*= Wiesbaden, 31 . März. Darf man Vers^WW gen glaubwürdiger Personen Glauben schenken, so hat das I Kreisgericht Wiesbaden nach Abzug aller Kosten und! Auslagen, worunier auch die Gehalte für das ziemlich zahl-I reiche Beamtenpersonal mit einbegriffen waren, einen Netto-1 Ertrag von 36,000 Thlr. an Gerichtskostenandie! Staatskasse abgeführt. In anderen Gerichtsbezirken,! z. B. in Idstein und im Amte Wehen soll sich der Netto-! betrag der Gerichtskosten auf 18,000 und 10,000 Thlr.I belaufen haben, so daß man annehmen kann, daß die Ge-I richtskosten allein dem Großstaate Preußen gut Dreiviertheile! von dem eintragen, was das ehemalige Herzogthum Nassau! an directen Steuern rc. aufbrachte. Technisch ausgedrückt be-I tragen also die Gerichtskosten unter königlich preußischem Re-I gime mehr als 3 Simpeln der nasfauischen Staatssteuern.I In guten Jahren wurden aber in Nassau gar nicht mehr als! 3 Steuersimpeln erhoben. Es ist also nicht die Steuerhöhungl allein, welche an dem Marke des Volkes zehrt, sondern auch! die Justiz ist zu einer Finanzquelle des Staates gemacht! worden. Gegen diese Vergleiche mit den früheren Zuständen! wollen die ^nationalliberalen Redensarten von den Segnungen des Großstaates nicht mehr verfangen und das Volk sieht seine Zukunft ernstlich bedroht. Der Mittelstand, das ist man überzeugt, werde demnächst auch in Nassau aufhören. Schon jetzt befürchtet man, daß der kleine Grundbesitzer in seiner Existenz gefährdet sei, da die directen und indirekten Abgaben das Zurücklegen eines Nothpfennigs für unfruchtbare Jahre unmöglich machten und der kleine Grundbesitz allmälig in dem Rheingau verschwinden werde. Um auf unser anfängliches Thema, die Gerichtskosten, aber wieder zurückzukommen, wollen wir noch bemerken, daß die fiscalische Natur derselben überall in dem Volke die Meinung wach gerufen hat, daß die Rechtsprechung in Preußen nur Nebensache und die Gerichtskosten Hauptsache sei. Schon jetzt werden offen und heimlich Ansichten gegen die Justiz laut, die von wenig Vertrauen in die Justizpflege Zeugniß geben.