schuppen mit festen Mauern und Wellblechdach und habe in ihm mein Hab und Gut untergebracht. Drei große Arbeitstische, aus Brettern gezimmert, dienen zur Aufnahme meiner Gläser u. s. w. Schon am dritten Tage war ich dank der Hilfe mehrerer hiesiger Herren vollkommen eingerichtet. Zunächst habe ich mit Meercsuntersuchungen begonnen und mir zu diesm Zwecke 2 Boote verschafft, mit denen ich jeden Morgen hinaussahre. Schleppnetze brauche ich vorerst fast gar nicht, zwei flinke Jungen tauchen überall hin, wo ich sie haben will und da ich in dem kristallklaren Wasser den Grund selbst in größeren Tiefen noch genau beobachten kann, so erhalte ich außerordentlich viel auf diese einfache Weise. In den mächtigen Korallenstöcken. die ich heraufholen lasse, herrscht ein erstaunlicher Thierreichthum, der sich kaum bewältigen läßt; ich habe in der kurzen Zeit schon 4 Blechkastei, voll kouservirter Scethicre fertig stellen können. Oft gleicht mein Laboratorium einem Kaufladen; jedermann bringt etwas zum Verkaufe: Fische, Insekten, Vögel, Schildkröten, Eidechsen und Frösche. Ich nehme natürlich alles, um die Leute an den Handel zu gewöhnen, bestimme selbst den Preis und habe dadurch eine wesentliche Stütze in meiner Sammelthätigkeit erhalten."
K. rühmt sodann die Liebenswürdigkeit des Residenten und der übrigen Beamten und berichtet über seine ferueren Pläne: Am 21. Januar will er mit einigen Leuten nach Pätani, an die Ostküste von Halmahera, aufbrechen, von dort aus Streifzügc ins Innere dieser Insel machen und nach ihrer Durchforschung sich nach Batjan und vielleicht auch nach der völlig unbekannten Insel Obi begeben. Das Klima von Ternate, schreibt K., sei recht gut, wenn auch / emlich warm. Als niedrigste Temperatur hatte er dort äs zum 9. Januar 24° C., Abends waren es meist noch 30° C.
Der Brief Dr. Valentin's lautet: „Meine Reise von Hamburg hierher ist, abgesehen von der Unannehmlichkeit, die eine achttägige Quarantäne mit sich bringt, glatt und angenehm verlaufen, wie das auf einer Hauptroute des Weltverkehrs, auf der Schiffe fast aller europäischen Länder koükurriren, zu erwarten war. Nach kurzem Aufenhalte in der Bundeshauptstadt siedelten wir, meine Frau und ich, nach der nahen Kapitale der Provinz,, unserm nunmehrigen Wohnsitze über.
Auf einer Karte aus dem Anfang der achtziger Jahre sucht man vergeblich nach La Plata und wundert sich darüber, da in neueren Bücher,i die Einwohnerzahl mit 60—80,000 angegeben wird. Betritt man die Stadt, so weist einen schon der erste Eindruck auf ihre eigen» thümliche Geschichte hin. Die ganze Anlage, das Verkehrsnetz mit den sich rechtwinkelig schneidenden Straßen und den Diagonalen, die zahlreichen freien Plätze, die vielen öffentlichen Gebäude, Alles erscheint wie aus einem Gusse entstanden; doch der nur theilweise Ausbau des Planes, der beginnende Verfall der noch nicht vollendeten Prachtbauten, das „üppige" Grün auf den Straßen, die 0 "s dp" kreien Plätzen wuchernden hohen Disteln laffen vermuthen, daß der ins Auge gefaßten Form der Vorrath des Schmelzflusses nicht entsprach und daß das halb- vollendete Werk seinem Untergänge ausgesetzt ist.
La Plata wurde, nachdem Buenos-Aires 1880 zur Hauptstadt der Republik Argentinien erklärt war, am 19. November 1882 als Hauptstadt der Provinz Buenos- Aires gegründet. Kühner Unternehmungsgeist rief 50 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Buenos-Aires ans einer Stelle, die zuvor ein kleines Eucalyptuswäldchen .nid eine einsame Estancia getragen hatte, in kürzest«
Zeit eine Großstadt mit allen ihren Eigenheiten hervor und sie entwickelte sich sichtlich bis 1889 oder 1890, zu welcher Zeit sie 60,000 Einwohner gehabt haben soll.
