die kleinen Packet- und

des belgischen Vertrages üoer Geldsendungen ausgelauscht.

Laut Verfügung des Evangelischen Ober-Kirchen- raths ist, wie dieN. Pr. 3." meldet, die Fürbitte für den norddeutschen Reichstag im öffentlichen Kirchen­gebete wahrend der Dauer des Zcllparlaments auszu­fetzen und dafür folgende Fürbitte aufzunehmen:Kröne, barmherziger Gott, mit deiner Gnade die Arbeiten des Parlamentes, welches zur Förderung des allgemeinen Wohlstandes in Deutschland gegenwärtig vereinigt ist. und lctffe ffe zu dauerndem Segen des gesammten deut­schen Vaterlandes gereichen. Sei du sein starker Schutz und Schirm und gieb, daß alle christliche Obrigkeit mit unserem Könige unter deinem Segen trachte, dein Reich auf Erden bauen zu helfen und deines Namens Herrlichkeit zu preisen."

Den Regierungen ist jetzt, wie dieKöln. Ztg." meldet, eröffnet worden, daß durch die seit dem 1. Ja­nuar d. I. in Kraft getretenen Bundesgesetze über das Paßwesen und die Freizügigkeit die Grundsätze, nach welchen bisher die Fremdenpolizei und daö polizeiliche Meldcwesen gehandhabt worden, eine wesentliche Modi­fikation erfahren haben und die dteserhalb bestehenden Polizei-Verordnungen, so weit ffe Bestimmungen ent­halte«, welche von den neu ergangenen Gesetzesvor- fchlägen abweichen, in entsprechender Weise abgeändert werden muffen.

0 Auf den Bericht der letzten rheinischen Provinzial- Synode über ihre auf die Beseitigung der Mißstände beim Collectenwesen bezüglichen Verhandlungen und die daran geknüpften Anträge hat der evangelische Ober- Kirchenrath eine eingehende Antwort erthcilt, welche von allgemeiner Wichtigkeit ist. Es sind darin Be­denken gegen die Forderung ausgesprochen, die Reffort- Verhältniffe für die Bewilligung der Kirchen-Collecten und der zu kirchlichen Zwecken abzustattenden Hauscollecten umzugestalten und die Genehmigung zur Abhaltung ein er Collecte von derjenigen Verwaltungs-Instanz abhängig zu machen, auf deren Bereich die Sammlung sich er­strecken soll. Der fragliche Ober-Kirchenrath neigt sich zu der Ansicht, daß es, um die freie Entschließung ge­gen den Andrang der nächstberührenden Verhaltniffe zu sichern, genügend ist, die Entscheidung in die nächst höhere Instanz zu verlegen. Hinsichtlich der sogenann­ten ständigen Collecten wird der Grundsatz aufgestellt, daß niemals Collecten auf unbestimmte oder immer­währende Dauer zu bewilligen sind. Ferner wird er­klärt, daß eine Berechtigung zur Anrufung der helfen­den Bruderliebe nur anzuerkennen ist, wo und insoweit ein unzweifelhaftes Bedürfniß vorliegt, die Befriedigung desselben nur in den Grenzen, welche die absolute Noth- wendigkeit und die kirchliche Wohlanständigkett ergeben, bezweckt wird und die eigenen Kräfte der Betbeiligten, neben Heranziehung der etwa zur Leistung rechtlich Ver­pflichteten zur Beschaffung der erforderlichen Mittel nicht ausreichen. Auch erklärt sich der evangelische Ober- Kirchenrath damit einverstanden, daß hinsichtlich der Anstalten, welche Collecten nachsuchen, der Distrikt der Sammlung mit dem Wirkungskreis der Anstalt im Verhältniß zu erhalten ist.

o Nach den beim Ober-Commando der Marine cingegangenen Nachrichten ist S. M. FregatteNiobe", nachdem dieselbe am 9. April Havana verlaffen, am 19. April in New-Äork, S. M. BriggMusguito" von Plymouth am 1. Mai in Kiel und S. M. Dampf­kanonenbootBlitz" am 2. Mai c. von Sulina in Galatz angekommen.

