Die botanischen Vorlesungen fanden im Sommer 1914 noch in dem Museum der Senckenbergischen Naturforschendcn Gesellschaft statt, aber nur bis zum Beginn der Sommerferien, da sie wegen des Krieges im August nicht wieder ausgenommen wurden. Von dem Kolleg über „Ernährungsphysiologie der Pflanzen" (Dienstags und Freitags von 6—7 Uhr) wurden 18 Vorlesungen und von dem „Mikroskopischen Praktitum für Anfänger" (Donnerstags 3—6 Uhr) wurden die ersten 9 Kurse abgehalten. Im Juli 1914 wurde mit der Einrichtung des Instituts in dem I. und I I. Stock des Bibliotheksgebäudes, Viktoria-Allee 9, begonnen und am 1. Oktober 1914 wurde das neue Institut in Betrieb genommen. Seit dem 1. Juli 1914 war als Assistent Herr Or. Burk von der Universität angestellt. Für den seit August 1914 zum Heeresdienste eingezogenen Präparator Schell wurde ein Hilfsarbeiter eingestellt.
Im Winter 1914/15 wurden im Aufträge der Stiftung 35 Vorlesungen über „Kryptogamen <1. Teil: Algen und Pilze)", Dienstags und Freitags von 6—7 Uhr abgehalten; diese Vorlesung galt zugleich als Publikum für die Besucher der Universität.
Mit der Palmengarten-Gesellschaft wurden am 30. Juni 1914 die schon seit einer Reihe von Jahren schwebenden Verhand- Botamrcher lungen über Einziehung des alten Ginnheimer Weges und ein damit in Verbindung stehender Gelände-Austausch durch einen Vertrag ar cn ' zum Abschluß gebracht. Zum Austausch kamen 120 qm Palmengartengeländes, das in dem alten Ginnheimer Wege lag, gegen eine gleich große Fläche an der Südspitze des botanischen Gartens, die an den Palmengarten abgetreten wurde. Der alte Ginnheimer Weg wurde im Juni 1914 geschlossen und in den botanischen Garten einbezogen.
Auf dem südlichen Teile des Gartens wurde im August 1914 mit dem Bau der schon im vorjährigen Jahresbericht erwähnten neuen Gewächshäuser begonnen, die im Winter, wenn auch noch in unfertigem Zustand, benutzt werden konnten. Durch die Einziehung des alten Ginnheimer Weges und durch den Neubau der Gewächshäuser wurde der südliche Teil des Gartens, der bis dahin unbenutzt liegen geblieben war, mit in die Gartenanlagen einbezogen.
In entgegenkommendster Weise hat der Verwaltungsrat der Palmengarten-Gesellschaft den immatrikulierten Studentendes botanischen Instituts Semesterkarten zu M. 5.— zum jederzeitigen Besuche des Palmengartens bewilligt. Dem Direktor des Instituts, dem 1. Assistenten und dem Obergärtner ist freier Eintritt gestattet worden.
Bei Ausbruch des Krieges stellte das Bürgerhospital dem Verein vom Roten Kreuz 125 Betten für verwundete und kranke Bara-rho.p'tal. Soldaten zur Verfügung. Die ersten Verwundeten trafen mit 80 Mann am 28. August abends ein. Die Militärabteilung wurde dem Reservelazarett IV (Äffensteiner Felsenkeller) als Veremslazarett 42 angegliedert. Als Militärarzt wurde dem Bürgerhospital bis zum 20. März 1915 Herr Or. meck. Hauschil d zugeteilt: später nocymals für kurze Zen tzerr L>r. mea. Aosenhaupt.
Von den im Bürgerhospitale bereit gestellten 125 Militärbetten übernahmen die Gesamtkosten für 25 Betten die Frankfurter Freimaurerlogen bis zum 31. Mai 1915. Ihnen sei hierdurch nochmals der herzlichste Dank der Administration abgestattet.
Im Berichtsjahre wurden im Bürgerhospitale 1494 Kranke mit 47630 Verpflegungstagen (— unter Einschluß von 572 Soldaten mit 23047 Verpflegungstagen —) behandelt. Im Vorjahre wurden behandelt 1266 Kranke mit 34834 Verpflegungstagen. In der Ambilanz wurden 114 Personen behandelt.
Die täglichen Durchschnittskosten für Verpflegung und Behandlung berechnen sich auf M. 4.75 — gegen M. 5.47 — im Vorjahre.
Der Chefarzt der inneren Abteilung, Herr ür. B. Scholz, wurde am 2. Mobilmachungstage zur mobilen Armee einberufen.
Als sein Vertreter stellte sich das Mitglied der Administration, Herr Sanitätsrat Or. Franz Äaerwind, ehrenamtlich zur Verfügung, der die Abteilung leider infolge einer ernsteren Erkrankung am 17. Februar 1915 an Herrn Sanitätsrat Or. Seuffert aus Frankfurt übergeben mußte.
