gerichteten LectionNehmt ein Exempel dran!" schließt; versteht sich von selbst. Dem. Lindn er, welche ohne Frage die Hauptrolle in diesem Tabackpfeifenstück spielt, entzückte durch Naivität, schlug sich Feuer wie ein ächter Raucher, und that die Züge des ungewohn­ten Duftes mit einer Grazie, um die sie manche ihrer Schwestern beneiden dürfen. Hr. Löwe ließ es, als Othello, an dem gehörigen Aufbrausen der Leidenschaft uicht fehlen, und Hr. Otto, der schon so oft Onkel sein mußte, wußte auch heute die Nuancen dieses Rol­lenfachs gut darznstelle».

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Fidelio, Oper in 2 Acten von Beethoven. Vom Texte soll zuerst die Rede sein, da er sich psychologisch als wahr, literaturhistorisch als merkwürdig darsteüt. Kur Bewahrheitung dieser Behauptung werde ein Wort von Goethe angeführt, der in Wahrheit und Dichtung sagt:Wenn gutmüthige Schalks- und Halbschelmen­streiche, zu edeln Zwecken, mit persönlicher Gefahr ausgeübt.werden, so sind die daraus entspringenden Situationen, ästhetisch und moralisch betrachtet, für das Theater von dem größten Werth; wie denn z. B. die Oper: der Wasserträger, vielleicht das glück­lichste Sujet behandelt, das wir je auf dem Theater ge sehn haben." Die Leichtigkeit und Geschicklichkeit, womit französische Textdichter ähnliche Sujets, wie das zum Wasserträger, zu behandeln wissen, hat sich mehr als einmal bewährt. Eine der lieblichsten Erscheinungen der Art ist die von dem französischen Vaudepilledichter SewrlN gedichtete OperDas Milchmädchen von B^rcy,"

welche Treitschke übersetzte und A. Fischer, Capellmeister des Theaters an der Wien, komponirw. Der Inhalt ist folgender. Unter der Regierung Ludwig's XIV. schrieb Konstantin von Rennkville, ein Günstling des Ministers Kolbert, ein Schauspiel, wodurch er den Hof so gegen sich erzürnte, daß er flüchtig werden mußte. Er .begab sich mit seiner Gattin Karolrne nach Holland, im Haag wurde er jedoch emgezogen, nach Frankreich gebracht, und in die Pastille gesetzt. In dem Sewnn'schen Schau­spiel sehn wir nun, wie Karolipe, als Milchmädchen verkleidet, das Gefängniß ihres Gemahls auserspäht hat, und denselben durch ihrer Hände Arbeit, bei fremden Leuten dienend, mit Allem unterstützt, was sein trauri­ges Loos erleichtern kann. Der Himmel belohnt diese Treue, ihr Mann wird durch Kolbert's Verwendung befreit und an das Herz der Gattin zurückgestihrt.

Eine ganz ähnliche Geschichte muß sich in Spanien zugetragen haben: denn ans dem Bericht, daß einmal ein verdienstvoller Edelmann vom Hofe entfernt, in ein Staatsgefängniß geworfen und zum Tode verurlheilt, im Moment der Vollziehung des Todesurtheils aber von seiner Gemahlin, die sich verkappt in seinen Kerker ge­schlichen, gerettet worden sei, ist eines der bekannteste« musikalischen Schauspiele gedichtet worden, das in Se­villa spielt, und vor längerer Zeit unter dem Titel :

Eleonore, und mit dem Zusatz: Spaniens Staatsgefällg- niß, oder: Eheliche Liebe, erschienen ist.

Par war der Erste, der diese Oper komponirte. Selbst die Feinde des verzärtelten Italieners müssen eingestehn, daß Eleonore, in ihrer überraschenden Ma­jestät, die übrigen musikalischen Leistungen desselben hin­ter sich lasse. Allgemeine Bewunderung erregte die Arie, die er der Eleonore in den Mund legt:Schändlicher Pizarro, wo gehst du hin? (Esecrabil Pizzarro, dove yai)", wo Hvrn, Fagott und Klarinette auf eine vortreff­liche Weise mit der Singstimme konzertiren. Das Duett, während Leonore ihres Mannes Grab gräbt, ist kurz und in die Seele schneidend; und mit einer fürchterlichen Extase rauscht der Moment heran, wo sie sich zwischen ihren Gatten und seinen Mörder wirft: hier schweigen alle Instrumente, ein gellender Angstschrei, ohne Akkord, raset auf, schallt eine Weile empor, und verliert sich in den donnernden Zuruf: Haltet, ich will ihn schützen !

Der Text der Pär'schen Eleonore sagte unserm Beetho, ven so zu, daß er ihn von Treitschke nur wenig umar­beiten ließ und nochmals komponirte. Beethoven's Ta­lent zur dramatischen Komposition war vorher in Zweifel gezogen worden, und selbst die Freunde dieses Meisters, den man den musikalischen Jean Paul nenuen sollte, glaubten nicht, daß er sich durch eine Oper bei'm Pu­blikum Eingang verschaffen würde. Seine Eleonore er­schien, und die Besorgnisse gingen in .Erfüllung. Die Zuhörer wollten keinen rechten Geschmack an dieser Ton­dichtung finden, Einige erklärten sie für ganz unpracti- kabel und verunglückt, und die Meisten hielten die Musik für kalt und vornehm. Sie verschwand daher eine Zelt­lang vom Repertoire, und als sie später wiederum er­schien, fand der Komponist selbst es für nöthig, wesent­liche Veränderungen vorzunrhmen und ihr den neuen Ti­tel Fidelio zu geben.

Das Gute bricht oft nur langsam durch, die Ge­genwart erkennt zuweilen ihre größten Geister nicht an, und Daco von Verulam, einer der tiefsten kritischen For­scher, lebte neben Shakspeare, ohne von dem Genius der britischen Insel Kunde zu nehmen. Beethoven, als Opernsetzer, darf uicht rühmen, ihm fei ein Aehuliches bei Lebzeiten nicht widerfahren, und erst nach seinem Tode wird Deutschland immer mehr einsehn, wie Un­recht es gethan, ihn nicht zu ferneren dramatischen Ar­beiten, durch Anerkennung des Fidelio, ermuntert und augefenert zu haben. Ja, hätte Beethoven auch diesen Fidelio nicht geschrieben, der Kenner würde ohnedies aus seinen übrigen Leistungen ersehn haben, daß ihm das Talent der dramatischen Eomposition nicht abging: denn, sind einige seiner Lieder, wie die Adelaide, nicht schon kleine s.cenische Piecen, die aus dem lyrischen Bo­denkreis hiuwegfiattern; und ist sein Christus am Oel­berg nicht so durch und durch handelnd vorgetragen, daß die Eruik hiervon Veranlassung genommen hat, die Reinheit des geistlichen Stils in diesem Orato­rium in Zweifel ziehu? <Schluß folgt) R-

H. L. Br ö n n e r'sche Buchdrucker,ei Kit. J. Nr- 148 großer Kommarkr,