iesdaden. Sonntag, 4. April.

Bestellungen nehmen alle Postanstallen des In- und Auslandes an; für Wiesbaden die Expedition, Langgasse Nr. SS. In­serate: bie vierspaltige Petitzeile 2 Sgr.

vom 19. Januar d. I. jenes Recht nicht bestritten, son­dern nur die Bereitwilligkeit Luxemburgs, den Vertrag auszuführen, hervorgehoben. Luxemburg, sagte er, sei schon eine offene Stadt; eine Bresche sei schon gelegt, andere würden bald Nachfolgen. Außer jener in der Be­antwortung der Interpellation von dem Minister er­wähnten Depesche soll die luxemburgische Regierung im Lause es vorigen Jahres an die Ausführung des Lon­doner Vertrages von preußischer Seite mehrfach erinnert worden sein. Daß gerade die drei Forts nach der deut­schen Seite hin ganz unberührt geblieben sind, ist jeden­falls auffällig. Der Kern der Sache war schon bei dem Abschlüsse des Vertrages vorhergesehen worden. Es fehlt an Geld, um die Schleifung zu beschleunigen, und Preu­ßen hatte deswegen eingewilligt, daß sie einzeln stattfinde, wobei indessen selbstverständlich angenommen wurde, daß die Arbeiten jedenfalls ernstlich vorrücken müßten, was der preußischen Depesche vom 19. Januar zufolge nicht der Fall war. Die Angelegenheit hat, wie bemerkt, Auf­sehen gemacht und soll auch die französische Regierung beschäftigt haben."

DerGaulois", dessen Mittheilungen indeß nicht allzustarker Glaube beigemessen wird, versichert heute mit großer Bestimmtheit, daß der Abschluß des Vertrages zwischen Italien, Frankreich und Oesterreich eine vollendete Thatsache sei. Demselben zufolge verpflichteten sich Oesterreich und Italien, ihre Rüstun­gen fortzusetzen und den Effectivbestand ihrer Armeen auf einer gewissen Höhe zu erhalten. Beim Ausbruche eines Krieges zwischen Frankreich und Preußen würden beide Mächte neutral bleiben, jedoch am Kampfe Theil nehmen, falls Rußland für Preußen Partei ergreifen sollte.

Unsere Errungenschaften.

DieHessische Morgenzeitung" und nach ihr ein hie­siges Blatt bringen ein Verzeichniß derGewinnste", welche Norddeutschland, und insbesondere den annektirten neuen Landestheilen unter der Herrschaft Preußens und des norddeutschen Bundes zu Theil geworden sind. Das Verzeichniß lautet wörtlich:

Wir haben seit 1866 gewonnen:

1) daß wir die Fremdherrschaft des Hauses Hatsburg los­geworden sind, und werden in der Ansicht von der Nothwendig- keil und Heilsamkeit dieser Trennung durch keinerlei Verfassungs­und Gesetzgebungsfortichritte in Oefterreich, durch kein Bürger- Ministerium und keine Einführung von Geschworenengerichten in Preßsachen irre geleitet;

2) daß wir Glieder eines großen Nationalstaates von einst­weilen 30 Millionen Deutschen geworden und daß dem Parti- cularismus uud der Kleinstaaterei die schlimmsten Giftzähne aus- gebrochen sind;

3) daß die Vertretung der Bürger dieses Staates auf den liberalsten Grundsätzen beruht, deren Verwirklichung noch vor wenigen Jahren zu den kühnsten Hoffnungen der fortgeschrittenen Partei gehörte;

4) daß wir nach außen gerüstet uud geachtet unter Einer Fahne und Flagge dastehen und nach Jahrhunderten der poli­tischen Ohnmacht und Verkommenheit wieder an diejenige Stelle unter den Nationen eingktreten sind, die dem deutschen Volke von Rechts wegen gebührt;

5) baß wir, selbst bis zum Eintritte der süddeutschen Staaten

in den Norgdeutschen Bund, den ihnen zu verwehren Niemand auf der Welt das Recht hat und den, wenn sie ihn energisch wollen, Niemand den Muth haben wird zu hindern, mit dem Süden der Form und Sache nach fester geeinigt sind, als es je­mals zu den Zeiten des seligen oder auch unseligen Deutschen Bundes der Fall war;_