Der amerikanische Gesandte, Hr. Bancroft, be- giebt sich, derKöln. Z." zufolge, in einigen Tagen nach München, um auch dort seine Beglaubigungs­schreiben als amerikanischer Gesandter zu überreichen.

Bei der am 30. Avril in Schroda stattgefunde­nen Wahl für das Abgeordnetenhaus an Stelle des verstorbenen Abg. WaligorSki ist Hr. v. Lubienskt auf Kiaczyn gewählt worden. Gegen-Candidat war Hr. Kennemann auf Klenka.

nu Se. Excellenz der Generallieutenant und Com mandeur der 2. Division v. Hartmann hat sich von hier auf seinen Posten nach Danzig begeben.

vn Der Commandant von Berlin, Generallicute- nant Graf von Bismark-Bohlen hat heute in seiner Eigenschaft als Chef der Landgendarmerie mit seinem Adjutanten, Major Richrath eine mehrmonatliche Reife in die westlichen Provinzen behufs Jnspicirung der dortigen Gendarmerie angetreten.

na Der Hauptmann und Compagniechef von I Wrochem vom 2. Garde-Regiment zu Fuß ist dieser Tage von seiner sechsmonatlichen Urlaubsreise nach Italien, der Levante und Aegypten hierher zurückge­kehrt.

an Se. Ercellenz der General - Lieutenant von Kameke, beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte des General-Jnspecteurs des Ingenieur-Corps und der Festungen hat eine Dienstreise zur Jnspicirung der unterstellten Pionier - Bataillone und Festungen an­getreten und sich zu diesem Behuf zunächst nach Torgau begeben. Der Generalmajor Schulz, Inspekteur der 2. Ingenieur-Inspektion, hat sich zu diesem Behuf eben- \ falls nach Torgau, der Generalmajor von Mertens, s Inspekteur der 3. Ingenieur-Inspektion nach der Rhein- sProvinz und Westfalen, und der Generalmajor Klotz, Inspekteur der 4. Jngenieur-Juspeetton. nach Schwerin egeben.

46,194.

51 Gewinne von 1000 Thlrn. fielen auf Nr. 1552 1600. 3047. 3145s 8138. 9182. 11,093. 11.164. 11,388 12,873. 13,305. 16,334. 18,283. 18,965. 20,228. 23,252,

29,719. 31,693. 34,210. 35,339. 38,503. 39,509. 42,742,

43,071.- 45,736. 49,066. 51,443. 55,402. 56,466. 56,625

60,125. 61,193. 61,617. 62,365. 64,693. 64.931. 65,126,

69,015. 72,743. 74,787. 76,794. 77,262. 77,980. 80,230

83,686. 88,191. 88,312. 91,365. 92,907. 93,674 und

94.783,

56 Gewinne von 500 Thlr. auf Nr. 624. 3975, 7137. 7863.10,696. 11,006. 12,364. 16.640. 17,788. 18.315. 20,263. 24,858. 26,102. 27,542. 27,779. 28,030. 29,624.

31,608. 33,847. 37,647. 38,181. 40,103. 40,236. 40,644.

43,265. 43,742. 43,777. 49,161. 53,862. 55.350. 55,820,

56,643. 59,194.-60,172. 60,557, 60,853. 60,874. 62,355. 62,869. 63,084. 63,503. 63,658. 70,695. 71,596. 72,187.

77.784. 78,851. 79,234. 79,623. 80,526. 83,413. 88,752.

88,991. 91,389. 92,950 und 94,306.

85 Gewinne von 200 Tblr. auf Nr. 3013. 3184. 4078. 4466. 5157. 7194. 8274. 9068. 9085. 10.548. 11.989. 12,042. 12,793. 13,367. 14,005.-14.080. 15,750. 17,491. 18,843. 19,789. 21.576. 23,962. 24,838. 24,941. 27,591.

29,300. 29,582. 30,278. 30,340. 32,770. 32,878. 35,248.

