Feuilleton

Unserer lieben Franc von Rüdesheim. *)

Viel klares Wasser rinnt im Rhein,

Das laß ich ruhig fleußen

Und trinke den perlenfunkelnden Wein,

Der droben wächst an dem brennenden Stein, Burg Ehrenfels geheißen.

Wie glühen in dem Sonnenstrahl Die wonnigen Gelände!

Die Rehe duldet Wüstenqual,

Schlingt mühsam sich von Pfahl zu Pfahl Hinauf die steilen Wände.

Sie ist die höchste Edelfrau In allen deutschen Reichen,

Ihr Stammbaum sagt es ganz genau:

Schon Karl der Große gab den Gau Ihr ganz und gar zu eigen.

*) Wir machen von unserem ausgesprochenen Prinzip, wegen der durch den Raum unseres Blattes bedingten Oeko- nomie lyrische Produktionen für die Regel auszuschließen, zu Gunsten einiger schönen unsere Rheingauer Weine prei­senden Gedichte, die wir denFrkf. Familienbl." entnehmen, eine Ausnahme. D. R.

Und welch ein ritterlich Geschlecht Ist ihrem Blut entsprossen ....

Beim Festturnier, wie im Gefecht Der Rüdesheimer kämpft nicht schlecht Mit blitzenden Geschossen.

Vom Ehrenfels, vom Hinterhaus,

Vom Rottland und vom Berge,

Zieht er in hellen Haufen aus Und Sieger bleibt er in jedem Strauß Gen Riesen oder Zwerge.

Doch ob auch die andern in Lied und Reim Den muthigen Ritter begrüßen ....

Unsrer lieben Fraue von Rüdesheim,

Deren Lippen triefen von Honigseim,

Leg' meinen Dank ich zu Füßen.

Friedrich Hornfeck.

Die Familie des Doktors.

Schilderungen aus einer englischen Kleinstadt.

(Fortsetzung.)

Ich fand es gerathen, mich nach besten Kräften dagegen zu wehren, daß ich die Kosten des Unterhalts einer mir fremden Familie übernehme, da ich es mir versagt hatte, eine eigene zu gründen; allein wie sollte ich es anfangen, mich aus dieser schwierigen Lage heraus- zuwinden? Auch beunruhigte mich die Frage, was ich