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Die Weisen allen Zeiten waren ergriffen von dieser Wahr­heit und haben die Geheimnisse der Natur zu ftudiren ge­sucht, so viel ihnen möglich war; aber sie sind oft betrogen worden, weil ihnen die zur Untersuchung nöthigen Werkzeuge fehlten. Da sie die kleinen Gegenstände nur mit dem bloßen Auge betrachten konnten, so waren sie unfähig, in dieser Art sich auch nur einige Gewißheit zu verschaffen. Wir aber sind so glücklich, jetzt durch ausgezeichnete Mikroskope in den Stand gesetzt zu sein, tausendmal kleinere Gegenstände zu untersuchen, als die, welche man ohne diese Hülfe nicht entdecken würde; mit einem Wort: die Sonnen-Mikroskope führen uns eine Unzahl neuer Dinge vor die Sinne und lehren uns die wunderbarsten Verrichtungen der Natur ken­nen, die man in frühem Jahrhunderten für unglaublich, ja für unwahrscheinlich gehalten hätte.

Wer hätte vor 1000 Jahren geglaubt, daß man in einem kleinen Tropfen Wasser Millionen kleiner Geschöpfe unter­scheiden könne, welche munter, gleich in einem Meere, her­umschwimmen ; oder, daß man das Blut in den feinsten Pulsadern fließen sehen und in den Blutkügelchen lebende Atomen gewahren könne; oder, daß man tausend und aber­mal tausend lebende Wesen im Lemen mfiscuHnum aller organischen Geschöpfe entdecken würde; oder, daß man nicht allein die äußere Form einer Lans und eines Flohes deut­lich sehen, sondern auch klar di einnere Beschaffenheit und die Bewegung der innern Flüßigkeiten mit einer Unzahl kleinern Geschöpfe von der Größe eines Sandkorns unter­scheiden könne.

Tausend derartige Entdeckungen dienen dazu, die Natur­wissenschaft zu begründen und zu erweitern, die Fähigkeiten des menschlichen Geistes zu bereichern, unsere Idee über die Größe und Herrlichkeit der Natur zu erhellen und uns De- muth einzuflhßen gegen den unendlich mächtigen, gütigen und weisen Schöpfer der Welt.