In der Auskunftshalle betritt der Besucher wieder Frankfurter Boden. An der langen Rückwand reihen sich Gemälde von Christian Gg. Schütz (1758 — 1823), von F. CH. Reinermann (1764—1835), Franz Hochecker (1730—1782), Karl Morgenstern (1811 —1893), Kaspar Schneider (um 1800), Ursula Reinheimer (1777-1845), Anton Radl (1774-1852), Fritz Böhle (1873-1915) — sämtlich Meisterwerke, die die einzigartige Lage Frankfurts im Kranze von Taunus, Spessart und Odenwald inmitten der wein- und früchtereichen Mainebene schildern. Unvergeßlich unter ihnen das Mainuferbild Frankfurts vom Jahre 1850 von Karl Morgenstern aus dem Besitz des Freiherrn von Bethmann. Wohlvorbereitet betritt der Gast die Ausstellung in den Nachbarsälen. Ohne sich sklavisch im einzelnen an die Einteilung zu halten, gliedert sie sich im großen in sechs Abteilungen:
1. als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation,
2. als Stadt des Reichspostmeisters, des Fürsten von Thurn und Taxis,
3. als Stadt der Messen und Kaiserkrönungen,
4. als Stadt Goethes, Schopenhauers und Stoltzes,
5. als Stadt des Deutschen Handwerks,
6. als Stadt im Dienst des Führers.
Bei der Beschränkung des Raumes und der Weite des Themas mußte sich die Einzelgestaltung der Schau, für die auch 26 Vitrinen gebraucht wurden, auf Andeutungen beschränken, wobei die künstlerische Höhe der einzelnen Gegenstände ihre nicht allzu große Zahl vergessen läßt, wenn — um Beispiele anzuführeu, — für die Bedeutung Frankfurts als erster Stadt des frühen Reiches das Monumentalgemälde Alfred Rethels eintritt: Kaiser Otto I., der Gründer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, verzeiht am Weihnachtsabend 942 vor dem Dom zu Frankfurt seinem abtrünnigen Bruder Heinrich, oder wenn für die Leistung der Frankfurter Porzellanfabrik eine Fayence-Platte mit Jagddekor — neben anderen Stücken der gleichen Manufaktur — eintritt, die das Schloßmuseum in Berlin jüngst für 8000 RM erwarb und der Ausstellung
verlieh. Jedes Stück hier schlägt gleichsam eine wichtige Seite Frankfurter Geschichte auf: hier
das Postschild der Thurn- und Taxis'schen Oberpostdirektiou von der Zeit aus dem Reichspostmuseum, dort Kaiserkrone, Zepter und Reichsapfel in der getreuen Nachbildung aus dem Frankfurter Stadtgeschichtlichen Museum, hier Höchster Porzellane aus dem Bolongaro-Palais in Höchst, dort silberne Willkommen und Laden der Frankfurter Zünfte, hier das Monumentalbildnis
Simon Moritz v. Bethmanns, des Freundes Goethes, dort das Portrait des Dichters selbst von Kügelgen oder die dämonische Skizze Schopenhauers von Lunteschütz, dort das Monumentalgemälde der Huldigung der Zünfte vor dem Kaiser aus dem Römerberg, davor das Modell der Römerbergfestspiele, dort das umkränzte Bild des Führers, die Reichsautobahn eröffnend, neben dem Meisterplau aus der Vogelschau 1935, auf dem Philipp Diehl in langjähriger Arbeit
sämtliche 40 000 Häuser der alten und jungen Stadt nebst allen Dörfern und Städtchen bis zum Feldberg hinauf einzeichnete, gegenüber Anton Burgers Meisterbild von der Schirn am Alten Markt, hier die Kaiserkrönung Josephs ll dort der Einzug der Abgeordneten in die Paulskirche — — — und so fort von Wand zu Wand, von Vitrine zu Vitrine mit Münzen und Meisterdrucken, mit Urkunden Siegeln, mit Stichen von Ratsherreu und Originalzeichnungen der Kaisecbilder für den Kaisersaal, mit Bildern aus Alt- und Neu-Frankfurt, mit Erstdrucken des Goetz, des Werthers des Faust, von der Burg Karls des Großen bis zum künftigen Weltzeppelinhafen mit Fritzi Stoltzes Großvater in „Frankfurts Macht und Größe" zu sprechen: Da js nix, gar nix, was net ganz frankfordisch wär.
Am 29. Oktober wurde diese wertvolle Ausstellung von Oberbürgermeister Staatsrat l)r. Krebs in die Obhut des Verkehrsverbandes übergeben. Reichshandwerksmeister Schmidt feierte Frankfurt als Stadt des Deutschen Handwerks in Vergangenheit und Gegenwart und Staatsniiuister Esser, als Präsident des Reichsfremdenverkehrsverbandes, zog in seiner Eröffnungsansprache nochmals die großen geschichtlichen Linien dieses stets führenden, echt-deutschen Gemeinwesens nach. Zur Eröffnung war die Berliner Presse mit über 100 Vertretern erschienen, die in ihren zahlreichen Besprechungen auch mancherlei Schmeichelhaftes über die gastfreundliche Stadt zu sagen wußten. Schon am nächsten Morgen füllten sich die Säle mit Besuchern. Unter vielen Dialekten konnte man die Frankfurter Mundart deutlich heraushören.
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