Vorläufige Statuten
des
Vereines für Kunde der Hauptsprachen Europas,
in Frankfurt am Main.
Aie Hauptabsicht des Vereines geht auf die höchst nothwendige Verbesserung der Wörterbücher und Grammatiken in den vornehmsten Sprachen Europas. Der Stifter hat sich nämlich seit vielen Jahren von der einseitigen, oberflächlichen, naturwidrigen Behandlung überzeugt, welche bisher insbesondre diesen Sprachen in lericographischer und grammatischer Beziehung zu Theil geworden ist. Bei seinem ungewöhnlich tiefen Eindringen in den Mechanismus des neuesten Französischen, Englischen, Jtaliänischen u. s. w., den er zum ausschließlichen Ziele seiner rastlosen Thätigkeit gewählt, hat es ihm nicht entgehen können, daß die besten französisch-, englisch-, italiänisch-, spanisch-, russisch-deutschen u. a. m. Wörterbücher, nach fehlerhaften Grundsätzen verfaßt, weit hinter den Forderungen der Zeit Zurückbleiben und mehr, oder weniger nur vermehrte Auflagen der frühesten Werke dieser Art sind. Massen von veralteten Ausdrücken werden für gangbare gegeben, dagegen alltägliche Formen und Phrasen zu Tausenden vermißt.
Von der Wahrheit dieser Ansicht kann sich Jeder überzeugen, der aus Wörterbüchern den Stoff zum richtigen Ausdrucke in einer fremden Sprache zu schöpfen sucht, oder in irgend einer europäischen Sprache die neuesten belletristischen, politischen oder technischen Werke so lesen will, daß er jedes Wort und Wortverbindung genau versteht. Nun scheint aber zur zeitgemäßen Umgestaltung der Wörterbücher kein Mittel geeigneter zu sein, als daß, da die Aufgabe weit über die Kräfte Einzelner geht, eine Anzahl gebildeter, nicht gerade gelehrter Männer, Uebersetzer, Lehrer, Kaufleute, Künstler, Fabrikanten, Techniker und Geschäftsleute jeder Art, sich verbindet, nach näher anzugebendem Plane, die ganze neuere Literatur der Deutschen, Franzosen, Engländer, Jtaliäner, Spanier, Russen u. s. w. unter sich zu vertheilen, die einzelnen Schriftsteller auszubeuten und auf das Ergebniß neue Wörterbücher zu bauen. Um diese so auszustatten, daß sie nicht nur die Mittel zum vollständigen Verstehen, mit möglichst wenigen grammatischen Vorstudien, sondern auch das Formular zur richtigen Bildung des eigenen Ausdrucks liefern, ist eine enge Verbindung mit französischen, englischen, italiänischen, slavischen u. a. m. Gelehrten unumgänglich nöthig, und es ist deshalb schon die nöthige Einleitung von Seiten des Vereines getroffen worden, auch besonders aus den Slavenländern der Beitritt bedeutender Männer erfolgt. Diese Verbindung mit dem Auslande wird der Verbreitung der deutschen Literatur und ihrer genauen Kenntniß bei den Nachbarvölkern sehr förderlich sein, da dann Uebersetzungen immer von Deutschen und Ausländern können gemeinschaftlich bearbeitet werden.
In Beziehung auf die deutsche Sprache insbesondre muß durch Zuziehung aller derjenigen mundartlichen Formen und Formverbindungen, welche nur irgend in Schriften Vorkommen können, die unsichere uud ängstlich enge Gränze erweitert werden, in welche bis jetzt Grammatiker, Lericographen und Synonymiker gesucht haben, unsere hochdeutsche Schriftsprache einzuzwängen. Nur so wird der Grund zu einem National-