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kamen/ dm beweglichsten Abschied/ unter unfern vielen tausend Thranen. Weilen aber die Frau Mutter theils wegen Unpäßlichkeit/ theils wegen Traurigkeit über den nahen Tod Ihrer jüngsten und deßwegen sehr lieben Tochter/ weil Sie an allerlangsten um Sie gewesen/ nicht zu Ihr kommen konnte/ bäte meine sel. Frau Ihren jüngsten Herrn Bruder/ Derselben^in Ihrem Nahmen vor alle Mütterliche Liebe zu dancken, und empfähle ^ie GOtt, der Sie schützen, berathen, in dem Alter Ihr Trost und Starcke, und in Kranckheit Ihr Artzt/ Helfer und Licht seyn/ der auch uns allesamt nach vollendetem Lauf/ an einem besseren Ort und in einem besseren Staudt/ wieder zusammen bringen wolle/ daß wir Ihm über Seine Wohlthaten unendlich loben mögen- Ob Sie nun schon gar gerne Ihre Frau Mutter, welche Sie recht brünstig geliebet/ noch einmahl gesehen und gesprochen hatte/ war Sie doch/ weil es nicht seyn konnte/ zufrieden mit Derselben Antwort/ und wendete Sich hierauf gegen mich, danckete mir vor alle Treue und Liebe/ so ich Ihr erwiesen/ was Sie nicht vergelten könnte/ werde GOtt vergelten; worauf Sie auch das Kind meiner Vorsorge empfohlen. Sie bote mir bey dieser Anrede die Hand/ und ich gäbe Ihr/ in Bestürtzung von Liebe, Furcht und Schrecken/ nur einen Finger der rechten Hand; worauf Sie mich liebreich anblickte und sagte: Soll ich dann die Hand nicht haben? Ich gäbe Ihr solche hierauf, mit der Antwort: Nicht allein die Hand, sondern mich gantz und gar, wie ich der Ihre gewesen bin im Leben, werde ich derselbe auch bleiben nach Ihrem Abschied/ Sie wissen ja wie treue wir es jederzeit mit einander gemeinet haben, unsere Liebe stirbet nicht! Bitten Sie GOtt vor mich und unser Töchterlein, wenn Sie zu Ihm kommen! Wir konnten bey diesem Gespräche fast nicht wieder von einander kommen, hertzten einander und zerflossen beyderseits in Thranen, wie denn eine zarte Liebe allzeit solche Wirckung zu haben pfleget. Auf mich forderte Sie die Kindswärterin/ welcher Sie das Kind wohl siebenmahl empfähle, und als diese es Ihr zum letztenmahl darreichte, küssete und segnete Sie es, mit dem Zusatz: Nehmet es hin, was ist es? Ich bleibe doch nicht hier. Nachdem Sie diese von Sich gelassen, forderte Sie die Mägde, und sagte zu chnen, als sie sich weinend vor Sie stelleten: Ich gehe aus der Welt - haltet so Haus, wie ihr es von mir gesehen habet, dienet eurem Herrn treu und redlich, so wird es euch wohlgehen. Hierauf gieng es nun immer naher zum Ende, und da Ihr die Augen zu brechen ansiengen, sagte Sie: Jetzt wird es Nacht; und forderte noch einmahl Herr Seniorem Walthern, welcher Sich bald einstellete und mit Ihr betete, da Sie denn alles mit grosser Bewegung Ihres Hertzens Nachsprache, und dazwischen offt zu Ihrem Heiland Sich wendete, mit diesen Worten:' HErr JCsu A)Me,
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