Fertiggestellt ist auch das neue Anatomiegebäude, welches im Anschluß an das städtische Leichenhaus auf dem der Stiftung für ewige Zeit überlassenen Erbbaugrundstück an der Gartenstraße errichtet wurde. Das pathologisch-anatomische Institut konnte am 3. Oktober 1907 seine Arbeiten in dem Neubau beginnen, dessen Obergeschoß Herrn Professor Dr. Edinger zum Betrieb seines neurologischen Instituts überlassen ist.
Die Anlage des botanischen Gartens auf dem Stiftungsgrundstück an der Miquelstraße ist nach einem Plan des Herrn Obergärtner Günther ausgeführt und soweit vollendet, daß im verflossenen Frühjahr die Verpflanzung der Bäume, Sträucher und Stauden aus dem alten Garten erfolgen konnte. Der im vorigen Jahre verpflanzte alte Eibenbaum zeigt durch reichliche kräftige Triebe, daß er die Verpflanzung gut überstanden hat.
Die beabsichtigte Erbauung eines Gewächshauses mit Gärtnerwohnung begegnet unerwarteten Schwierigkeiten, sodaß zu unserem Bedauern mit diesen dringend nötigen Bauten noch nicht begonnen werden konnte.
Die Vorlesungen des botanischen Instituts finden im kleinen Hörsaal des Museums der Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft Viktoria-Allee Nr. 7 statt.
Die Rechnungs-Revision für das Geschäftsjahr 1906/07 wurde am 18. August 1907 durch Herrn Stadtrat l)r. Flesch in Gemeinschaft mit den von der Großherzoglich Hessischen Landesuniversität zu Gießen hierzu abgeordneten Herrn Professor Dr. van Calker, Dekan der juristischen Fakultät und Professor Dr. Frank, Dekan der medizinischen Fakultät vorgenommen.
Zum Vorsitzenden der Administration wurde in der Sitzung vom 30. Dezember 1907 Herr Sanitätsrat Dr. Roediger gewählt. Herr Stadtrat von Metzler, den die übrigen Administratoren unter Verzicht der ärztlichen Mitglieder auf ihr satzungsmäßiges Vorrecht um Übernahme dieses Amtes gebeten hatten, erklärte diesem Wunsche nicht entsprechen zu können, da er im Interesse einer sachkundigen Leitung der Geschäfte die Wahl eines ärztlichen Mitgliedes für wünschenswert halte.
Die am 14. Januar 1908 durch gemeinschaftliche Beschlußfassung der Administration und der Herren Coexekutoren erfolgte Wahl eines ärztlichen Mitgliedes der Administration fiel auf Herrn Dr. mell. Heinrich von Mettenheimer, der das Amt angenommen hat.
Zum Waisen- und Armenamt wurde für das Jahr 1908 Herr Sanitätsrat Dr. Baerwind und als sein Stellvertreter Herr Dr. med. Heinrich von Mettenheimer abgeordnet.
Von den im vorigen Jahre im Bürgerhospital angestellt gewesenen Assistenzärzten schied Herr Dr. med. Schaum am 30. September 1907 aus. An seiner Stelle wurde Herr Dr. med. Wagner am 1. Oktober 1907 als Assistenzarzt der chirurgischen Station angestellt.
Auf der inneren Abteilung des Bürgerhospitals arbeiteten in den Herbstserien die Herren cand. med. Kraus und Herxheimer, in den Osterferien Herr cand. med. Eicke. Herr Dr. G. Simon war 4 Monate als Medizinalpraktikant tätig.
Wie in den Vorjahren hielt Herr Dr. Streng im Winterhalbjahr 1907 08 einen Fortbildungskursus für Ärzte ab.
Laut Erlaß des Kultusministers ist beim Bürgerhospital die Einrichtung einer Krankenpflege-Prüfungsstation genehmigt. Vorsitzender der Kommission ist der Geheime Medizinalrat Dr. Pfeiffer zu Wiesbaden, Mitglieder der Prüfungskommission die Chefärzte Dr. Ebenau und Dr. Streng.
Im Bürgerhospital wurden ini Berichtsjahre (l. Juli 1907 bis 30. Juni 1908) 793 Patienten, einschließlich 33 vom Vorjahre im Bestände verbliebener, mit 23659 Verpflegungstagen behandelt. Im Jahre 1906/07 wurden 961 Patienten mit 29517 Tagen verpflegt. Ambulatorisch wurden 193 Personen behandelt.
Von den Insassen der mit dem Bürgerhospital vereinigten Pfründner-Stiftungen sind im verflossenen Jahre die Pfründner Johann Heinrich Gärtner und Ludwig Bruck der Gräffendeich-Stiftung und der Pfründner Ludwig Stumpf der Brönner-Stistung verstorben.
Ausgenommen als Pfründner wurden: Kollektant Ludwig Sann, Karl Ruoff, ehemaliger Hilfsarbeiter beim Rechneiamt, Maler Adolf Buch old, Portefeuiller Johann G. Kapp in die Gräffendeich'sche und Gärtner Hermann Fech und Schmiedemeister Jakob Krauth in die Brönner'sche Pfründner-Stiftung.
Die erste Weihnachtsfeier im neuen Hause wurde in der althergebrachten erhebenden Weise unter Verwendung der hierzu überwiesenen Spenden für die Kranken und Pfründner begangen. Allen Spendern, wie auch denen, die diese Feier durch Musik- und Gesangsvorträge verschönern halfen, sei an dieser Stelle im Namen der Patienten und Pfründner innigst gedankt.
Die Senckenbergische Bibliothek war vom 12. August 1907 bis zum 31. März 1908 an 193 Tagen für die Allgemeinheit geöffnet. Die Zahl der Entleiher betrug 1044, die der Lesesaalbesucher 2755. Verliehen wurden 2898 Bände, in den Leseräumen benutzt 3538. Die Gesamtzahl der Benutzer belief sich mithin auf 3799, die der benutzten Bände auf 6436.
Nach dem Stand vom 13. Juni 1908 betrug die Gesamtzahl der Buchbinderbände 68505, die der bibliographischen Bände einschließlich der Dissertationen und kleinen Schriften 81080.
Im pathologisch-anatomischen Institut wurden vom 1. Juli 1907 bis 30. Juni 1908 für hiesige Hospitäler und Ärzte 1136 Sektionen (gegen 1111 im Vorjahre) und 1412 mikroskopische Untersuchungen (gegen 1602 im Vorjahre) ausgeführt.
Als erster Assistent fungierte bis zum 30. September 1907 Herr Oberarzt Dr. Hans Boit; nach dessen Austritt wurde die Stelle bis zum Schluffe des Rechnungsjahres Herrn Dr. Erwin Jacobsthal übertragen, der bis dahin das Amt des zweiten Assistenten versehen hatte. Als zweiter Assistent war vom 1. Oktober bis 30. Juni Herr Dr. Edgar Goldschmidt tätig. Die Stelle des dritten Assistenten wurde vom