viele Geschütze abgenommen und eine große Zahl von Ge­fangenen gemacht Letztere werden nach einem Telegramm derDeutschen Ztg." aus 18,000 beziffert.

Die russenfreundlichen Blätter phantasiren schon von einem längeren Waffenstillstand, den die Mächte der Pforte auferlegen würden, damit Rußland über den Winter- ffeldzug hinwegkommt, gemächlich auf's Neue rüsten und im Frühjahr wieder losschlagen kann, während die Türkei sich in ihrem Siegesläufe gehemmt und ein halbes Jahr zur Kriegsbereitschaft gezwungen sieht!Wohl ausgesonnen, Pater Lamormain!" Freilich man muß dafür sorgen, daß die Rechnung nicht ohne den Wirth gemacht werde. Zum auferlegten" Waffenstillstand gehören ihrer Zwei: Einer, der ihn auferlegt, und Einer, der ihn sich auferlegen läßt. Und vorläufig sehen wir weder Diesen noch Jenen.

Preußen. Die preußische Regierung fühlt das Be- dürfniß, ihre etwas verdächtig gewordene Neutralität vor übler Nachrede zu bewahren. Nach den mannigfachen Be­weisen der Russenfreundschaft, welche Preußen gegeben hat, darf es wohl türkenfreundlichen Blättern nicht verargt werden, wenn sie der dortigen Regierung auch die Absicht zuschreibeu, dem besten Freunde, dem sie selber nicht offen helfen mag, gute Freunde in der Nähe unter den Kleinen zuzuführen, -oder deutlicher gesagt, sie soll in Bukarest und Serbien für das Bündniß mit Rußland agitirt haben. Das wäre für Preußen gewissermaßen eine Allianz incognito, die sich schon vorher durch die Initiative in Sachen der Genfer Convention sowie durch allerlei unzweideutige Zeichen der Sympathie für die russischeCulturmission" verrathen hat. Man hat es nun offiziöser Seits für angezeigt gehalten, in derNationalzeitung" diese Mittheilungen über solche Einwirkungen auf die beiden Gerngroße in Rumänien und Serbien fürUnterstellungen" erklären zu lassen. Ob das Gleiche auch mit der Sensationsnachricht derNeuen Preuß. Ztg." geschehen wird, wonach die preußische . und

österreichische Regierung die polnische G^l?e.mit ihren '«Yjv.ptu t\t||-cn Iwmu i/tußianb seine dortigen

Garnisonen für den Kriegsschauplatz niobilisiren kann? In der That meldet man vorgestern der WienerPresse" aus Krakau, daß die Truppen in den polnischen Bezirken Lublin, -Radom, Plock schon Marschordre erhalten haben. In Oesterreich und Ungarn, wo man sich eben erst von dem Erstaunen erholt hat, das der telegraphische Druckfehler in dem kaiserlichen Toaste dort hervorgerufen hatte, ist man durch allerlei Gerüchte beunruhigt, daß es mit derge­bundenen Marschroute" Andrasfy's und der Neutralität auch nicht so ganz richtig sei.

Zur hohenzollerschen Vielseitigkeit eitlen weiteren Beleg. Zu demFestabend", den die Stadt Köln den preußischen Majestäten gab, hatteBischof" Reinkens von der Stadt keine Einladung erhalten, obwohl er sich darum bemüht hatte. Trotzdem war ihm eine Einladungskarte zugekommen. Zu dem großen Galadiner in Brühl erhielt -Reinkens, der in vollerbischöflicher" Kleidung erschienen, keine Einladung, dafür wurde er zu einemkleinen Di­ner" bei der Königin in Stammheim eingeladen. So gibt die Linke, wovon die Rechte nichts weiß.

England. Selbst dieTimes" kann nicht umhin, sich nachgerade die Augen zu reiben und an Rußland zu verzweifeln. In einem Artikel rechnet das Cityblatt den Russen nach, wie viel Hilfe sie von fremden Staaten, von Serbien, Montenegro und Rumänien empfangen haben, ohne trotz alledem zum Siege gelangen zu können. Selbst­verständlich bildet dieTimes" sich ein, daß die Stimmung in Deutschland und Oesterreich den russischen Waffen günstig sei; aber daß ist eine von den Unbegreiflichkeiten dieser wetterwendischen Prophetin, die mit anderen Meinungen des Abends schlafen geht und mit anderen des Morgens aufsteht. Es genügt, zu cortUatiren, daß zu denen, welche

| nur mehr in elegischem Tone von Rußland reden, sich neuerdings auch dieTimes" gesellt hat.

