Im neurologischen InstitnUarbeiteten unter Herrn Professor Dr. L. Edinger die Assistenten Herr Dr. Schilling aus Wiesbaden unv^Dr. Kappers ans Amsterdam; ferner waren als Präparatoren tätig Herr Dr. mect. Biart aus Nord-Amerika und Fräulein Paula Meyer von hier. Praktikanten arbeiteten Deutsche 4, Italiener 2, Holländer 1, Amerikaner 1.
llm sich der Botanik voll und ganz widmen zu können, wurde der im Nebenamte als Bibliothekar mit angestellte Herr Professor Dr. Möbius mit dem 1. April 1907 von der letzteren Tätigkeit entbunden und lediglich als Direktor des botanischen Gartens bestätigt. Vorlesungen über Botanik hielt derselbe im Winterhalbjahr 1906,07 über „K-Yptogamen", „Algen und Pilze", im Sommerhalbjahr 1907 über „Physiologie und Biologie der Pstanzen", (Wachstum und Bewegung).
Wohl das älteste Naturdenkmal unserer Vaterstadt, die im alten botanischen Garten an der Stiftstraße stehende Eibe ltaxu8 baccata) wurde, um sie vor der drohenden Vernichtung zu bewahren, im Frühjahr 1907 nach dem neuen botanischen Garteir an der Miquel-Straße verpflanzt. Das schwierige Unternehmen wurde durch die Firma Ph. Hvlzmann & Cie. in Frankfurt a. M. unter Leitung des Herrn Professors Möbius und des Obergärtners des botanischen Gartens, Herrn Rudolf Günther glücklich durchgeführt, was der deutschen Technik alle Ehre macht. Nachdem Fachleute unter anderem auch eine englische Spezialfirma (Wm. Barren & Son - Derby) sich für ein glückliches Gelingen der Verpflanzung ausgesprochen hatten, wurde mit den Hebungsarbeiten, des ca. 900 Ztc. schweren Baumes, am 29. April begonnen. Der Wurzelballen wurde auf einen Durchmesser von ca. 4 m und in einer Tiefe von etwa 2 m freigelegt, in einen festen Holzkasten ans Pitchpine-Balken und Bohlen sicher gefaßt und mittelst Stockwinden und j-desmaligen kreuzweisen Unterlegens von Balken aus der Grube herausgehoben. Der Transport durch die Straßen der Stadt zum ca. 3'/r km entfernten neuen Standort geschah auf Rollen aus Eichenholz, welche wieder auf einer Unterlage von Balken und Bohlen zum Schutze der Straßenbefestigung liefen. Tie Transport- und Verpflanzungs- Arbeiten erstreckten fich über einen Zntraum von ca. 6 Wochen. Während dieser langen Zeit hat der Baum zahlreiche frische Wurzeln getrieben. Die Aussichten auf Erhaltung des Baumes sind z. Z. die besten.
Zu den Verpflanzungskosten hat die Stadtverordneten-Versammlung 2000 M. bewilligt, 4805 M. sind durch freiwillige Spenden aufgebracht. Für Beides sag^ die Administration hier nochmals verbindlichsten Dank.
Am 28. Februar 1907 wurde iu der neuen Libliotbeca Senckendergü an der Viktoria-Allee der 200 jährige Geburtstag des Stifters, verbunden mit der Einweihung der neuen Bibliothek durch eine akademische Feier festlich begangen. Vorher fand eine kurze Gedächtnisfeier am Grabe des Stifters statt.
Zu der Feier waren die Herren Revisoren ans Gießen, die Spitzen der Behörden, die Ärzte Frankfurts, sowie Freunde und Gönner der Stiftung geladen und zahlreich erschienen.
Tie Feier nahm einen würdigen und erhebenden Verlauf. Sie wurde durch ein Hornquartett eröffnet; danach hielt der Vorsitzende eine längere Rede, ini?«soma>re^die Verdienste Senckenbergs um die Stadt, die Stiftung und die Förderu 'g der Wissenschaft schilderte. Es folgten sodann Begrüßungen von Seiten Sr. Excellenz des Herrn Oberpräsidenten von Windheim, des Oberbürgermeisters Dr. Adickes, der Dekane der juristischen und medizinischen Fakultät iu Gießen, des Komites der Bürgerschaft für eine Senckenberg-Gabe, des Direktors der Anatomie Professors Dr. Albrecht, des Neurologischen Instituts, Professors Dr. L. Edinger, des I. Direktors der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Dr. med. Knoblauch, des Vorsitzenden des Physikalischen Vereins, Professor G. Hartmann, des Vorsitzenden des Vereins für Geographie und Statistik, Herr Geheimer Justizrat Dr. A. von Harnier, des vertretenden Vorsitzenden des Ärztl. Vereins, des stellvertretenden Vorsitzenden des Frankfurter Kunstvereins, Dr. jur. Herr P. Roediger, und des Vorsitzenden des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins, Herrn Professor Th. Petersen.
Am Tage der Einweihung der Bibliothek wurde beschlossen und bekannt gegeben, daß nach Eröffnung derselben im neuen Hause, dieselbe als eine öffentliche, der Allgemeinheit dienende Bibliothek zur Förderung der Wissenschaft in der Stadt Frankfurt freigegeben werden soll.
Infolge Ausscheidens des Herrn Professor Dr. Möbius als Bibliothekar und durch die im Laufe der Jahre stattgefundene Vermehrung der Bücherbestände stellte sich die Notwendigkeit heraus für die Bibliothek einen eigenen Beamtenkörper anzustellen.
Auf seine Bewerbung hüuw^rde der bis dahin bei der Universitätsbibliothek in Heidelberg angestellt gewesene Dr. phil. Herr Gusta^/mn dem 15. Februar 1907 als Bibliothekar angestellt.
Als Bibliothekssekretär wurde der, seit mehreren Jahren im Buchhandel tätige Herr Theodor Häßler aus Berlin am 1. März 1907 angestellt.