setzen. Kurz darnach, gegen 11 Uhr, wurde sodann der Wirth von einer Patrouille belästigt, welche in sein Haus einzudringen suchte, nachdem er es bereits geschlossen hatte, was abermals Veranlassung zu Scandal gab. Von Seiten des Wirthes wurde diese Zudringlichkeit mit Energie und Erfolg zurückgewiesen. — In einer Bier- wirthschaft innerhalb der Stadt wurde ein Anderer von einer Patrouille arretirt. — Auf dem Gauthormeg sollen, wie man uns aus Zahlbach schreibt, gegen halb 9 Uhr zwei Artilleristen einem jungen Menschen, der von hier nach Zahlbach ging, „ohne jede Veranlassung die Zähne in den Hals geschlagen" haben. Als unser Gewährsmann dazu kam, hätten dieselben den Reißaus genommen." — Heute war der Redacteur des Blattes vor den Untersuchungsrichter geladen, um über diese Mit- thcilungen, wegen deren das Festungsgouvernement Klage erhoben, vernommen zu werden. Der Angeklagte versichert, daß er im Stande ist, durch klassische Zeugen die Wahrheit des von ihm Erzählten zu erhärten.
Gießen, 3. Aug. Wir können Ihnen die Mit- theilung machen, daß die Stelle des verstorbenen Hengsten der g an der Berliner Universität besetzt ist. Professor Dill mann hier, ein geborener Württemberger, derzeit Rector der hiesigen Universität, ist vom preußischen Cultus - Minister als Professor der alttestament- lichen Theologie nach Berlin berufen und hat den Ruf angenommen. Einen Ruf in seine Heimalh, nach Tübingen, hatte er zuvor adgelehut. Dillmann ist erst kürzlich als Lobredner der kleineren Universitäten öffentlich aufgetreten. Vielleicht erscheint ihm „die Alles verschlingende Centralisation", gegen die er auch vom allgemeinen politischen Standpunkt aus eingenommen ist, an Ort und Stelle nicht so schlimm. (F Z.)
Berlin, 5. Aug. Die „Provinzial-Correspondcnz" bespricht die Finanzlage und die Aeußerungen der Tagespresse über dieselbe. Sie hat die Ordre erhalten, die Nachrichten von dem günstigeren Ergebniß der Staatseinnahmen, wie sie von der officiösen Presse in Umlauf gesetzt sind, und die Behauptung von der Nothwendigkeit außerordentlicher Mittel zur Deckung des Deficlts in Einklang zu bringen. Zu dem Ende klagt sie die liberalen Blätter an, daß sie es seien, welche die
öffentliche Meinung irre geleitet unb die N?ittheilnngen über eine Besserung der Staatseinnahmen willkürlich dahin gedeutet hätten, daß von einem Deficit nicht mehr die Rede, ja daß selbst der wunderl'che Fall möglich sei, daß das Jahr 1869 schließlich noch einen Ueberschuß Nachweise. Das halbamtliche Organ schließt: „Die Regierung hat zu keiner Zeit verhehlt, wie schwer sie sich dazu entschließt, eine Mehrbelastung des Volkes, zumal an direclen Steuern, zu beantragen. Um so mehr darf man vertrauen, daß sie jede sich darbietende Möglichkeit benutzen werde, um die Anforderungen an das Land aus das möglich niedrigste Maß zurückzuführen., Die der Regierung nahestehenden Blätter haben deshalb jede Besserung der Finanzlage, jede Aussicht auf eine Verringerung des Bedürfnisses in jüngster Zeit unverweilt und! unumwunden verkündet, aber sie haben es unterlassen, daran unberechtigte Erwartungen aus eine gänzliche Beseitigung aller Finanzschwierigkeiten zu knüpfen, um nicht ihrerseits spätere Enttäuschungen mit zu verschulden."
