Dieses ist der Vorgang des VerbrennenS au den Drennmündungen. Da aber, wie schon angeführt, dieses gekohlte Wasserstoffgas, wenn es in größeren Räumen mit Sauerstvffgas; oder atmosphärischer Luft in bestimm» ten Verhältnissen gemischt ist, Knallluft erzeugt, so geschieht dann bei der Detonation diese Zersetzung plötzlich, und man kann dieselben.Wirkungen hervorbringen, die die bösen Wetter in den Steinkohlengruben veranlassen.
Die atmosphärische Luft besteht, jedoch nicht beständig aus 27 Theilen Sauerstvffgas und 73 Theilen Sal« peterstoffgas; diese Mischung verhält sich ohngefähr wie 1 zu 3. Da aber nur das Sauerstoffgas das Brennen unterhalten kann, so wird auch dieses allein verzehrt und bildet mit dem Gase Knallluft. Wir werden daher Knallluft erst mit Sauerstoffgas, dann mit atmosphärischer Luft bereiten. Das reine Wasserstoffgas verpufft 2 Theile mit 1 Theil Sauerstoffgas uud bildet reines Wasser. Das gekohlte Wasserstoffgas bedarf wegen der Kohle mehr, 1 Theil und 3 bis 4 Theile und dehnt sich aus, während jenes blos Wasser bildet, dieses aber kohlensaures Gas und Wasserdampf. Vermischt man 1 Theil OelgaS mit S bis 10 Theilen atmosphärischer Luft, giebt ^es Knallgas, dessen Wirkung bei der Verpuffung der des Schießpulvers gleich ist. Dieses Verhältniß, unter welchem das Oelgas Knallluft gibt, muß genau das ange» gebene sein; ist etwas mehr oder weniger von einem der beiden Gasarten, so verbrennt die Luft mit einigem Geräusch langsam und bildet eine lange bgld erlöschende Flamme. (Schluß folgt.)
Chronik der Frankfurter Schaubühne.
Samstag den 15. Nov. Fidel io, Oper in 2 Acten von Beethoven. (Schluß) So ist denn auch Fidelio ein lebendiges, edles und wahrhaft schönes Tonwerk, das zwar dem verwöhnten Ohr nicht schmeicheln, noch durch Sonderbarkeiten und groteske Sprünge gefallen , vielmehr durch eine besonnene Einleitung, künstlerische Steigerung, und ein großsinuiges Conzentriren aller Tongewalten auf einen erhabenen Brennpunck — demnach die Gesetze des recitirenden Schauspiels auf das musikalische anwendend — uns theils beruhigen, theils hinreißen und entzücken will. Diesen Character des Werks spricht schon die Ouvertüre aus, die uns abwechselnd zu Boden drückt und in den Himmel hebt, und mit einem jubelnden Fanfare den Sieg des Guten über das böse Prinzip feiert. Ein Duett zwischen Ja- guino und Marzelline, milden, fast italienischen Stils, leitet den ersten Act ein; und letztere, die leider am Schluß ungenügend ausgeht, besingt darauf die Wonne häuslichen Eheglücks. In Wien ist man gewohnt, solche Arietten in einem leiernden Handwerksburschen-Tvn mit Hopsa und Eiapopei (die in Wenzel Müller'schen und Kauer'schen Liedern fast nirgend fehlen) zu vernehmen; um so mehr Achtung verdieut deßhalb die delikate Be
handlung , die Beethoven der Arie „O wär' ich schon mit ihm vereint" angedeihn ließ. Hierauf ein überaus schöner Kanon, ein Lied vom. vollen Geldbeutel, auch in einem unwienerischen Stil; und: ein liebliches Terzett. Von nun an wird die Musik feurig und wild, und Pi- zarro singt die (im Finale des ersten Acts zum Freischütz stark benutzte) Arie mit Chor ,,Ha welch ein Au« genblick!": ein musikalischer Hekla voll Eiszacken und innerlicher Gährung. Sodann das Duett zwischen Pizarro und Rokko, eine der effektvollsten Stellen, die in Frankfurt so gefällt, daß sie, wie ich höre, immer dacapo verlangt wird. Die nun folgende imposante Scene der Eleonore „Abscheulicher, wo willst du hin?", von vier Hörnern begleitet, rauscht, wie ein Schiff mit vollen Segeln, durch die Wogen des Gesanges, und verliert sich in die rührende, nur ein wenig zu gedehnte Klage der Gefangenen, womit das Finale des ersten Acts all, hebt. — Die Luft des Himmels von Sevilla spielt in Florestan's Kerkerarie, womit der zweite Act beginnt; und selbst die Worte des Textes werden poetisch, wenn es darin heißt:
Und spür' ich nicht linde sanft säuselnde Luft,
Und ist nicht mein Grab mir erhellet?
Zch seh', wie ein ^ngel im rosigen Duft
Sich tröstend zur Seite mir stellet,
Ei» Engel, Lenoren der Gattin so gleich.
Der führt mich zur Freiheit, in's himmlische Reich.
Nun folgt die Hauptscene, wo Leonpre ihres Mannes Grab schaufelt, und ihm das Stückchen Brod reicht. Ist diese Musik ein köstlicher Wein in einem Goldpokal, worin Rosen schwimmen, so wird ihn doch Niemand, der ein Herz hat, leeren, ohne eine verstohlne Thräne hin« einfallen zu lassen. Was Goethe in Worten aussprach und seinem Harfner in den Mund legte, schluchzt hier in den bewegtesten Tönen an unser Ohr. Wer nie sein Brod mitThränen aß!! — Und doch kann ich den Wunsch nicht unterdrücken, Beethoven habe in dieser Scene statt des Duetts der Eleonore einen Einzelgesang in den Mund legen mögen (was scenisch wohl zu veranstalten wäre). Was ließe sich in einer solchen Situation singen, was empfinden! So glaube ich auch, in einer Tragödie, die Karl den Fünften zum Helden habe, lasse sich bei der Scene, wo der Weltregent sein eigenes Grab gräbt, ein Monolog schreiben, der allein einen Dichter unsterblich machen könnte. — Das Quartett in der Ermordungsscene rüttelt mit Riesenkraft an den Pforten der Verzweiflung und des Todes so lange um Gnade, b»s der Ruf der Rettnng daraus hervordringt: der unerwartete Trompetenstoß tönt in dieser Scene wie die Posaune des Weltgerichts. In dem grandiosen Finale feiert der Zusammenschwung aller Stimmen und Instrumente die Freuden der Wiedervereinigung, die Wonnen der Erlösung und den Triumph der gerechten Sache: selbst die Re- miniscenz aus der Schiller'scheu Hymne an die Freude,