<19.8.1762>
d<ie>
Iovis 19. Aug<usti>
1762.
Tacitus de
[barbaris]
Ger-
manis eorum simplicitate
integritate, virtute na-
turali:*
Plus apud eos valent
boni mores, quam
apud nos | : Romae
nos : | bonae leges.*
Paulus ad Romanos:*
die Heyden sind sich selbst
ein
Gesetz, Gott hat es
ihnen in das Hertz geschrieben
scripsit hoc fortius
lege
scripta exoterica,*
at ubi
penes hanc
non est observantia inter-
na, ibi nil boni et
justi.*
Christianis historia et lex
est
à Christo lata, in
docendo et praxi ipsa,*
aber sie taugen nicht, quia
interne non
sequuntur
naturae bonae ductum
simul,* et interne
boni non fiunt,*
cum bona sit historia
bona lex,* sed hoc nil
operans,* quia
sine
praxi et observantia,*
ut Campana sine pistillo.*
Hinc omne malum in
publico,
privato, individuo omni*
[Editorische Anmerkungen]
* Tacitus (schreibt) über die (barbarischen?) Germanen, deren Einfachheit, Unbescholtenheit, natürliche Tugend:
* Bei diesen besitzen die guten Sitten mehr Geltung als bei uns | : bei uns in Rom : | die guten Gesetze.
* Paulus (im Brief an) die Römer:
* er schrieb dies stärker/dauerhafter als das äußerlich geschriebene Gesetz,
* aber wo bei diesem keine innere Beobachtung ist, dort (ist) nichts Gutes und Gerechtes.
* Den Christen ist die Kunde und das Gesetz von Christus überbracht worden, im Lehren und im Handeln selbst,
* weil sie nicht innerlich der Führung der guten Natur folgen zugleich,
* und innerlich nicht gut werden
* obwohl Kunde gut, das Gesetz gut ist,
* aber dieses bewirkt nichts,
* weil ohne Handeln und Beobachtung,
* wie eine Glocke ohne Schwengel
* Hieraus (stammt) alles Übel im Öffentlichen, Privaten, jedem Einzelnen.