— Ueber den gegenwärtigen Zustand der preußischen Cavalleriepferde schreibt die „Allg. Milit.Ztq.": Nach-!
zeitung" (der besten Ablagerungsquelle für solche Produktionen) Alles in Abrede. Die neueste Nummer des holsteinischen „Kirchen- und Schulblattes" veröffentlicht nun zuerst den Harmö'schen Brief und unmittelbar dahinter eine Erklärung des Pastors Fidler in Eddelack, welche lautet: „Ich muß gestehen, daß dis Auslassungen d.'s Pastor Harms mir schwer erklärlich sind. Ich kann entschieden nicht glauben, daß Pastor Harms sollte haben ab leugnen wollen, daß er sich über die Refor- mirten sowohl, als über die Union in schwer verletzender Weise geäußert hat. Ohne alles Einzelne wieder hervorheben zu wollen, beziehe ich mich nur aus Folgendes. So weit man nach längerer Zeit si4 überhaupt noch des Speciellen erinnert, so sind Aeußerungen, wie die nachstehenden, wirklich vorgekommen: „Die Hermanns- burger Missionäre bezeugten es, daß es unendlich schwer sei, den resormirten Sauerteig wieder aus den Herzen derer herauszubringen, welche von holländischen und resormirten Missionären verpfuscht seien." Ferner: „Während wir (Lutheraner) den wahrhaften Leib und das wahrhaftige Blut unseres Heilandes empfangen, wenn wir das heilige Abendmahl feiern, essen die Resormirten nichts beim Abendmahl als ein Bischen Brod und trinken nichts als einen Schluck Wein." Und endlich: „Früher seien die Katholik.n die Feinde des Lutherthums gewesen, jetzt sei von ihnen nichts zu fürchten: gegenwärtig seien die Feinde die Resormirten und vor Allem die, welche sich mit Glaubensmengerei befaßten."
— (Selbst über den Grafen Bismarck.) Als Cu- riosum verdient Erwähnung, daß ein national-liberales Blatt („Danz. Ztg ") gelegentlich eines Leitartikels „der deutsche Iournalistentag in Wien" zum Lobe Giskra's Folgendes schreibt: „Seine Aeußerung, daß er als Mitglied einer parlamentarischen Regierung der Presse als geistiger Genosse nahe steht, und daß die parlament-arische Regierung ihre Kraft und ihren Halt nur in der öffent lichen Meinung hat, die sie nicht nur in der Mehrheit der Kammer, sondern auch in der Presse achten muß, ist eine für Deutschland wichtige Erklärung. Giskra erhebt sich durch dieses Auftreten hoch über alle deutschen Minister, selbst über den Grafen Bismarck, welcher noch im vorigen Jahre so weit ging, daß er im preußischen L-.ndkage sagte, er lese gar keine Zeitungen."
— Offiziös wird die frühere Meldung bestätigt, daß die Entlassung der Reserven unmittelbar nach Beendigung der Manöver stattfinden werde.
