Kurze Mittheilimgen
über die . ‘
KARLSBADER THERMEN
von
Dr. Ferdinand Fleckles jun.
Badearzt in Karlsbad. '
■ Karlsbad gehört in die Reihe der alkalinisch-sali- nischen Mineralquellen, deren erster Repräsentant es ist.
Das Wasser ist klar und farblos, ohne charakteristischen Geruch; der Geschmack ist schwach säuerlich-salzig.
Das specifische Gewicht ist bei allen Quellen dasselbe und beträgt nach Bercelius bei 18° C. 1004"975.
Es gehen von den Quellen, wie Prof. Ehr mann mit Elektrometer und Magnetnadel nachgewiesen hat, elektrisch-magnetische Strömungen aus, und zwar sind diese negativer Art.
Die Hauptvefschiedenheit der einzelnen Quellen bildet ihre Temperatur und sie bedingt auch die geringen _QM&nisc hen D ifferenzen. Es gibt keine schwäche-
Gallenstein, Koliken u. s. w.) ; sie regen die Schleimhäute der Respirationsorgane, des Magens und Darmes zu vermehrter Secretion an und sie regen die De- fäcation an. Die Stuhlentleerungen sind regelmässig, schmerzlos und meist breiig. Bei Individuen, deren. Darmcanal durch Purgative abgestumpft ist, tritt diese Wirkung erst nach längerem Gebrauche auf, und lässt sich ganz zweckmässig durch den Zusatz von Sprudelsalz zu den Quellen unterstützen ; bei zarten erethi- schen Individuen kömmt es dagegen im Beginne der Kur meist zu Diarrhöen.
Sie beschränken auch die Defäcation und
zwar in jenen Fällen, wo die (chronischen) Diarrhöen in Uebersäuerung des Magen- oder Darmsaftes oder der
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ren und s t ä r k e r enQtTe 1 i e n , s’onäerTiriür ‘VsÄ- — siruL:.- die Regelung der Defäcat|
tere und wärmere, von denen die ersteren ärmer, die letzteren reicher an Kohlensäure sind.
Aus allen bisher angestellten Analysen gellt die vollkommene Identität der verschiedenen Quellen hervor:
Die Analyse des Prof. Ragsky vom Jahre 1862 lieferte folgendes Resultat:
In 16 Unzen = 7680 Gran sind an in wägbarer Menge vorhandenen Bestandteilen enthalten:
Schwefelsaures Kali ....
. . 1*2564
Gran
Schwefelsaures Natron . . .
. . 18-2160
Chlornatrium.
. . 7-9156
Kohlensaures Natron ....
. . 10-4593
Kohlensaurer Kalk . . . . .
. . . 2-2870
Kohlensäure Magnesia....
. . 0-9523
Tf
Kohlensaurer Strontian . . .
. . 0-0061
Kohlensaures Eisenoxydul
. . . 0-0215
n
Kohlonsaures Manganoxydul
. . 0-0046
11
Phosphorsaure Thonerde . . .
. . 0-0030
71
Phosphorsaurer Kalk ....
. . . 0-0015
Ti
Fluorcalcium.
. . 0-0276
Kieselerde.
. . 0-5590
Summa der fixen Bestandtheile
.. . 41-7099
Gran
lange
über den Gebrauch der Quellen iiinar
Freie und halbgebundene Kohlensäure . 5'8670 Gran oder 1P892 Kubikzoll bei 0° Temperatur und 0’76 M. Barometerstand.
Die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung der Karlsbader Thermen sind: das schwefelsaure Natron, Chlornatrium, kohlensaures Natron und die hohe Temperatur.
Die therapeutische Erfahrung ergibt: Die Thermen Karlsbads wirken schmerz- und krampfstillend (rundes Magengeschwür, Cardialgien,
eme
dauernde.
Sie vermehren die Harnabsonderung ; bei jenen aber, bei denen die Defäcation oder die Schweisssecre- tion stark vermehrt ist, nur im geringen Grade.
Sie regeln die Gallenseeretion, so die gehinderte, zurückgehaltene Ausscheidung der Galle oder einzelner Bestandteile derselben (Bilifulvin — Gallenpigment), auch da, wo gar keine nachweisbaren, ursächlich durch Karlsbad zu hebenden Momente — Leberleiden — zu Grunde liegen, wie z. B. beim einfachen Icterus in Folge heftiger Gemütsbewegung. /
Sie regeln die anomale Zuckerproduetion. Karlsbad hat sich bei Diabetes einen Weltruf erworben.
Sie üben Einfluss auf die Resorption der Fctt-
gebilde. Allgemeine Anhäufung von Fett, sowie locale physiologische Fettdepositen, wie wir sie z. B. als Fettleber sehen, werden oft rasch bei dem Gebrauche der Karlsbader Thermen resorbirt. Sie üben einen sehr bedeutenden Einfluss auf eine Reihe von Krankheiten, welche bei geringem Stoffwechsel, auf mangelhafter Oxydation beruhen, wie die Gicht, welche sich besonders in ihrer Anlage bei dem Gebrauche der Karlsbader Thermen rasch bessert; bei saurer Concrementbildung in den Nieren und Blase durch Karlsbad werden einerseits die Bildung von Harnstoff — der auf einer höheren Oxydationsstufe als die Harnsäure steht — begünstigt, die schon gebildete Harnsäure in leicht löslichere Verbindungen gebracht und endlich Sand und kleinere Con- cremente ausgeschwemmt.