37,093. 37,689. 38,168. 38,330. 39,030. 39,395. 41.792.

42,486. 43,162. 45,470. 45,873. 47,044. 49,706. 49,851,

50,041. 57,752. 58,516. 58,756. 59,926. 60,214. 61,927,

62,162. 62,830. 63.242. 65,279. 66,531. 66.759. 67,162.

67.520. 68,656. 69.126. 69,553. 69,616. 70,239. 70,410.

73,494. 74243. 74,394. 75,436. 75.660. 75,673. 76,175.

80,261. 80,331. 81,653. 82,526. 83,313. 85,777. 87,534.

88,032. 88,872. 94,592 und 94,790.

Berlin, den 4. Mai 1868.

Königliche General-Lotterie-Direktion.

Danzig, 2. Mai. (Grenzverletzung.) Die heutigeDanz.Ztg." will von einer Grenzverletzung wiffen, welche Seitens der russischen Grenzsoldaten bei dem Dorfe Gunowo, IVa Meile von Thorn, vorgestern stattgefunden haben soll. Eine Schaar von 20 bis 30 Packträgern, meistens mit werthvollen Zeugwaaren, die auf diesseitigem Gebiet, mehr als 2000 Schritt von der Grenze entfernt, die Zeft zum Uebergange abwartete, soll in der Nacht plötzlich von einer Schaar russischer Grenzsoldaten überfallen, durch abgcfeuerte Schöffe in die Flucht gejagt und ihrer Packe beraubt sein.

Münden, 28. April. (Die Forstakademie) ist gestern mit 50 Akademikern eröffnet worden. Die Stadt war, wie man aus derDtsch. Volksztg." ersieht, festlich geschmückt und an verschiedenen Orten wurde das Ereigniß mit Bankets und Bällen ge­feiert.

Bon der schleSwigschen Westküste, 1 . Mai.

(RömerHafen.) DerVestsl. Tid." wird von hier geschrieben, daß sicherem Vernehmen nach vor einigen Tagen mehrere Hamburger Spekulanten auf Romö anwesend waren und dort zu bedeutend hohen Preisen die am Hafenplatz Gelegenen Gewese und Grundstücke kauften, jedoch unter der Bedingung, daß der Handel rückgängrg sein solle, wenn der projectirte Damm zwischen dem Hafen und dem Festlande und die sonstigen Anlagen nicht zu Stande kämen. Unter anderen verkaufte der Gasthofsbesitzer Gram-Schmidt das ihm zugehörige Wirthshaus mit Ländereien für 10,000 Thlr., und ein Haus, das zur Zeit kaum 300 Thlr. werth ist, wurde für 1800 Thlr. verkauft. Viele andere Gewese und Grundstücke, obwohl die­selben fast alle aus sandigem, unfruchtbarem Boden bestehen, wurden zu ähnlichen enormen Preisen er- standen. Der Correspondent derVestsl. Tid." be- richtet zugleich, daß die von der königlichen Regie­rung nach Romö gesandten technischen Beamten ohne Vorbehalt erklärt hätten, daß die Ausführung des Projekts sicher sei, sobald die Tiefenverhältniffe des Fahrwassers bei Romö untersucht und hinreichend befunden worden seien. Uebrigens ist in dortiger Gegend davon die Rede, daß das Unternehmen einer Aktiengesellschaft überlassen werden solle, und man nennt derVestsl. Tid." zufolge bereits mehrere der Jntereffenten.

