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Liebe.
Eine Erzählung in vier Abtheilungen. — Von F. Rellstab.
(Fortsetzung.)
Der Postillon hielt, und schwang sich vom Pferde. Noch bevor er den linken Fuß aus dem Bügel hatte, war der Nuovo hinangesprungen und sein Dolch fuhr dem Unglücklichen in den Leib. Er that einen Schrei, doch ein zweiter Stoß traf ihn in den Hals, und zugleich riß ihn die Faust des Räubers bei den Haaren zu Boden. Dort ließ er ihn liegen und fiel den Pferden in die Zügel, da die erschreckten Thiere schon anrückten, um durchzugehen. Eben so rasch war Beppo mit dem Kammerdiener fertig geworden, der keinen Laut von sich gegeben hatte, und hielt das zweite Pferd.
Drullo batte den Wagen aufgeriffen und rief: „Einen Laut, und Ihr seid des Todes!«
Ter unwillkürliche Schrei einer weiblichen Stimme ließ sich hören.
"Was verlangt Ihr für unser Leben," sprach eine feste rnannliche Stimme. „Ich kaufe uns los! Spart Euch die Blutschuld!"
»Faccia a terra,« rief Drullo, und hielt dem Reisenden ein Pistol vor. „Heraus!"
Der Banditenforderung gehorsam, stieg der Reisende aus, da jede Gegenwehr vergeblich schien; doch kaum hatte er den Fuß auf den Boden gesetzt, so daß er dem Stoß des Räubers handrecht war, so fuhr ihm dessen Dolch in die Brust, daß er mit einem erstickten Ruf umsank.
„Wir werden uns hier lange mit Capitulationen aufhalten!" rief er. "Was Ihr bei Euch habt, ist doch unser, und die Lösegelder hinterher mag der Teufel holen! — Das Frauenzimmer wird nicht schreien, sie liegt in Ohnmacht," rief er seinen Raubgesellen zu. — "Eure haben auch genug. Jetzt helft erst ausplündern!"
In wenigen Minuten war der Wagen ausgeräumt, Börsen, Uhr, Brieftasche der Reisenden, die Schatulle in den Händen der Räuber.
"Das Mädchen nehmen wir, wie sie ist, da haben wir die Ohrringe und Halskette gleich in den Kauf," gebot Drullo.
Sie hoben die Ohnmächtige aus dem Wagen.
„Vorwärts! Keine Zeit verloren!" gebot Drullo. „Hier durch die Schlucht hinaus am Fels, daun links nach der Kapelle. Da sucht uns Niemand, da wollen wir Athem schöpfen!"
„Da wollen wir loosen," sprach der Nuovo.
„Horch! Pferde! Beim heiligen Markus!" rief Drullo mit verhaltenem Ton der Stimme. „Von unten herauf! Fort, fort, denn sonst ist hier der Teufel! — Werft lieber das Frauenzimmer weg! —
Dock der Nuovo rief: „Den Teufel auch! Sie ist leicht wie eine Feder, und sind wir erst um den Fels, so sind wir sicher. Wer will uns hier im Finstern Nachkommen?"
„Meinethalben," antwortete Drullo, „doch gibt sie einen Laut von sich, so sitzt ihr mein Dolch in der Kehle, und ich stürze sie kopfüber in den Abgrund. Das fehlte noch, daß wir eines Weibsbildes halber an den Galgen kämen!" — So verschwand er im Gebüsch und klimmte einen versteckten Pfad zwischen Felsblöcken aufwärts. Er trug die Schatulle und die Hauptstücke der Beute; die beiden Andern schleppten die Unglückliche, die in völliger Bewußtlosigkeit war, fort.
Als einige Minuten verstrichen waren, richtete sich der Postillon empor. Er war nicht so schwer getroffen, daß er das Bewußtsein verloren hätte, allein er hatte, um dem Tode zu entgehen, kein Glied gerührt. Er lauschte scharf! Wirklich ließen sich Pferde in der Ferne hören, doch ganz langsam.
— Da zog er ein Pistol aus dem Gürtel und schoß es in die Luft, als Nothzeichen. Es wurde verstanden. Denn einige Secunden darauf hörte man Reiter im Galopp ansprengen, und nach zwei Minuten harten sie den Wagen erreicht.
„Um Gottes Willen, was ist hier geschehen!" rief ihr Führer, ein junger Offizier.
Der Postillon erzählte. — Einige sprangen sogleich vom Pferde und halfen dem Verwundeten empor.
„Und wohin sind sie geflüchtet?" fragte der Officier. „Wir müssen die Unglückliche retten!"
„Dort hinauf sind sie zwischen die Felsen geklettert," antwortete der Postillon und deutete nach oben. „Bei St. Petrus, dort sind sie! Sie sind schon hinauf, dort biegen sie um den Fels!"
Man sah in einer Thurmhöhe oben am Felsen, der schon vom Mondlickt erhellt wurde, einige Gestalten sich bewegen, und auch ein weißes flatterndes Gewand!
„Wir müssen hinauf!" rief der Officier.
„Das wird schwer halten, wenn Ihr nicht jeden Felsblock kennt!" antwortete der Postillon.
In dem Augenblick fielen einige Schüsse; mehrere Reiter, die die Flüchtigen droben auch wahrgenommen hatten, schossen mit ihren Karabinern hinauf.
„Unvorsichtige, was thut Ihr!" rief der Officier. „Wißt Ihr nickt, daß sie eine Geraubte fortschleppeu? Wenn Ihr diese getroffen hättet! — Folgt mir lieber hinauf!"
„Versucht es nicht, Signor," wandte der Postillon ein, „die Wege hier gehen durch Höhlen und Spalten, die der Teufel am Tage nicht findet, und immer am Abgrund hin! Ihr könntet ein Unglück haben, und einholen werdet Ihr sie doch nicht, denn droben durch den Wald hin ist es eine ganze Strecke eben, sie können einen Vorsprung gewinnen und haben dann hundert Wege."
„Wir müssen es wagen!" rief der Officier. «Wer hat Muth, mich zu begleiten?" Fünf Mann schlossen sich ihm an.
— Sie gaben die Pferde ab und folgten ihrem Führer zwischen den Gebüschen und Steinblöcken den Felsweg hinauf. Doch schon nach wenigen Augenblicken wurden sie irre; der Pfad führte in eine tiefe Felsspalte, wo dichte Finstermß herrschte. Sie mußten sich vorwärts tasten; der Officier glitt aus und wäre in den Abgrund gestürzt, wenn ihn der nachfolgende Mann nicht noch glücklich gefaßt und gehalten hätte. Sie mußten umkehren, versuchten einen anderen Weg; es war eben so vergeblich. Endlich nach zehn Minuten angestrengtester Mühe gaben sie es auf, den labyrinthischen Pfad bergaufwärts zu finden, und kehrten um. Allein selbst das Zurückkehren war schwierig.
Indessen hatten die Untengebliebeneu den Verwundeten Hilfe geleistet. Der Kammerdiener schien am schwersten getroffen; er athmete zwar, doch gab er sonst kein Lebenszeichen. Semem Herrn war die Besinnung auch nicht zurückgekehrt; doch sprach er einige Worte, und rief mehrmals mit angestrengtem Ton: „Wo ist meine Tochter?"
Man hatte die Verwundeten in den Wagen gesetzt. Als der Officier zurückkam, gebot er zwei Leuten die Vorderpferde am Zügel zu nehmen und so den Wagen langsam hinab zu