denen Saale des Bibliotheksneubaus am Eschenheimer Tor stattfanden, konnten die Wände dieses Saales mit den Gemälden Frankfurter Ärzte aus dem reichen Bestände der Stiftungssammlung geschmückt werden. Ebenso fand sich 1908 in dem neuen Saale und dem Treppenhause des Bibliotheks­gebäudes an der Viktoriaallee Platz für die Ärztebilder der Sammlung, die noch bis in die neueste Zeit mit Bildern angesehener Ärzte bedacht wurde und jetzt rund 150 Gemälde umfaßt.

Für die Sammlung der Stiche ist der Rahmen weiter gezogen. Hier finden sich die Bilder bekannter Ärzte und Naturforscher auch des übrigen Deutsch­lands und des Auslandes. Besonders stark vertreten sind die Stiche aus dem 18. Jahrhundert, wohl, weil in dieser Zeit die Sitte am meisten gepflegt wurde, das Porträt, oft mit recht schwülstiger Beschriftung, in Kupfer stechen zu lassen.

Die Art ihrer Entstehung und Entwicklung gibt der Senckenbergischen Sammlung besondere kulturgeschichtliche Bedeutung. Es dürfte in Deutsch­land kaum eine zweite derartige Sammlung von Bildern geben, die vom rein berufsständischen Gesichtspunkte durch zwei Jahrhunderte zusammen­getragen worden ist. Ihre Reichhaltigkeit gibt unserer Sammlung einen ein­zigartigen Wert für die Geschichte der Ärzteschaft unserer Vaterstadt und zugleich für die Geschichte der Kunst in Frankfurt. Allerdings kann diese Schau, vom streng künstlerischen Standpunkt gesehen, nicht den Anspruch erheben, daß sie eine Reihe nur berühmter Meisterwerke bringt. Die Be­schränkung auf das Örtliche und auf das Bild der Vertreter eines einzelnen Berufes unterscheidet unsere Sammlung deutlich von anderen Liebhaber­sammlungen, für die nur das Künstlerische bestimmend ist. So enthält unsere Schau nur wenige Werke weitbekannter Meister. Dafür zeigt sie aber Bilder von der Hand der jeweils beliebten Frankfurter Maler und bietet da­durch einen breiteren Einblick in das Schaffen unserer heimischen Künstler und in den Geschmack der verschiedenen Zeitabschnitte.

Adolf Hitler hat in seiner Rede bei der Kulturtagung in Nürnberg gesagt: Der schöpferische Künstler erzieht und veredelt durch sein Werk das Auf­nahmevermögen genau so, wie umgekehrt das dadurch entwickelte und er­haltene Kunstgefühl den fruchtbaren Boden und damit die Voraussetzung gibt für die Geburt, dasWachsen und Erfassen neuer schöpferischer Kräfte. Die befruchtende Wirkung der Kunst ist nicht zeitgebunden. Auch aus den Werken der alten Künstler kann unsere Zeit neues Kunstempfinden und Kunstverstehen schöpfen. Dazu soll unsere Schau mitwirken, sie soll aber auch aus ihrem geschichtlichen Gehalte verständnisvolle Teilnahme an der Geschichte der Frankfurter Ärzteschaft erwecken und der Quell zum Er­stehen neuer Kraft für kommende Geschlechter deutscher Ärzte werden, zum Wohle unseres Volkes und zur Ehre unserer Vaterstadt.

4