Und wenn diese Katastrophe hereinbricht, so wird eine große Thal der Gerechtigkeit vollbracht sein. Freventlicher und mit größerer Verachtung derFriedens- wünsche der gebildeten Welt wurde niemals ein Krieg unternommen; hochmüthiger hat der Stärkere den Schwachen niemals überfall n, und niemals war ein Kriegsvorwand mehr erheuchelt, als der der „Befreiung" der türkischen Slaven durch das geknechtete Rußland. Wenn es der unvergleichlichen Tapferkeit der türkischen Heere gelingt, diese militärische Katastrophe herbeizuführen, so wird nicht nur die Wiederherstellung des Friedens ganz nahegerückt, sondern auch das türkische Reich wird sich selbst in den Augen der Welt vollkommen rehabilitirt und dem ganzen Welttheil einen uermeßlichen Dienst erwiesen haben: Europa wird für lange Zeit von der Russen angst befreit sein.
Die Niederlage Rußlands ist die Zerstörung des Machtnimbus, mit welchem seine Diplomatie diesen Coloß mit thönernen Füßen zu umgeben verstanden hatte. Die ungesunde panslavistische Propaganda, zu der sich der Absolutismus in Rußland bereit finden ließ, wird ein Ende nehmen, denn die Niederlage Rußlands wird alle die bisher nach Außen gewendeten Bestrebungen nach Innen znrück- drängen und dort jene nothwendige Reform herbeisühren. welche wir allerwärts in Europa aus den Niederlagen ehrgeiziger und unberechtigter Expansions-Bestrebungen und der damit verbundenen heillosen finanziellen Zerrüttung emporwachsen sahen. Der türkische Sieg wird nicht blos die Befreiung des ottomanischen, sondern auch die des russischen Volkes zur Folge haben.
Aber nicht blos im Interesse der baldigen Herstellung des Friedens in Europa nnd zur Befreiung des russifchen Volkes aus einer unwürdigen Knechtschaft wünschen wir den türkischen Waffen den Sieg. Die Demüthigung und Lahmlegung Rußlands auf ein halbes Jahrhundert hinaus ist eine ungeheure Beruhia una fü r Deftprrpui fcna durch russische Erfolge auf "derBalkan-Halbinsel, durch Errichtung slavischer Staaten unter russischem Protectorate an seinen Grenzen am meisten gefährdet wäre; für De nt sch- land, da ein von der Türkei geschlagenes Rußland auf- hört, ein begehrenswerther Alliirter zu sein. Das Unterliegen Rußlands wäre eine Wohlthat für die Welt, denn es wäre eine Niederlage der slavischen Herrschaftsbestrebungen.
Der türkische Sieg wird den Orient und Rußland ihrer Selbstbestimmung wiedergeben, jener gewissenlosen und ungerechten Einmischungs-Politik, welche alle Gräuel und alles Unheil dieses Krieges verschuldet, ein Ende machen und die Regeneration des Orients dem natürlichen Zuge der ökonomischen Kräfte des civilistrten, arbeitenden und industriellen Europa überlassen, welche in einem Jahr gutmachen werden, was Diplomaten und Soldaten seit einem Jahrhundert verdorben haben. Der Erfolg der tapferen türkischen Heere, welche die Selbstständigkeit und Integrität ihres 'Landes mit einem alle Welt in staunendes Bewundern versetzenden Heldenmuthe ver- theidigen, ist ein Sieg der Gerechtigkeit und der Frei- heit, denn in letzter Instanz ist es die Freiheit und der Friede Europas, dessen Cabinette sie schmählich ver- riethen, für welche die türkischen Waffen kämpfen. Möge der Tag nicht lange mehr auf sich warten lassen, der uns die Kunde bringt, daß es den vereinten Heeren Mehemed Ali's, Suleiman's und Osman's gelungen, die letzten Bataillone des Czars aus Bulgarien hinauszufegen.
G rr r o p a.
München, den 18. September.