6) daß der auch räumlich erweiterte Zollverein eine seit Jahrzednten erstrebte Verfassung und eine Gesammtvertretung aller deutschen Staaten an Sielle der bisherigen polnischen Wirth- schaft erhalten hat;

7) daß wir uns im gesammten Bundesgebiete niederlassen dürfui, wo wir Vergnügen oder Arbeit finden;

8) daß wir, ungehindert durch die Zunftschranken, Mono­pole und deigl'ichen veraltete Privilegien, unser natürliches Recht zu arbeitin ausüben können;

9) daß die verhaßt, n polizeilichen Beschränkungen der Ehe­schließung weggefallen sind und Niemandem mehr aus engherzigen Rücksichten von einer Gemeinde- oder Polizeiobrigkeit die Grün- tung einer Familie untersagt werden kann;

10) daß der kleinliche Druck von uns genommen ist, mit welchem despotische Launenhaftigkeit das Aufblühen von Handel und Gewerbe hinderte und dagegen großartige Erleichterungen, wie die Herabsetzung des Porto's und die Einführung gleichen Maßes und Gewichtes, thcils schon eingetreten, theils angebahnt sind;

11) daß endlich die letzten Fesseln der Landwirthschaft gelöst sind und Wald- und Feldwirthschaft einem unbeschränkten, ver- nunstgimäßen Betriebe entgegengeführt werden, der den Ertrag steigert, den Landmann wohlhabender machen und die Möglichkeit geben wird, eine größere Anzahl Menschen von den Früchten des heimischen Botens zu ernähren."

Es kann, wie schon die nachfolgenden Ausführungen ersehen lassen, hier nicht unsere Absicht sein, den großen Fortschritt und «die immensen Vortheile, welche wir er­zielt haben: durch das Hinauswerfen derFremdherr­schaft des Hauses Habsburg", durch dasGlieder­gewordensein" eines großen Nationalstaates von einstweilen 30 Millionen Deutschen benebst Ausbre­chen der partikularisten Giftzähne, durch dieVertre­tungs-Berufung" der Bürger diesesStaates" auf den liberalsten liberalstenGrundsätzen u. s. w. u. s. w. Unsere Absicht ist vielmehr nur darauf ge­richtet, diese Liste unserer großen Acquisitionen unter der neuesten Aera in etwas zu vervollständigen. Die Kränkung unseres patriotischen Gefühles darüber, daß eS der Zusammensteller nur auf die Eilfzahl gebracht und nicht einmal das Dutzend voll gemacht hat, wird uns bei dem geneigten Leser gewiß als Entschuldigung dieses auf Vollständigkeit keinerlei Anspruch machenden Ergänzungsversuches dienen.

Den nachfolgenden weiteren Errungenschaften, peciell für diesen Landestheil, stellenweise vielleicht auch ür die staatliche und Bundesgemeinschaft ersuchen wir daher Verfasser und Reproducenten des Artikels ihre Aufmerksamkeit nicht zu versagen.

Wir haben (in der Ziffer fortfahrend) weiter er­rungen :

12) Erhöhung des patriotischen Gefühls durch das Bewußtsein größerer Leistungsfähigkeit und Leistungs- Pflicht für das preußische und norddeutsche Vaterland, insbesondere durch Steuern, z. B.

13) Elasten- und Einkommensteuer,

14) Wechselsteuer,

15) Kalendersteuer,

16) Kartensteuer,

17) Zeitungssteuer, die zugleich zur Erhöhung der Intelligenz nicht unwesentlich beiträgt,

18) Hausirsteuer in besonderer Beziehung auf herum­ziehende Orgelspieler, Erd- und Heidelbeersammler rc., weniger nickt,

19) durch die Zahlung entsprechender Gerichts-

! o st e n, welche das Verständniß über den eigentlichen Werth der Justiz nur zu vermehren und zu erweitern geeignet sind,_