Iris.
l lnttrhaltungsblatt für Freunde des Schönen und Nützlichen-
N'.° 232
Freitag, 21. November
1828
Geschichte der Gasbeleuchtung.
(Fortsetzung)
Bereitung des Gases.
Wie schon angeführt, werden die verbrennlichen Körper in verschlossenen Räumen destillirt. Die Steinkohlen oder das Oel werden in eiserne Retorten gethan,- die stark erhitzt werden, wobei das Gas durch Röhren in einen Behälter geleitet wird, welcher mit Wasser gesperrt ist; in den Behälter öffnet sich die Leitungsröhre, welche das Gas durch die Brennmündung führt, an welcher es angezündet brennt; der Gasbehälter muß einen beständigen Druck auf das Gas ausüben, damit das Ausströmen gleichförmig bleibt.
Bei der Bereitung des Oehlgases ist es nothwen- dig, daß das Oel auf das bereits erhitzte Eisen tropfenweis fallt, damit es sich nicht vor der Zersetzung verkohle.
Eigenschaften des Oelgafes.
ES ist wie die atmosphärische Luft farblos.. In Rücksicht der Bereitungsart, wonach es bald mehr bald weniger Kohle enthält, ist sein specifisches Gewicht ver. schieden; gewöhnlich verhalt sich dasselbe gegen die atmosphärische Luft, wie 2 zu 3; so, daß es ein Drit- theil leichter ist als diese. Es hat einen unangenehmen brenzlichen Geruch, ohngefähr so wie der Dunst, der entsteht, wenn man ein brennendes Talglicht ansgeblasen hat. Es ist zum Athmen untauglich; die Thiere, die man in solches Gas bringt, ersticken darin, und um so schneller, kleiner sie sind, weil sich um so- weniger atmosphärische Luft in ihren Lungen befindet, wenn man sie in das Gas sperrt. Es ist füG sich allein ohne Zutritt von Sauerstoffgas oder atmosphärischer Luft rinverbrennlich, und brennende Kör, per, die man hiueintaucht, erlöschen darin. Beim Zutritt der, Luft brennt es, wenn es angezlmdet wird mit gelblich weißer Flamme. Diese Flamme .giebt keinen Rauch, so lange der Austritt der atmosphärischen Luft ungehindert ist, damit alles Gas, was aus der Brennmün- öuug dring.!, verbrannt werden kann; ist aber der Luft
zug gehindert, wie bei den Argand'fchen Lampen durch die aufgesetzten Glasröhren, so verbrennt das GaS nicht ganz, und ein Theil Kohle wird ausgeschieden, der das Glas mit Ruß beschlägt. Verbrennt das Gas ganz, so wird nur Wasserdampf und kohlensaures Gas erzeugt. Es brennt mit steter Flamme, und übertrifft an Hellig- ftü der Flamme alle übrigen Beleuchtungsarten von Oes, Talg oder Wachs. Bei dem Verbrennen desselben geht derselbe Prozeß vor wie beim Verbrennen eines Lichtes oder des Oels. Der Docht in dem Lichte und in der Lampe ist von der Flamme umgeben, die ihn im Glühen erhält, wodurch die verbrennliche Substanz zersetzt wird, und in denselben Umständen ist wie das Oel in der Retorte. Der Docht führt die zu verbrennende Substanz durch Capillar-Thätigkeit an den Ort, wo er durch's Glühen des Dochtes zersetzt wird in gekohltes Waffer- stoffgas, das sich in der Flamme verzehrt; eine zweite Portion folgt der ersten und geht die Zersetzung lind das Verbrennen so lange vor sich, als brennbare Substanz vorhanden ist. Daher brennen diese Körper nur mittelst des Dochtes.
Eine gewöhnliche Gasflamme verzehrt in einer Stunde V 2 Cubikfuß Gas und diese Quantität braucht um zu verbrennen 5 Cubikfuß atmosphärische Llift; also 100 Flammen verbrauchen in einer Stunde 500 Cnbik- fuß atmosphärischer Luft. Diese 500 Cubikfuß atmosphärischer Luft, die bei dem Verbrennen des Gases vev«
^zehrt werden, geben Wasserdampf und kohlensanres Gas. Da das kohlensaure Gas zum Einathmen «»tauglich ist, es aber zum großen-Theil durch den Wasserdampf eing»- sogen wird, und sich damit niederschlägt, auch durch den starken Luftzug, der durch Sde Gasflamme entsteht, weiter geführt wird, so ist seine schädlich» Wirkung unbe-. deutend, da kein Zimmer hermetisch verschlossen ist, und das Aufgehrn der Thüren, so wie die Schlüssellöcher und Fensterrahmen der Lust Zutritt gestatten. Der Luftzug jeder Flamme ist daher so stark, daß man darüber gehältene Glaszylinder zum Tönen bringen kann', wo sich das Wasser an die Wände anlegt; was die sogenannte chemische Harmonika gicdt.