Bayern. Bekanntlich meldeten die Blätter vor etlichen
Tagen, daß Herzog Carl Theodor in Bayern, bei dem sich beim Jubiläum der Universität einige Leute durch Verleihung des Titels eines vr. neä. honoris causa einzuschmeicheln suchten, zum Präsidenten der eben, auf Kosten gemeinen Stadtsäckels hier stattfindenden „Versammlung von Aerzten und Naturforschern" auserkieset worden sei. Bei Hof scheint diese Wahl keineswegs nach Wunsch gewesen zu sein, denn der Herzog wurde unvermuthet zu den Trauerfeierlichkeiten in Dresden abkommandirt, wo auch eher sein Platz ist. Die „naturwissenschaftliche" Speichelleckerei^ hat damit Eines aufs Maul bekommen. Prosit! — Die Geschichte kostet uns Gemeindeumlagepflichtigen 13,500 Mark, wenn's langt, die man wieder für Dinge hinaus wirft, die uns nichts angehen. Wir — und andere Leute — haben's ja! Freilich, die „Neuesten nennen es eine „hohe Ehre" für München, daß es da „ein Jubiläum deutscher (!) Wissenschaft (!!) feiern darf." Wir haben aber nicht das Mindeste bemerkt, daß sich „München" etwas darauf einbildet oder überhaupt um die Geschichte sich im Mindesten interessirt. Bei der Gelegenheit sagen die „ Neuesten" auch, daß „Kunst und Wissenschaft in München in höchster Blüthe stehen." Ja wohl, die Kunst z. B. in den Erzeugnissen gewisser hiesiger Blätter, deren „Kunst"-Produkte ein Skandal sind, und die Wissenschaft z. B. darin, das „Bier" nach allen Regeln der Chemie zur wahren Gift brühe zu machen. Die wahre Kunst hat in München einmal geblüht, heute hungert sie, wenn sie nicht in Schweinereien macht und zur H— sich herabwürdigt; vorder „Wissenschaft" aber, wie sie jetzt in München „blüht", rede man lieber nicht; so weit überhaupt noch von „Wissenschaft" zu reden ist, ist sie zur Dirne der Macht, zur Sklavin der Tagesgötzen und des Materialismus geworden, während sie frei sein sollte, frei, unabhängig und erhaben, die Dienerin des Rechtes und der Wahrheit. Was darüber oder darunter ist, das ist vom Schwindel,
Fortschritt in der wahren NatflkenÄ» ,,große^
sie verstehen) unmittelbar oder mittelbar auch eine entsprechende Vervollkommnung des sittlichen Menschenlebens herbeiführen muß". Wir sehen das jeden Tag: Je mehr „Fortschritt", desto größer und allgemeiner die Verluderung! „Fortschritt" und „Wissenschaft" ohne Religion, d. h. Christenthum, kommt oder führt jedenfalls zum Teufel oder ins Zuchthaus, das lehrt wenigstens die Geschichte der Menschheit, und wenn das die Gelehrten und „Naturforscher" 'der „Neuesten" nicht wissen, so thut's uns Leid, aber wahr bleibt es darum doch.
— Die letzten Nachrichten über die Vorgänge bei Plewna deuten darauf hin, daß, wie es allen Anschein hat, die ganz furchtbare Blutarbeit der letzten Tage für die Russen eine vergebliche gewesen ist. Dem gestrigen „Londoner Standard" wird nach „H. T. B." gemeldet, „daß die Verbindungen mit Osman Pascha wieder vollständig hergestellt sind, da Plewna nicht mehr cernirt ist. Osman Pascha geht jetzt zur Offensive über. Sämmtliche verlorenen Positionen sind bereits zurückerobert worden." Die Wiener „Deutsche Zeitung" schreibt: „Dem hiesigen auswä tigen Amte wird gemeldet, daß die Russen wegen der erlittenen Verluste sich von Plewna zurückziehen. Der Czar befindet sich nicht wohl. Nach Bukarester Nachrichten soll der russische östliche Flügel von Osman Pascha in Unordnung zurückgeworfen worden sein, wobei die Türken viele Gefangene gemacht hätten. Bukarester Telegramme an offizielle Wiener Persönlichkeiten melden übereinstimmend, die Niederlage der vereinigten russisch-rnmänischen Armee vor Plewna sei eine vollständige. Der Verlust am 11. September werde auf 10,000 Mann geschätzt. Sko- belew's Corps, welches südlich von Plewna stand, existire nicht mehr. Osman Pascha habe demselben am Mittwoch