Der argentinischen Krisis, die mit der Revolution im Jahre 1890 begann, war La Plata aber nicht gewachsen; rascher noch als das Wachsthum zuvor trat jetzt der Rückgang ein, zumal sich auch die Folgen des unnatürlichen .Gründungswesens fühlbar machten. Erst die Zukunft wird entscheiden, ob eine Erholung von diesem Schlage möglich sein wird und ob in geordneten Verhältnissen die Stadt mit der nahen mächtigen Rivalin Buenos-Aires wird konkurrircn können.
Unter den Schöpfungen, die der Gründung La Platas ihre Entstehung verdanken, ist von hervorragendstem, dauerndem und internationalem Wcrthe das von Drl Francisco Moreuo gegründete und unter seiner Leitung stehende Museum der Provinz. Aus unbedeutenden Anfängen hat Dr. Moreno in, Laufe der letzten zehn Jahre das reiche Material angesammelt, das heute besonders für die Paläontologie unschätzbar genannt werden muß.
Einen großen Theil der weiten Räume des Museums füllen die montirten Skelette der Fossilien der Pampas- formation, Megatherien, Mylodonten und Glyptodonten, neben zahlreichen Einzelheiten, Schädeln, Gliedmaßen u. s. w. aus denselben Klaffen. Es mögen etwa 20 mehr oder weniger ganze Skelette vorhanden sein, wovon jedes einzelne einen, Museum großen Werth gäbe.
In dem mineralogisch-geologischen Saale sind ©efteine- und Mineralien der Argentinischen Republik, nach Provinzen geordnet, ausgestellt neben einer petrographischen und mineralogischen Lehrsammlung. Besonderes Gewicht muß eben noch auf Gegenstände von praktischer Bedeutung gelegt werden, uni das Interesse des Publikums zu erwärmen. Man sindet daher in erster Linie die Erze berücksichtigt. Die Provinz Katamarca ist durch eine Suite hochhaltiger Kupfererze vertreten, desgleichen Rioja, das, die reichste Provinz sein soll; aus der Provinz Mendoza sind zahlreiche Stufen von Bleierz und Zinkblende ausgestellt. aus dem Territorium des Chubut, das eben viel von sich reden macht, Goldquarze u. s. w. Eine sehr wichtige Frage für die Republik ist noch immer das Vorhandensein von bauwürdiger Kohle, daher treffen wir unter den ausgestellten Objekten auch die Proben von den verschiedenen Kohlenvorkommniffen. Die Steinkohlenformation ist nachgewieseu bei Retamito in der Provinz San Juan, aber aus bauwürdige Flötze ist man bis jetzt nicht gestoßen. Etwas günstiger liegen die Aussichten für- Mehrere Vorkommen, die der am ganzen Rand der Cor- dilleren mächtig entwickelten Rhätformation zugetheilt werden und zu der die reichen Pflauzensuude von Cachenta (Provinz Mendoza) gehören.
Noch unbekannt ist das Alter eines in mehr als einer Beziehung nierkwürdigen Kohlenvorkommens von San Rafael, südlich von Mendoza. Die Kohle, die ein gutes Feuerungsmaterial liefert, aber wegen kostspieligen Transports noch nicht in großem Maßstabe gewonnen wird, enthält in ihrer Asche einen hohen Vanadingehalt. Eine Probe, die in der Münze von Buenos Aires analhsirt wurde, enthielt 38,22 Prozent Vanadinsäureanhydrit. Die Erklärung für dieses seltsame Vorkommen fehlt noch. Bodenbender in Cordoba glaubt nicht, «s mit einem Kohlenstoß, sondern mit einem Bitumengang zu thun zu haben; diese Auffassung würde das Vorkommen des Vanadins erklärlicher machen, da es aus Gängen auch an andern Punkten bekannt ist.
Prächtige Schaustücke des Mineralogischen Saales sind zwei große Blöcke eines lichtgrünen, zum Theil durch Eisenoxyd tiefroth geaderten Marmors, der neuerdings in Folge der geologischen Untersuchungen von Seiten des Museums in der Provinz San Luis gewonnen wird. Da meines Wissens ein derartiges Gestein sich nirgends sonst im großen sindet, so wird der Marmor von San Luis wohl bald auf dem europäischen Markte erscheinen. Freilich ist er in Folge des Eisengehaltes nur für Interieurs zu verwenden, doch ist er ebenda äußerst wirkungsvoll.
Nur flüchtig will ich noch die übrigen Sammlungen des Museums erwähnen. Die zoologische Sammlung be-