llnterhaltungsblatt für Freunde -es Schönen und Nützlichen
231 Mittwoch, 19. November 1828
Die nächtliche Heerschau.
Von I. C. v. bedlitz.
(Taschenbuch für Damen 162Y.)
Nacht- um die zwölfte Stunde Verläßt der Tambour fein Grab, Macht mit der Trommel die Runde. Geht wirbelnd auf und ab.
Mit seinen entfleischten Armen Rührt er die Schlägel zugleich. Schlägt manchen guten Wirbel, Reveil und Zapfenstreich!
Die Trommel klinget seltsam.
Hat gar einen starken Ton,
Die alten tobten Soldaten Erwachen im Grab davon.
Und die im tiefen Norden Erstarrt in Schnee und Eis,
Und die in Welschland liegen.
Wo ihnen die Erde zu heiß;
Und die der Nilschlamm decket.
Und der arabische Sand,
Eie steigen aus ihren Gräbern,
Sie nehmenS Gewehr zur Hand.
Und um die zwölfte Stunde Verlaßt der Trompeter sein Grab, Und schmettert in die Trompete Und reitet auf und ab.
Da kommen auf luftigen Pferden Die tobten Reiter herbei,
Die blut'gen alten Schwadronen In Waffen mancherlei.
Es grinsen die weißen Schädel Wohl unterm Helm hervor.
Es halten die Knochenhände Die langen Schwerter empor. —
Und um die zwölfte Stunde Verläßt der Feldherr sein Grab, Kommt langsam hergeritken, Umgeben von seinem Stab,
Sr tragt ein kleines Hütchen,
Er trägt ein einfach Kleid,
Und einen kleinen Degen Trägt er an seiner Seit'.
Der Mond mit gelbem Lichte Erhellt den weiten Plan,
Der Mann im kleinen Hütchen — Sieht sich die Truppen an.
Die Reihen prasentiren Und schultern das Gewehr,
Dann zieht mit klingendem Spiele Vorüber das ganze Heer.
Die Marschäll' und Generale Schließen um ihn einen Kreis. Der Feldherr sagt dem Nächsten Ins Ohr ein Wörtlein leis;
Das Work geht w der Runde, Klingt wieder fern und nah: „Frankreich" heißt die Parole, Die Losung „St. Helena! —'' —
Dieß ist die große Parade Im eliseischen Feld,
Die um die zwölfte Stunde Der todte Cäsar halt.
Geschichte der Gasbeleuchtung.
(Fortsetzung)
Versuche auf Gasbeleuchtung bis zur neuesten beit.
Nach Tabors Handbrrch der Gasbeleuchtungskunst war der deutsche Chemiker Joh. Joachim Becher der erste, der eine Anwendung des Steinkohlengases zu Schmelzprozessen machte. Er erzählt selbst in seiner narrischen Weisheit und weisen Narrheit, (dieses merkwürdige Buch ist in England verfaßt, und in Frankfurt a. M. 4.683 erschienen) daß er schon vor dem Jahr 1683 in Holland die Verkohlung des Torfs, und in England die der Steinkohlen entdeckt habe, daß er aus beiden nicht nur sehr gute Kohlen erhalten, die nicht mehr rauchen noch stinken, sondern daß er auch mit den Flammen davon so stark zu schmelze» vermochte als mit Holz. Die Flamme