Einen zweiten Dortrag hielt Herr Dr. Jännicke über dte Stickstoffernährung der Pflanzen, und berichtete dabei über die neuesten Untersuchungen, welche von Frank in Berlin über diese für die Landwirthschaft besonders wichtige Frage angestellt wurden. Als mögliche Stickstoff- quellen stehen der Pflanze zur Verfügung: 1) die Salze des Bodens, 2) der im Humus in organischer Form entstandene Stickstoff, 3) der Stickstoff der Luft. Das in der Luft enthaltene Ammoniak kann seiner kleiner Menge wegen unberücksichtigt bleiben. Die Pflanzenphysiologie war bisher, gestützt auf die Versuche Boussingaults, der Meinung, daß für die sogen, afsimilirenden Pflanzen die Bodensalze, für die nichtassimilirenden (z. B. Pilze, Saprophyten) der Humus als stickstoffhaltige Nahrung anzujehen sei, daß da- j gegen der Stickstoff der Luft unter keinen Umständen von der Pflanze ausgenommen werden könne. Die neueren Untersuchungen haben diese Ansicht in mehreren Punkten geändert. Im Boden stehen der Pflanze Ammoniaksalze und als wesentliche Stickstoffverbindung, salpetersaure 1 Salze (Nitrate) zur Verfügung. Ammoniaksalze werden allgemein von den Pflanzen ausgenommen, Nitrate dagegen nur von denjenigen, welche nicht befähigt sind, Stickstoff in organischer Form aufzunehmen. Die Ammoniaksalze werden von der Pflanze unmittelbar in organische Substanz umgewandelt und nicht erst zu Nitraten oxydirt wie man früher annahm. Die Nitrate werden entweder sofort in der Wurzel assimilirt oder in allen Theilen, mit Ausnahme der Blattflächen, aufgespeichert, um erst bei der Samenreife verwendet zu werden. Nach den Untersuchungen Franks scheinen nun neben Saprophyten und Pilzen auch gewiffe assimilircnde Pflanzen befähigt zu sein, Stickstoff in organischer Form aufzunehmen, und zwar meist durch Vermittlung von Pilzen. Bei den Waldbäumen sind die Wurzelverzweigungen völlig mit einem Mantel von Pilzfäden bedeckt. Diese Erscheinung ist eine völlig normale, überall in gleicher Weise auftretende und nur vom Humusgehalt des Bodens abhängige. Daß kein Parasitismus des Pilzes vorliegt, geht daraus hervor, daß der Baum, der in diesem Fall die Bildung von Wurzelhaaren unterläßt, selbst nicht im Stande ist, Nahrung aufzunehmen. Der Pilz scheint also da er die ganze aufsaugungsfähige Region der Wurzel umgibt, die Nahrungsaufnahme zu vermitteln. Nach dem.
1 was man über die Ernährung der Pilze weiß, ist anzu- nehmen, daß die Bäume in dieser Weise als wesentlichste Stickstoffnahrung organische Substanz aufnehmcn. Es wird * dies dadurch bekräftigt, daß die auf organische Nahrung an»
X gewiesenen Saprophyten die gleiche Verpilzung der Wurzeln zeigen. Bei den Erikazeeu sind die Ober Hauszelten