Einundachtzigste Nachricht
von dem Fortgang und Anwachs
der
Dr. Senckenbergifchen Stiftung
zum Besten der Arzneikunde und Krankenpflege
vom 1. April 1614 bis 31. März 1915.
Der am 1. August 1914 über unser Vaterland hereingebrochene Krieg verursachte durch die allgemeinen Einberufungen zum Heere und den plötzlichen wirtschaftlichen Stillstand auch in unserer Stiftung vielerlei Störungen und Hemmungen, besonders im Ausbau unserer Universitäts-Institute.
Bei Ausbruch der Mobilmachung folgten dem Rufe zur Fahne die Mitglieder dir Administration: Herr Sanitätsrat Dr. Ernst Roediger, Vorsitzender, Herr Professor Dr. med. August Knoblauch, Herr Ma r v. Gruneliu s und Herr Professor Dr. med. Heinrich v. Mettenheimer.
Von den Institutsvorständen traten in das Heer ein: Herr Dr. med. Bernhard Scholz, Chefarzt der inneren Station des Bürgerhospitals, Herr Professor Dr. med. Eöppert, Direktor des anatomischen Instituts und Herr Dr. Walther Rauschenberger, Bibliothekar der Senckenbergifchen Bibliothek. Weiter wurden einberufen die Assistenzärzte am Bürgerhospitale, die Herren Dr. Gatz, Kerl und Arnold, der Sekretär an der Senckenbergischen Bibliothek, Herr Theodor Hatzler, sowie eine große Zahl der übrigen Stiftungs-Angestellten.
Von den Angestellten der Stiftung starben bis zum Schlüsse des Berichtsjchres den Heldentod für das Vaterland der Bibliotheks-Sekretär Herr Theodor Hatzler, am 15. Januar 1915 bei Ppern, der Gärtner des Bürgerhospitals Friedrich Schaeberle, am 20. März 1915 bei Augustowo, der Gartengehülfe am Botanischen Garten Herr Friedrich Stettner, wird seit Le Quesnoy vermitzt.
Ein ehrendes Andenken bleibt ihnen gesichert.
Den zum Kriegsdienste eingezogenen verheirateten Angestellten der Dr. Senckenbergischen Stiftung soll nach einem Besslusse der Administration das volle Gehalt während des Krieges weiter gezahlt werden.
Die Prüfung der Jahresrechnung 1913/14 wurde vorgenommen am 18. August 1914 von den seitens der Grotzherzoglichen Ludwigs-Universität zu Eietzen abgeordneten Herren, Professor Dr. Mittermaier als Dekan der juristischen Fakultät und Professor Dr. Voit als Dekan der medizinischen Fakultät. Von den städtischen Behörden waren als Revisoren erschienen: Herr Oberbürgermeister Georg Voigt, Herr Stadtrat Dr. jur. Karl Flesch und Herr Geh. Justizrat Dr. jur. Fritz Friedleben, letzterer als Vorsitzender der Stadtverordneten-Versammlung.
Mit Rücksicht auf die voraussichtlich längere Abwesenheit des Vorsitzenden der Administration, des Herrn Sanitätsrats Dr. Ernst Roediger, der für die Kriegsdauer einem Marinelazarett in Hamburg vorsteht, wurde Herr Sanitätsrat Dr. Franz Baerwind für die Zeit der Abwesenheit des Vorsitzenden zum stellvertretenden l l. Vorsitzenden gewählt. Den Vorsitz führt während dieser Zeit der ll. Vorsitzende, Herr Albert v. Metzler.
Das auf dem alten Stiftungsgelände errichtete Grabmal des Stifters mutzte, nachdem das Gelände seitens der Stadt für eine andere Verwendung bestimmt war, dort entfernt werden. Es soll beim Vürgerhospital, wo auch die Gebeine Johann Christian Sencken- berg's ruhen, wieder zur Aufstellung kommen.
Um der Nachwelt eine Darstellung des alten Stiftungsgeländes zu erhalten, liefe Herr Albert v. Metzler im Frühjahr 1914 vor Abbruch der Gebäude ein Modell hiervon anfertigen und hat es dem städtischen historischen Museum überwiesen.
Am 31. Mai 1914 verstarb der frühere Konsulent der Stiftung, Herr Justizrat Dr. jur. Fritz Schmidt-Poler im Alter von 80 Jahren. Der Verstorbene war »ährend'eine» Zeitraumes von 22 Jahren,-von 1883 bis 1895 der Rechtsbeistand der Dr. Senckenbergischen Stiftung. Sein warmes Interesse an dem Wohlergehen der Stillung und sein sachverständiger Rat in so manchen schwierigen Fragen sichern ihm ein ehrendes Andenken bei der Stiftungs-Administration.
Die Errichtung der Universität wurde durch Allerhöchsten Erlas; vom 10. Juni 1914 genehmigt.
UnkoersitütS'
Ange»egenheiten-