Die Rechnungsrevision für das Geschäftsjahr 1904/05 wurde am 18. August 1905 durch Herrn Geheimen Regierungsrat Bürgermeister Dr. Varrentrapp in Gemeinschaft mit den von der Großherzoglich Hessischen Landesuniversität Gießen hierzu nbgeordneten Herren Professor Dr. jur. Biermann, Dekan der juristischen Fakultät und Geheimer Medizinalrat Professor Dr. med. Pfaunenstiel, Dekan der medizinischen Fakultät vorgenommen.
Zum Waisen- und Armen-Amt wurden pro 1906 Herr Dr. med. Franz Baerwindt und als Stellvertreter Herr Dr. med. Ernst Rvediger abgeordnet.
Der Assistenzarzt am Bürgerhospital Herr Dr. med. Heinrich Hauschild verließ seine Stelle am 1. April d. Js., zu seinem Nachfolger wurde Herr Dr. med. Alfred Binder aus Stuttgart ernannt.
Im Bürger Hospital wurden vom 1. Juli 1905 bis 30. Juni 1906 mit Einschluß der 84 vom vorigen Verwaltungsjahre in Pflege verbliebenen, 1022 Patienten mit 30 062 Verpflegungstagen verpflegt, gegen 1125 Patienten mit 31486 Verpflegungstagen im Vorjahre. Ambulatorisch wurden behandelt 575 Personen.
Von den Insassen der mit dem Bürgerhospital vereinigten Pfründnerstiftungen sind verstorben, am 17. November 1905 der Brvnner'sche Pfründner Justus Philipp Berghänser und am 28. November 1905 der Gräffendeich'sche Pfründner Johann Heinrich Schuckhardt. Ausgenommen wurden als Gräffen- deich'sche Pfründner der Kaufmann Johann Ludwig Wilhelm Ran am 17. Juli 1905 und der Kaufmann Christoph Lorenz Julius Staudt am 4. Januar 1906.
In dem pathologisch-anatomischen Institut arbeiteten außer 9 hiesigen, 13 auswärtige Ärzte worunter 9 aus Deutschland, 2 aus Österreich, 1 aus Rußland und 1 aus Nord-Amerika. Es wurden für hiesige Hospitäler 1095 Sektionen ausgeführt, sowie für Ärzte in Frankfurt und Umgegend 1381 mikroskopische Untersuchungen. Die Zahl der Sektionen hat gegen das Vorjahr um 235, die der mikroskopischen Ilnter- suchungen um 311 zugenommen.
Herr Direktor Dr. Albrecht hielt im Sommer 1905 einen Kurs der pathologischen Mikroskopie für praktische Ärzte und im verflossenen Winter einen Vorlesungskurs über Tuberkulose, insbesondere über die Wege ihrer Verbreitung im Körper. Außerdem wurden Vorlesungen über Leberkrankheiten gehalten.
Im Ärztlichen Verein wurden in jeder Sitzung mehrere pathologisch-anatomische Präparate vorgezeigt und erläutert.
Als erster Assistent fungierte bis zum 1. Oktober 1905 Herr Dr. Max Trappe aus Breslau, nach dessen Austritt wurde die Stelle Herrn Dr. med. Gustav Wislicenus aus Friedenau bei Berlin übertragen. Als zweiter Assistent fungierte Herr Oberarzt Dr. med. Boit aus Wiesbaden. Als dritter Assistent wurde am 1. Januar 1906 Herr Dr. med. Fritz Brenner aus Frankfurt a. M. angestellt.
Als Volontärassistenten waren tätig die Herren Dr. Heinen aus Köln, Dr. Hommerich aus Oberursel und Dr. Jakobsthal aus Straßburg i. E.
Im neurologischen Institut arbeiteten unter Herrn Professor Dr. L. Edinger, die Assistenten Herren Dr. Schilling aus Wiesbaden und Dr. Kappers aus Holland; ferner waren als Präparatoren tätig Herr Dr. med. Biart aus Nord-Amerika und Fräulein Paula Meyer von hier.
Am botanischen Institut hielt Herr Professor Dr. Möbius während der Sommermonate 1905 Vorlesungen über Physiologie der Pflanzen und im Winterhalbjahr 1905/06 über „Spezielle Pflanzengeographie".
Der von Herrn Direktor Professor Dr. Möbius und Herrn Obergärtner Rud. Günther zusammengestellte Samenkatalog des botanischen Gartens wurde an 76 botanische Gärten des In- und Auslandes gesandt. Der botanische Garten war in der Lage an 42 auswärtige Gärten 1973 Samenarten und Stecklinge abgeben zu können. Der Pflanzenbestand wurde durch Tausch von Samen und Pflanzen um 1616 vermehrt.