In GrieHenlarrd ist der uralte Admiral Kanaris gestorben.

Türkei. Osman Pascha berichtet aus Bujukdere: Die Russen griffen gestern mit acht Colonnen an, nahmen und verloren wieder fünf Redouten und wurden zurückge­drängt, wobei sie 15,000 Mann, drei Kanonen, eine große Menge Munition und Waffen verloren.

Osman Pascha hat die Russen vollständig geschla­gen. In den ersten Kämpfen wurden 8000 Russen getödtet. Oie telegraphische Verbindung zwischen Plewna und Or- phanie ist zerstört. Die Russen sollen 15,000 Todte und doppelt so viel Verwundete haben.

Die Türken haben am 13. d. alle Stellungen, die Redoute bei Grivica inbegriffen, wiedergenommen und die Russen selbst ans den Positionen, die sie früher vor dem Angriffe innehatlen, zurückgeworfen, so daß die gegenwär­tigen Stellungen der Russen um 13 Kilometer weiter von Plewna entfernt sind, als am 11., dem Tage des ersten Sturmes.

Bei Sinon, zwischen Lom und Jantra, griffen die Russen mit 32 Bataillonen, drei Regimentern Cavrllerie und 61 Kanonen Said Pascha an, der sie mit 18 Batail­lonen und 16 Kanonen zurückschlug, ohne erst die Verstärk­ungen abzuwarten, die ihm zu Hilfe kamen.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Russen hätten bereits Tirnowa geräumt und ihre dort stehenden Truppen wären nach Brela abgezogen, um die Armee des Czarewitsch zu verstärken. Sollte sich diese Meldung bestä- tigeu, dann wäre wol der Anfang vom Ende da, und die Russen würden fortan nicht mehr um die Ehre, sondern für die Deckung des Rückzuges fechten. Wenn sie Tirnowa geräumt hätten, so würden die Vertheidiger des Schipka- Paffes förmlich in der Luft hängen und müßten sich ent­weder Wemsiast, davonmachen oder den Türken ergeben. Uebrrgens bleibt die Bestätigung der Räumung von Tirnowa jedenfalls abzuwarten. Wie verlustreich die Kämpfe im Schipka-Paffe für die Russen sind, geht unter Anderm aus den Notizen desRussischen Invaliden" hervor. Da lesen wir zum Beispiel, daß vom 35. Infanterie-Regiment, dem Briansk'schen, im Schipka-Paß der Oberstlieutenan , drei Majore und außerdem noch zweiundzwanzig Hauptleute und Lieutenante verwundet wurden von den Tobten zu schweigen.

Di': Nachricht von Skobeleff's Niederlage fhat in Bukarest und wohl auch anderswo) niederschmetternd gewirkt. Diese Division ist vollständig vernichtet. Ein Kriegsrath unter Vorsitz des Kaisers sprach die Ansicht aus, daß die R ü ck z u g s b e w e g u ng demnächst beginnen müsse. Man schätzt die Verluste zwischen dem 7. und 13. ds. Mts. auf 20,000 Mann. Die Sterblichkeit unter den Verwundeten ist erschreckend groß. Es steht fest, daß eine neuerliche Of­fensive unmögtich wäre. Zwischen dem Fürsten Karl und dem Großfürsten ist ein Zwist ausgebrochen. Heute sind 3 Züge mit Verwundeten angekommen. Der Großfürst hielt sich des Erfolges für so gewiß, das er den Sieg bei Plewna telegraphiren ließ; nun ist die Entmuthigung groß; die Generale sind müde, die Offiziere unzufrieden und man räth in Rumänien zum Frieden.

, In Bukarest herrscht eine große Aufregung darüber, daß die rumänisch n Truppen von den Russen als Kano­nenfutter verwendet würden. Dem gestrigenPester Lloyd" wird aus Bukarest geichrieben: lieber die rumäni­schen Verluste bei Plewna sind die beunruhigendsten Ge­rüchte eingelaufen. Man sagt, daß der vierte Theil bereits kampfunfähig geworden sei. Inzwischen suchen offiziöse Blät­ter das Jammern und die Klagen durch die Erzählung von beispiellosen Heldenthaten der rumänischen Armee zu betäu-