Osnabrück, 3. Mai. (Ueber dasAufbören der Noth im Hümmling) wird derH. A. Z." geschrieben: Für die Nothleidenden am Hümmling sind von Fern und Nah so reiche Gaben gefloffen, daß die Noth als beendet angesehen werden kann. Es sind die zur Disposition gestellten Mittel von dem Comite und den Behörden so umsichtig ver- wandt, daß man erwarten darf, der Calamitat sei dauernd begegnet, wenn nicht eine größere Reihe von Mißernten, wie sie jene Gegend in den letzten Jahren betroffen, aufeinander folgt. Durch Vertheilung kräf- liger und gesunder NahrungsmÜtel ward der eigent- tichen Hungersnoth vorgebeugt und zugleich durch Darbieten lohnender Beschäftigung Sorge dafür ge- tragen, daß nicht die entsittlichende Wirkung des Almoseu-Empfanges zu Tage trete; dann wurde zur Bestellung der geeigneten Felder Aussaat, nament-

!orveyatt, Laß derselbe sogleich zurücktrcte, der Herzog selbst die Jagd zu pachten wünft sollte. Man mag aus diesem Beispiele auf Verlogenheit dieser Wiesbadener Correspondenz^ schließen. Wie lange noch gedenkt dieAllgemei. Zeitung," sich aus dieser trüben Quelle bedien^ zu lassen?

Frankreich.

□□ Paris, 2. Mai. Das Interesse dr Tages gehörtganz vorwiegend zwei Momenten, der Zollparlament in Berlin und der am 11. Mc beginnenden Verhandlung der Interpellation übe die Handelspolitik. Was das Erstere anbelang: so ist das Interesse an demselben, so zu sagen in fortwährender Zunahme. Es ist darin jedoch wie schon im letzten Schreiben hervorgehober eine gewiffe Gereiztheit nicht zu verkennen, di sich auch in der Discusfion der Frage kund giebt, ob das Zollparlament eine Adresie erlassei werde oder nicht. Ein Theil der Pariser Blatte: sucht schon zu beweisen, daß keine Adresse er lasten werden dürfe, welcher Ansicht sogar bi sonst vorurtheilsloseOpinion nat." beistimml Auch die französiche Uebersetzung des Paffus r der Thronrede: die geeinte Kraft des deutsche: Volkes, welche derMoniteur" mit den Worten 1a forco compacte des peuples de lAHemagne 1 undHavas" mit1a force unie du peupl« allemand wiedergegeben, hat in der Pariser Presse eine Fluth von Commentaren und Com- binationen hervorgerufen.

Das Interesse für die Interpellation über di, Handelspolitik wird durch die Nachricht wesent­lich gesteigert, daß der Kaiser in Orleans, wo­hin er sich bekanntlich am 10. Mai begiebt, diese Frage in einer öffentlichen Rede berühren werde. Ob diese Mittheilung richtig ist, weiß ich nicht, aber außer Zweifel ist es, daß es für das Gouvernement von hohem Jntereffe ist, die Massen über seine freihändlerische Politik und deren Motive möglichst erschöpfend zu belehren. Daher wird auch die Sitzung am 11. Mai eine hervorragende Bedeutung einnehmen. Daß Hr Thiers schon jetzt an seiner Rede gegen den Frei­handel zu Gunsten des Schutzzolles arbeitet, kann man wohl glauben. Trotz aller eminenten Begabung und auch trotz der seltenen Geistes- srische, die er sich bewahrt, steht Hr. Thiers doch ganz auf dem Boden der 30er und 40er Jahre unseres Jahrhunderts und kann darüber nicht hinauskommen. Den Franzosen wird freilich gewaltig schwer, einzugestehen, daß die Ursachen in der französischen Industrie selbst liegen, wenn dieselbe von Märtten verdrängt wird, welche sie sonst beherrschte. Aber nur durch erhöhte Arbeit, nicht durch Schutzzoll kann man das verlorene Terrain wieder erobern.

Der Kaiser präsidirte heute dem gewöhn lichcn Sonnabends-Conseil, welchem die Kaiserin beiwohnte. Vor dem Ministerrath hatte der Kaiser mit den Ministern Marquis Moussier und Marschall Niel eine Promenade in dem Tuilerien - Garten gemacht. Gestern hatte der Kaiser am Arme des diensthabenden General- Adjutanten General Douay einen längeren Spaziergang in den Champs Elysees gemacht. Abends war Diner von 60 Couverts. Unter den Eingeladenen befand sich Baron Budberg, seine Gemahlin und seine Tochter.