— Ueber die preußischen Staatseinnahmen des lausenden Jahres wird folgendes Nähere gemeldet: Mindereinnahmen an Bundessteuern haben sich bei der Rübenzuckersteuer, der Salzsteuec und der Branntweinsteuer ergeben, was bei den zuerst und zuletzt genannten Steuerzweigen seinen Grund in der ungünstigen Ernte des vorigen Jahres hat, bei der Salzsteuer aber darin liegt, daß am Schlüsse des Jahres 1868 sämmtliche fiskalischen Salzsteuerbestände aufgekauft und dadurch eine einmalige bedeutende Einnahme erzielt wurde, welche für dieses und für die folgenden Jahre nicht mehr zu erwarten ist. Die Einnahmen an Zollgefallen stellten sich trotz der Ermäßigungen sowohl gegen den Etat, als das Vorjahr etwas günstiger. Die für alleinige Rechnung Preußens erhobenen Steuern, als Stempelsteuer, Mahl- und Schlachksteuern rc. sind der Bevölkerungszunahme entsprechend gestiegen, wogegen die Strafgelder nach dem Wegfall der Duiuncianten-Antheile, trotzdem daß nun-
zu können, hatte bei Manchen viel Verlockendes und fand ziemliche Anerkennung Jedoch von Tag zu Tag wird es klarer, wie sehr sich so viele Eltern getäuscht haben. Abgesehen davon, daß alle Kinder ohne Unterschied der Confession sich in katholischen Zeremonien, wie z. B. Krenzschlagen üben müssen, setzt folgende Geschichte, die sich vor einigen Tagen zugeiragen hat, dem Ganzen die Krone ans. Einem hiesigen Stadtschnllehrer, der sia- mit einer Protestantin verehelicht hatte, war diese jüngst gestorben. Der Gram um den Verlust nagte ihm am Herzen; sein einziger Trost waren seine lieben Kinder, von denen er das älteste, ein' Mädchen von ungefähr 8 Jahren, der Erziehung der Nonnen anvertraut hatte. Neulich fragt er sie denn zufällig, ob sie sich nicht mehr um ihre gestorbene Mutter gräme. Darauf äußert das Mädchen, die Nonnen hätten ihr verboten, um die Mutter zu weinen, da sie in der Hölle im Fcgfeuer brennt, wohin die Tochter auch noch kommen würde, falls es an die Mutter zu denken fottfahren würde.
Granden;, 2. Aug. Von den im Jahre 1862 wegen Gehorsamsverweigerung verurtheilten Angehörigen der damaligen 12. Compagnie — es waren bekanntlich 5 Unteroffiziere und 96 Gemeine — ist dieser Tage der Füsilier Kollendt der Haft entlassen worden, doch hat derselbe noch den^Rest seiner Militärzeit abzudienen. Es sitzen nun noch — wie der „G." berichtet — in Festungshaft die Unteroffiziere Klatt und Kuhr, von denen der erstere zu 19 Jahren 9 Monaten, der andere zu 15 Jahren verurtheilt ist. Die Auflösung der Compagnie entstand bekanntlich in Folge der unerträglichen Quälereien des Hauprmanns Besser, der, wie sich später heraußstellte, an Geistesstörungen litt. (Zukunft.)
Afchaffenburg, 4. Aug. Wie man sich noch erinnern wird, wurde im Jahre 1866 ein b a ie risch er Soldat, der, von Mainz kommend, auf der Station Stockstadt aus einem Eisenbahnwagen während des Wafsenstillstandes meuchlings auf einen preußischen Offizier feuerte und denselben schwer verwundet hatte, zu einer 5jährigen Zuchthausstrafe verurtheilt. Der Verwundete, königl. preußischer Hauptmann v. F ritsche, hat nun aus Ersuchen der Mutter des Verurtheilten sich mit einem Begnadigungsgesuch an den König gewendet, und wurde derselbe auch in Folge d.ssen aus dem Zacht- hause Plassenburg vor wenigen Tagen entlassen, nach- dem er nur die Hälfte seiner Strafzeit abgcbüßt hatte.
Oesterreichischer KaLserstaat.
Wien, 5 August. Der Chef der galizischen Statthalterei ist hier eingetrofsen und zur persönlichen Berichterstattung über die Vorgänge in Krakau vom Kaiser empfangen worden.
Pl°ag, 2. August. Im Landesgericht entstand heute eine Emente. Ein Häftling brach aus der Einzelle aus und schloß sich unter Slavageschrei den Genossen an. Das Militär überwältigte die Tumultanten.
Ausländische Staaten.
Frankreich. Paris, 4 Aug. Die Nachrichten über das Befinden des Marschall Niel lauten fortdauernd sehr ungünstig. Es ist trotz alles Wider- spruches ein sehr ernstliches Blasensteinleiden, an welchem der französische Kriegsminister leidet und es hat