Ueber das Verhältniss der elektrischen/Pola- zu Licht und Wärme.

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i. Es giebt für alle Verhältnisse der Elektricität zu andern

Naturkräften ursprüngliche Thatsachen, welche, wie in einer Knospe, einen ganzen Organismus enthalten. Von ihrer genauen Beobah- tung ausgehend, entwickelt sich durch die Reihe der Einzelnheiten die Erkenntniss des Ganzen. Eine solche z. B. war für die Lehre vom Elektrochemismus die Wasserzersetzung, als man an dem posi­tiven Pol den Sauerstoff, am negativen den Wasserstoff auftreten sah. Ein solches Factum war es für den Elektromagnetismus, als O e r s t e d die Thatsache wahrnahm, dass der Magnet sich senkrecht auf den elektrischen Strom lagert, indem seine Polarität zu der des .Stroms in einem bestimmten Verhältnisse steht. Auch bei den andern Beziehungen der Elektricität muss die wissenschaftliche Unter­suchung von solchen Fundamentalversuchen ausgehen, deren scharfe und methodische Beobachtung allein zu einer genügenden Ablei­tung und Entwicklung führt. Und so muss es auch für die Erre­gung des Lichts und der Wärme durch Elektricität Urphänomene geben, welche, wenn man die Complicationen eliminirt, einfach und klar die elementare Thatsache darstellen. Bei einer Unter­suchung über die Eigenthümlichkeiten der elektrischen Pole habe ich Erscheinungen beobachtet, Avelche mir diesen Charakter zu haben schienen, und deren Entwicklung ich denen, welchen rei­chere Mittel zu Gebot stehen, hiermit zur Prüfung vorlege.

I. Ueber den Ursprung des elektrischen Lichts.

2. Man hält das elektrische Licht für ein Ausgleichungs­

phänomen beider Elektricitäten, welches zwischen den Polen in

schlechtleitenden Medien stattfinde. Ob eine oder zwei Elektri­citäten selbst leuchten, ob das Licht ihnen als Flüssigkeiten zukomme, oder ob das elektrisirte Medium leuchte, so wie auch über die Frage, welchen Antheil die Wärme an dem Licht­phänomen habe, darüber herrschen weder hinreichend klare Vor-