Der Conflict des französischen General- Consuls Vicomte Botmilian in Tunis mit dem Bey, anläßlich der bekannten Tunesischen An­leihe, macht viel von sich reden. Der erwähnte Diplomat hat bekanntlich seine Flagge einge­zogen und der Bey hat sich nach London und an das italienische Cabinet gewendet, um eine Vermittelung herbeizuführen.

Die gestern im Industrie-Pallast eröffnete Kunst - Ausstellung (Salon) enthält 2587 Oel- bilder, 497 Statuen, 25 Medaillen. 47 Litho- graphien, 63 andere architektonische Zeichnungen und 188 Kupferstiche.

Man wird sich erinnern, daß der Schrift­steller Eugen Forcade, besonders auf dem finanziellen Gebiet thätig, nach seiner Rückkehr

Wurde von den Parteigenoffen mit Jubel empfangen. Kaum war dieser Begrüßungslärm vorüber, so entstand neue Aufregung, als Mr. Reardon (Mitglied für den irischen Wahlbezirk Athlone) an den Minister des Innern in sehr barscher Manier die Frage richtete, ob dem zum Tode verurtheilten Fenier Barrett die Todesstrafe erlaffen werden würde, oder nicht. Der Minister des Innern wies den Fragesteller wegen seiner ungebührlichen Interpellation zurecht, lehnte j-de Erwiderung ab und erntete dafür den Beifall von allen Seiten des Hauses. Stärker noch wurde der Lärm, als Capitain Surtes (derselbe, welcher bei Beginn der irischen Kirchen - Debatte die Verlesung des Krönungs - Eides beantragt hatte) die Forderung stellte, daß der Eid, den die katholischen Mitglieder bis vor 2 Jahren ablegen mußten, verlesen werde. Dagegen, als eine zeit­raubende und gradezu Erbitterung bezweckende For­derung. erhob sich die Linke in großer Aufregung. Der Sprecher zwar entschied dahin, daß der Ansiag nicht als ein gegen die Geschäftsordnung verstoßen, der, zurückgewiesen werden könne, und gar lebhaft war der Zuruf, mit welchem diese Entscheidung des Sprechers von den Conservativen ausgenommen wurde; aber auf ausdrückliches Ersuchen verzichtete der Anttagsteller auf das ihm vom Svrecherstuhle zuerkannte Recht. Jetzt erst wurde die eigentliche Debatte über die erste Resolution wieder ausgenom­men. Ein Detailbericht über sie wäre eine uner­sprießliche Arbeit und eine höchst langweilige Lectüre, denn bis Mitternacht wechselten einander meist un­bekannte Redner ab, während das, was sie sprachen, ur allzubekannte Argumente waren. Aber selbst Madstone, der sich wenige Minuten nach Mitter­macht zum Sprechen erhob, wagte sich kaum an den versuch, der vielbesprochenen Frage neue Seiten ab- zugewinnen und neue Argumente zu Gunsten seiner Resolutionen ms Feld zu führen.*) Disraeli, der das letzte Wort hatte, sprach diesmal kurz, ernst, ohne Sarkasmus. Sein Hauptargument ar und blieb, daß die unausweichlichen Folgen einer bschaffung der irischen Staatskirche die allertraurig­en sein würden, nämlich Erschütterung der Eigen- humsrechte, Steigerung der Gehässigkeit zwischen en irischen Protestanten und Katholiken, Bedrohung er englischen Hochkirche, Vernichtung der geistlichen , uprematie der Krone und vollständige Trennung von Staat und Kirche. Um 2 Uhr Morgens schrei­bet das Haus zur Abstimmung über die erste Re­solution (daß die irische Staatskirche als Institut zu existiren aufhören müsse, wobei allen persönlichen Interessen und individuellen Eigenthumsrechten bil- »g Rücksicht zu tragen sei"). Sie ergiebt 330 Stim­men für, 265 gegen die Gladstone'sche Resolution, somit eine Majorität von 65 gegen die Regierung. Kaum sind die lebhaften Freudenrufe der Linken über dieses Ergebniß verhallt, erhebt sich Disraeli zur Erklärung, daß, nachdem durch diese Abstimmung das Verhältniß der Regierung zu dem gegenwärtigen ynterhause ein anderes geworden se», er auf Ver- tagung bis zum Montag antrage, damit die Minister ihre Lage in Erwägung ziehen könnten. Da Glad- stone, obzwar er sein Bedauern über diese neue Stö­rung nicht verhehlt, gegen die Vertagung keine Ein- vendung macht, wird sie vom Hause schweigend an- renommen. (Aus der Abstimmungsliste erhellt, ) nicht weniger denn 595 Mitglieder sich an ihr be- heiligten. Von der vollen Anzahl der Mitglieder >es Unterhauses fehlten somit bei dieser Gelegenheit >los 63.)