Der Assistenzarzt der chirurgischen Abteilung, Herr Or. Adolf Hinkel, verließ am 2. Mai 1914 seine Stelle zur Übernahme einer eigenen ärztlichen Praris.
Die weiteren ärztlichen Hilfskräfte waren: Herr Assistenzarzt Or. Gaß, vr. Kerl, vr. Lorenz, Or. Arnold, Or. Naumann, Medizinalpraktitant Or. L. Nebel und der canck. mecl. Hoffmann; alle nur auf kurze Zeit.
Wegen des eingetretenen Arztemangels war das Bürgerhojpital zeitweise ohne Assistenzarzt.
Der Bezirksausschuß zu Wiesbaden genehmigte unter dem 4. August 1914 erneut den Betrieb des Bürgerhospitals als Krankenhaus auf den Namen des derzeitigen Vorsitzenden, Sanitätsrat Or. Grng Aoediger zu Frankfurt a. M. Die Bettenzahl für den normalen Betrieb des Bürgerhospitals wurde auf 130 festgesetzt. Diese verteilen srcy auf die I. Klasse 10, auf die I I. Klasse 12, auf die I I I. Klasse 108.
Staatliche Prüfungen der in der Krankenpflegeschule des Bürgerhospitals ausgebildeten Schwestern des Evangelischen Diakonie- Vereins Zehlendorf fanden statt am 28. August 1914 und am 9. und 10. April j91o. Geprüft wurden 14 Schwestern, von denen fünf die Note I, und neun die Note I I erhielten.
Von den Insassen der mit dem Bürgerhospital vereinigten Pfründnersliftungen sind durch Tod ausgeschieden die Pfründner Ludwig Schellhaas am 12. Oktober und Matthäus Daum am 14. Oktober 1914. Neu ausgenommen wurden als Pfründner der Bronner-Gräffendeich pp Stiftung der ehemalige Küfer Philipp Hoffmeister und der Schreinermeister Rudolf Stoll.
Die Weihnachtsfeier 1914 fand am 23. Dezember in der üblichen feierlichen Weise im Betsaale des Bürgerhofpitales statt. Cie echielt in diesem Jahre durch die Teilnahme von 107, im Bürgerhospitale in Behandlung befindlichen verwundeten und kranken Kriegern eme besonders ernste und feierliche Note. Im Anschluß an den vom Stiftsprediger, Herrn Professor Gotthold, gehaltenen Gottesdienste, der durch Darbietungen ihrer Kunst verschönt wurde durch Mitwirkung des Herrn Musikdirektor Parlow — Orgel—, von Frl.
Marie Burnitz — Violin-Soli —, Frl. Leni Reichard — Gesang —, und Frl. Else Ran — Rezitation —, sprach der stellvertretende Vorsitzende, Herr Albert v. Aietz ler, den anwesenden Kriegern Dank dafür aus, daß sie zu unserem Schutze und zur Verteidigung des Vaterlandes ihr Leben eingesetzt und zum Teil schon schwere Opfer gebracht hätten. Zum Zeichen unserer Dankbarkeit bat er sie, an den Gabentisch zu treten und das, was liebende und dantbare Hände ihnen bereitet, in Empfang zu nehmen. Die freudig ergriffenen Gesichter der Verwundeten ließen erkennen, daß ihnen die im Bürgerhospitale verlebten Weihnachten 1914 unvergeßlich blelven werden. Für die Bettlägerigen und Schwertranken fand vorher eine Feier in den einzelnen Sälen statt.
Allen Spendern der reichen Gaben, wie auch allen zu der Verschönerung der Feier bcigetragenen Künstlern und Mitwirkenden sei an dieser Stelle nochmals im Namen der Verwundeten, der Kranken und der Pfründner herzlichst gedankt.
Die Stelle des wissenschaftlichen Hilfsarbeiters, die bis 31. Mai 1914 vertretungsweise von Herrn Or. Joseph Deutsch besetzt Senckenbergtsche war, wurde am 8. Juni Herrn Or. Wilhelm Weinreich übertragen. ' ««wiotijct.
Am 2. August wurde der Bibliothekar, Herr Or. Walthe r Rauschenberger und der Sekretär, Herr Theodor Häßler zu den Fahnen einberufen; in Herrn Häßler, der am 15. Januar 1915 in Belgien auf dem Felde der Ehre fiel, verlor die Bibliothek einen ausgezeichneten Beamten, dem ein treues Andenken bewahrt werden wiro.
Die Bibliothek war an 295 Tagen geöffnet. Die Zahl der Besucher des Lesesaales betrug 4417 <1913/14: 5374), die der physischen Entleiher 555 (600). Im Lesesaal wurden benutzt 5425 (7870) Bände, verliehen wurden 6729 (8476), zusammen 12145 (16346).
Die Zahl der bibliographischen Bände der Bibliothek (einschl. kleiner Schriften) betrug am 1. Avril 1915: 103083 (1. April 1914: