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Du bist mein Trost! Ich weiß, daß mein Erlöser lebet!

Hielte der HErr Senior zuweilen mit Beten ein, und redete mit Ihr, ließ Sie solche tröstliche und hertzrührende Worte von Sich hören, die Ihn Selbsten durchdrungen und Ihm häufige Thranen abnöthigten, berge- stalten, daß Er nach gesprochenem Segen nichts mehr zu reden im Stande war, auch im Hinweggehen sagte: Hier kan ich nicht mehr bleiben, mein Hertz ist mir zu voll! Man sagte Ihr hierauf mancherley Trvstsprüche, schöne Lieder und Gebete vor, und da Sie nicht mehr reden konnte, gab Sie annoch durch Zeichen zu verstehen, wie wohl es Ihr gefalle. Nach­dem hierauf nach und nach alle auserliche Sinnen aufhörten, starb Sie gantz sanft ohne einen Finger zu zucken, in dem i7tm Jahre Ihres Alters, Sonnabends den 26ten OLlobns, Morgends gegen 10. Uhr. Der HErr, dessen Wille im Leben und Tod Ihre Seligkeit war, der Sie geleitet har nach Seinem Rath, der Sie im Frieden mit Ehren ausgenom­men, erfreue Ihren Geist in der Herrlichkeit, Er sey Ihr Licht und Ihr sehr grosser Lohn!

O wie oft habe ich elender, bey dieser seligen Heimholung meiner liebsten Freundin mir gewünschet in Ihrer Gesellschafft, wann es GOtt erlaubete, diese elende Welt zu verlassen, und mit Ihr in das Land des Friedens, der Ruhe, der Wahrheit, der Freyheit und aller unaussprech­licher Herrlichkeit versetzet zu werden! Ich muß aber annoch ausser unserm Vatterlande in dem Elend herum wandern, so lang es GOtt gefallt, und mich mit der festen Versicherung trösten, der HErr, der allen, so seiner Hülfe begehren, beyzustehen versprochen, und, wie ich lebendig erfahren, Sein Wort treulich halt, werde mich nimmermehr verlassen, sondern zu Seiner Zeit aufnehmen in Sein Reich, da wir einander Wiedersehen, und das unendliche Vergnügen viel herrlicher genieffen werden, das ich bey dem Abschied meiner seligen Frauen bey meiner geringen Fassung ein wenig mitgeschmecket habe, und mir auf mein Lebenlang wohl bekommen wird. Ich kan in Wahrheit nicht aussprechen, mit was innigem Vergnügen ich die erste Tage nach Ihrem Tode hingebracht, noch die Freuden^Thranen zehlen, welche mir hiebey ausgepreffet worden, und dieses machte auch bey mir alle Vorstellungen des Verlusts verschwinden, welche die am auseren klebende Vernunft mir machen konnte. Der die Welt überwindende Glaube an GOtt tröstete mich reichlich, wenn ich . alles dieses, was nachfolgt, behertzigte :

Das ist nehmlich ohnstreitig, daß meine selige Frau in GOtt gelebet

und in Ihme gestorben, und folglich sehr wohl aufgehoben ist bey Deme,

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