Zwischen dem 20. und 24. d. sind dem Parla- nente 2578 Petitionen mit 292,374 Unterschriften »egen die Abschaffung der irischen Staatskirche und 558 Petitionen für die Gladstone'schen Resolutionen »orgelegt worden. Diesen Zahlen gegenüber (so giebt sie nämlich derMorning Herald"), scheint die Majorität bei weitem auf Seiten der Regierung zu s:in. Nur ist zu bemerken, daß die letzteren 558 Petitionen 223,231, also fast eben so viele Unter schritten tragen, wie die ersteren, und daß von den Petitionen zu Gunsten der Abschaffung viele nur von dm resp. Präsidenten der Meetings, auf welchen sie zum Beschluß erhoben wurden, unterzeichnet sind. So die aus dem großen Meeting imTabernakel" nsultirende Petition, die von Tausenden beschlossen, md nur vom Präsidenten, John Bright, unterzeich net wurde.

Zur Stunde glaubt noch Niemand daran, daß der -als Urheber der Clerkenweller Explosion zum

*) Erwähnen wollen wir doch, daß Gladstone einige Stellen aus der letzten Rede des österreichischen Abge­ordneten Kuranda gegen das Concordat citirte und aus ihnen den irrtümlichen Schluß ablettete, daß dieser ein eifriger Katholik" sei. Darauf bin nennt der Herald" in seinem heutigen Leitartikel Herrn Kuranda frischwegthat eminent foreign Catholic and Liberal

entschlossen, die früher mn meyrerm Zsra! sie die Branntweinsteuer verpachtet hatten, ab­geschloffenen Verträge nicht mehr zu verlängern. Deshalb haben die ehemaligen Pächter, die übrigens wenige an der Zab! sind, freiwillig die Ortschaften verlaffen, wo ihre Gegenwart durch eine ihrem Handel ein Ende machende Entscheidung zwecklos geworden.

Die Gemeinden haben nur von ihrem Rechte Ge­brauch gemacht, indem sie die Fortsetzung eines Verhält- mffes zurückwiesen, daö natürlich von beiden Seiten ein freiwilliges war; die Regierung aber, welcher man die Urheberschaft zuschreiben will, bat nichts mit der Sache zu schaffen, da sie nicht das Recht hat, sich in Comracte einzumischen, die auf dem freien Willen der Stadtverwaltungen beruhen.

Die Betheiligten haben das übrigens so wohl verstanden, daß es ihnen nicht in den Sinn ge­kommen ist, gegen diese Entscheidung Verwahrung einzulegen. Sie haben sich, ich wiederhole es, ganz aus freien Stücken zum Hauptorte des Kreises be­geben, wo sie übrigens ohne die geringste Schwie­rigkeit Seitens der Ortsbehörden ausgenommen worden sind. Sie sehen, Herr Agent, daß kein Grund zu den Beschuldigungen vorhanden war, deren Gegen­stand unsere Regierung geworden ist.

