Noch eines muß ich gedencken/ welches nach meiner seligen Frauen Tod / und zwar den Abend vor Ihrer Beerdigung , welche den 2.91m O&obr. geschähe, sich zugetragen. Ich war nehmlich mit meinem jüngeren Bruder/ in meinem Schlafzimmer, gienge nach dem Abendessen mit ihm auf und ab/ und wir redeten von der Unsterblichkeit derer Seelen und deroselben Beschafftigung / wobey ich sagte/ ich glaube/ mit ver­schiedenen mir bewusten Theologen/ daß die Seelen derer Abgeschiedenen - in denen ersten Tagen noch nicht gar weit von uns entfernet waren» Unter diesen Worten öffnete ich die Thüre, und gab der Magd mit der Schelle ein Zeichen die Speisen wegzunehmm. Als ich die Thür wieder zugemacht/ und mein Bruder an derselben stehen blieb/ ich aber von ihm gegangen war/ die Schelle wieder an ihren Ort zu setzen/ klopfte es an der Thür dreymahl gantz vernehmlich / wie ein Mensch klopfet/ daß mein Bruder sich darüber verwunderte/ weilen niemand vor der Thür/ keine fremb- de Person mehr in dem Hause/ auch die Hausthüre verschlossen war/ und Mir solches meldete. 'Ich hatte hievon nichts gehöret, und wollte es ihm, weil mir rheils wohl bekannt/ was vor Betrug in dergleichen Dingen vor­zugehen pflege/ theils mir-selbst ein solches noch nie begegnet/ ausreden, als inzwischen die Magd in das Zimmer tratt und die Speisen abholete. Diese war nun mit Abtragen begriffen : Wir beyde stunden mitten m der Stube gleich bey ihr/ und redeten von dieser Begebenheit/ und ich zöge dieselbe annoch beständig in Zweifel/ als es zum zweytenmahl dreymahl, wie vorhin/ an den nahe an der Thür in der Stube/ und etwa g. Schritte von Uns stehenden Kleiderschranek klopfte/ welches ich sogleich hörete, aber nicht das geringste sagte/ bis mein Bruder es abermahl/ wie vorhin/ anzeigte/da ich ihm dann Recht gab/ weil ich es diesesmahl ebenfalls gehöret hatte, und indem war es/ als gienge etwas zwischen uns durch/ nicht dem Gesichte son­derndem Gefühl nach, und uns überliefe/ ohnerachtet wir ohne Furcht und leere Einbildung waren/ auf gleiche Zeit ein Schauer/ der uns nicht schreck- hafft sondern vielmehr frölich machte. Die Magd war bey diesem allen in dem Zimmer/ und achtete es nicht/ als wir davon redeten/ gleich/ wie ich Anfangs/ weil sie nichts gehöret hatte, und gieng von uns. Eine Stunde darauf, um halb eilf Uhr, gieng mein Bruder mit mir ehe wir zu Bette giengen/ in das Zimmer, worinnen die Leiche war, um zu sehen ob alles wohl bestellet sey/ woselbst die obengedachte Magd nebst noch zwoen ande-

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