Schmerzlich berührt von den Kränkungen, welche für sie aus jenen fortgesetzten Anschwärzungsversuchen erfließen, die in vielen amtlichen Berichten den An- schein einer systematischen Feindschaft annebmen, weiß die Regierung nicht, Herr Agent, welchen Ursachen sie dieselben zuschreiben soll; denn sie kann sie sich nur durch die unwiderruflich gefaßte Absicht erklären, ihr Schwierigkeiten zu schaffen, indem man im In­nern des Landes Keime beständiger Aufregung säet. Aber diese Erklärungsweise, Herr Agent, wäre im völligen Widerspruche mit den wiederholten Zeug- mssen ehemaligen Wohlwollens, und wir wollen nicht annehmen, daß die garantirenden Mächte, die so viel für Rumänien gethan haben, ihr Werk zurückzu- nehmen beabsichtigen, indem sie unserer mühsamen Organisation Schwierigkeiten in den Weg legen.

Indem ich Sie bitte, Herr Agent, der ... . Regierung Mittheilung von dem Gegenwärtigen zu machen, ergreife ich u. s. w. (gez.) Stefan Golesco."

Italien.

X Florenz, 30. April. Heut gegen Mit­tag fand der feierliche Einzug des Prinzen Hmn- bert und seiner hohen Gemahlin in Florenz statt. Mit einem wahrhaft königlichen Gefolge bewegte sich der Zug durch die Hauptstraßen der Stadt, die mit dem reichsten Blumenflor und mit zahl­reichen Emblemen ausgeschmückt waren. Das erhabene Paar ward von einer unermeßlichen Volksmenge mit den lebhaftesten Acclamationen begrüßt. Die junge Prinzessin zeigte eine seltene Freudigkeit und Liebenswürdigkeit und nahm eigenhändig mehrere ihr dargereichte Bittschriften entgegen. Der König, die königliche Familie und der Kronprinz von Preußen empfingen die Herrschaften im Palais Pittt, wo, kaum ange­kommen, die Prinzessin sich dem Volke drei Mal auf dem Balcon zeigen mußte, um demselben ihren Dank auszudrücken, was mit endlosen Acclamationen erwidert wurde.

Es ist zu erwähnen, daß der Prinz Napo­leon und die Prinzeß Clotilde nicht in Florenz eingetroffen sind, wie man erwartet hatte, daß vielmehr nach Begrüßung des jungen Paares in Turin der Prinz sich nach der Schweiz, seine Gemahlin nach Paris sich begeben habe.

Gestern früh stattete der Prinz Friedrich Wilhelm dem Könige einen Besuch ab, bei wel­chem jede Etiquette ausgeschlossen war. Dar­aus nahm derselbe die Gemäldegalerie im Palast Pitti in Augenschein, machte hiernächst einen Spaziergang durch die Stadt, wo er überall mit den Zeichen des herzlichsten Entgegenkom­mens begrüßt ward. Gegen Abend fand zu Ehren des Prinzen ein Diner bei dem Gesandten Englands statt. Lady Paget, geborne Gräfin Hohenthal, durch ihre Geburt dem vornehmen Adel Deutschlands angehörend, war eine der ersten Hofdamen der Prinzeß Victoria von Preußen. Durch diese Beziehungen und als Vettreter eines verwandten Hofes wurden Lady Paget und Sir Augustus Paget veranlaßt, dem Prinzen Friedrich Wilhelm ein Banquet darzubieten, zu welchem nur der General Menabrea und die Gräfin

Könige auf der Soiree des Haüsmünfler nitz. Am Sonntag Vormittags wohnte die Kö­nigin dem Gottesdienste in der Hof- und Garnison­kirche zu Potsdam und dann der Parade bei. Nach dem Dejeuner im Stadtschlosse besuchten die könig­lichen Majestäten Babelsberg. Abends reiste Ihre Maj. die Königin nach Cöblenz und geht am 5. von dort über Karlsruhe nach Baden-Baden: Die Hofdamen Gräfin Brandenburg und Prinzessin Ca- rolath, so wie der diensttbuende Kawmerhsrr, Frhr. v. d. Lancken, haben die Ehre, Ihre Majestät zu be­gleiten.

I. Maj. die Königin-Wittwe kam am Sonntag Vormittag von Charlottenburg nach Berlin, wohnte dem Gottesdienste im Dome bei und kehrte alsdann wieder nach Charlottenburg zurück.

Ihre königl. Hoheiten die Prinzen Carlund Albrecht, so wie Se. Hoheit der Herzog Wilhelm von Mecklenburg, beehrten am Sonntag die Vor­stellung im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater mit Höchstihrem Besuch.

I. k. H. die Frau Prinzessin Luise, Land- gräfin Alexis zu Heffen, nahm am Sonnabend die Ausstellung von historischen Denkwürdigkeiten zum Besten der Elisabethstiftung im Schlöffe Monbijou in Augenschein.

Wien, 1 . Mai. Der Kaiser ist heute aus Pest wieder hier eingetroffen.

Telegraphische Correspondenz.

(Wolff'S Bureau.1

Paris, Sonnabend 2. Mai, Abends.France" undEtendard" melden übereinstimmend, daß zwischen Frankreich, England und Italien eine Eini- gung zu Stande gekommen sei, um bei den Vor­gängen in Tunis die finanziellen Jntereffen ihrer Staatsangehörigen zu schützen.

Liberte" versichert, daß einem aus Shanghai eingegangenen Telegramm zufolge der französische Gesandte in Japan wegen der Dupleix - Affaire Saiisfaction erhalten habe. 20 Japanesen seien ent- hauptet und ein Schadenersatz von 750,000 Frcs. gezahlt worden.

Paris, Sonntag 3. Mai, Morgens. Der heutigeMoniteur" bringt Details über die in Japan am 8. März erfolgte Ermordung von 11 Marine- Soldaten des französischen KriegsschiffesDupleix" und bestätigt, daß die javanische Regierung sich bereit erklärt habe, jede Genugihuung, die von ihr gefordert würde, zu leisten.

Paris, Sonntag 3. Mai, Abends. Der Kaffer empfing heute Jules Favre.

France" will wiffen, der neu ernannte russische Botschafter Graf v. Stackelberg werde erst Anfangs Juni in Paris eintreffen.

Daffelbe Blatt erfährt, daß Frankreich in Folge der letzten Ereignisse in Rumänien die Aufhebung der Consular-Gerichtsbarkeit daselbst verweigert.

Gutem Vernehmen nach wird der geletzgebende Körper den Vertrag zwischen der Stadt Paris und dem Credit foncier verwerfen.

Paris, Montag 4. Mai, Morgens. Nach hier eingegangenen Mitteilungen aus Rouen ist daselbst Corneille mit 16,700 gegen 8700 Stimmen zum Deputirten gewählt worden.

London, Sonntag 3. Mai, Morgens. Gerücht­weise verlautet, daß Disraeli seine Resignation an- geboten habe, dieselbe aber vorläufig von der Königin nicht angenommen worden sei.

Gutem Vernehmen nach wird Gladstone be­antragen, daß das Unterhaus vor Erledigung der Debatte über die irische Kirchenfrage keine andere Vorlage in Berathung nehmen möge.

Petersburg, Sonntag 3. Mai, Morgens. Das heutigeJournal de St. Petersbourg" meldet, daß in der gestrigen General - Versammlung der Grande societe des chemins de fer Russes der Ankauf der Nicolaibahn, sowie die nöihig werdenden Statuten-Aenderungen fast einstimmig votirt worden sind. Dem Verwaltungsratbe sind die bezüglichen Vollmachten ertheilt; die bisherigen Rechte der Actio- naire sollen unverletzt bleiben.

Rom, Sonntag 3. Mai, Morgens. Der öfter- reichische Botschafter, Graf Crivelli, ist gestern in Folge eines Schlag-Anfalles gestorben.

Lissabon, Sonntag 3. Mai, Abends. Gegen den Grafen Peniche ist wegen der Haltung, welche derselbe bei den jüngsten Ruhestötungen beobachtet hatte, eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet wor- den; man versichert, daß das Urtheil in dieser An- gelegenheit von der Pairskammer gesprochen werden wird. Nack den hier cingegangenen Berichten herrscht im ganzen Lande die vollkommenste Ruhe.